Eingeschlossen in Titanic-Tauchboot: Küstenwache zeichnet bedrückendes und „düsteres“ Szenario
VonHelena Gries
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Für die Insassen des auf dem Weg zum Wrack der Titanic verschollenen Tauchbootes ist die Reise zu einem lebensbedrohlichen Albtraum geworden.
Boston – Die Suche nach dem seit Sonntag (18. Juni) vermissten Tauchboot, das mit insgesamt fünf Personen bemannt zum Wrack der Titanic tauchen wollte, wird immer mehr zum Wettlauf gegen die Zeit. Da der Sauerstoff in dem knapp sieben Meter langen Tauchboot „Titan“ nach Betreiberangaben für 96 Stunden reicht, „gehen wir davon aus, dass derzeit zwischen 70 und 96 Stunden verfügbar sind“, sagte Kommandant John Mauger von der US-Küstenwache in Boston am Montag (19. Juni). Insgesamt sind fünf Personen an Bord des Titanic-Tauchboots.
Titanic-Touristen in Tauchboot verschollen: „Sehr, sehr unangenehme, dunkle Erfahrung“
Ein ehemaliger Mitarbeiter der Küstenwache hat gegenüber dem US-amerikanischen Nachrichtensender Fox News ein düsteres Szenario beschrieben, welches die eingeschlossenen Insassen des Tauchbootes aktuell durchleben könnten. „Soweit ich weiß, sind die Schiffe nicht für mehrtägige Langstreckenausflüge ausgelegt“, sagte John Mixson, pensionierter Oberleutnant der US-Küstenwache, der an Such- und Rettungsmissionen über große Entfernungen beteiligt war.
„Es wird also eine sehr, sehr unangenehme, dunkle Erfahrung, mit viel Hoffnung und Gebeten.“ Auch für die an der Suche und Rettung beteiligten Menschen sei es eine „schlimme“ Situation. Laut Mixson sei eine Unterwasserrettung eine „sehr herausfordernde Tortur“.
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Titanic-Tauchboot vermisst: Größte Herausforderung für die Eingeschlossenen sei es, ruhig zu bleiben
Der Reporter David Pogue vom US-Sender CBS, der die Fahrt im vergangenen Jahr mitgemacht hatte, sagte gegenüber BBC, das Gefährt habe auf ihn einen improvisierten Eindruck gemacht. „Man steuert dieses U-Boot mit einem Xbox-Gamecontroller“, so Pogue. Ein Teil des Ballast bestehe aus Baurohren. Falls das Boot eingeklemmt werde oder Leck schlage, „gibt es kein Backup, keine Rettungskapsel“, sagte er. Der ehemalige U-Boot-Offizier Frank Owen sagte der BBC, die größte Herausforderung für die Eingeschlossenen sei es, ruhig zu bleiben und nicht zu viel Sauerstoff zu verbrauchen.
Dieses undatierte von OceanGate Expeditions im Juni 2021 zur Verfügung gestellt Foto zeigt das Titan-U-Boot des Unternehmens OceanGate Expeditions. In der Nähe des Titanic-Wracks im Atlantik suchen Rettungskräfte nach fünf Vermissten in einem verschollenen U-Boot.
Der U-Boot-Experte Alistair Greig vom University College London nannte im BBC-Gespräch mehrere mögliche Szenarien des Vorfalls. Bei einem Strom- oder Kommunikationsausfall könne es sein, dass das Tauchboot zur Oberfläche getrieben würde. Deutlich schlechter wäre die Lage, sollte der Rumpf beschädigt worden sein und es ein Leck geben.
Schwierig wäre es auch, wenn das Tauchboot nicht mehr aus eigener Kraft vom Meeresboden aufsteigen könne. „Auch wenn das Tauchboot möglicherweise noch intakt ist, gibt es, wenn es tiefer als 200 Meter ist, nur sehr wenige Schiffe, die so tief vordringen können, und schon gar keine Taucher“, sagte der Experte. (hg/dpa)