An der Levanteküste

Beirut: Die Hauptstadt des Libanons

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Beirut, Hauptstadt des Libanons

Beirut ist die Hauptstadt des Libanons. In Beirut leben über 2,3 Millionen Menschen. Die Stadt ist das Zentrum der Kultur, Politik und Geschichte des Libanons.

Beirut – Die Hauptstadt des Libanon liegt am östlichen Mittelmeer, der sogenannten Levanteküste. Die Stadt bildet das Zentrum von Geschichte, Kultur und Politik für die Bevölkerung des Landes in Vorderasien.

Beirut: Geographie und wichtige Daten

Die Stadt, die in der Vergangenheit oft als das ‚Paris des Nahen Ostens‘ bezeichnet wurde, erstreckt sich heute mit einer Bevölkerung von mehr als 2,3 Millionen Menschen über eine Fläche von 100km² an der östlichen Mittelmeerküste. Sie ist damit tatsächlich von Fläche und geschätzter Einwohnerzahl ähnlich dimensioniert wie die Stadt Paris in Frankreich. Die Nachbarländer sind im Norden und Osten Syrien und im Süden Israel.

Genau wie die exakte Anzahl der Einwohner, kann auch die Verteilung der Ethnien und der Religionen lediglich geschätzt werden, da der letzte Zensus im Jahr 1932 durchgeführt wurde und es auch ansonsten keine verlässlichen Erhebungsmethoden gibt. Was man allerdings weiß, ist, dass die Stadt die größte Vielfalt verschiedener Glaubensrichtungen im Nahen Osten hat. Es gibt sowohl Christen, Muslime und Drusen. Juden leben seit dem Bürgerkrieg kaum noch im Libanon. Durch die Interessen der verschiedenen Konfessionen in der Politik gibt es massive Auswirkungen auf die Politik des Landes. So sind manche Ämter der öffentlichen Verwaltung Angehörigen bestimmter Glaubensrichtungen vorbehalten.

Beirut unterhält Partnerschaften zu verschiedenen Städten. Unter anderem: Athen, Paris, Dubai, Moskau, Los Angeles und Istanbul. Das Klima in Beirut ist mediterran und die Temperatur liegt im Durchschnitt bei etwa 22 Grad Celsius.

Beirut: Geschichte

Beirut wurde bereits im 2. Jahrtausend vor Christus erstmal in der Geschichte erwähnt. Damals hieß die Stadt Be’erot, was bereits auf eine Verwandtschaft zum heutigen Namen hindeutet. Übersetzt aus der Sprache der Phönizier, die damals in diesem Gebiet lebten, bedeutet Be’erot so viel wie ‚die Brunnen‘. Ähnliche Formen des Namens wurde über die Jahrtausende beibehalten.

Im Jahr 551 nach Christus wurde die Stadt und seine Bevölkerung, die zu diesem Zeitpunkt Teil des Römischen Reiches war, von einer Naturkatastrophe ausgelöscht. Ein Erdbeben und die folgende Flutwelle machten die Stadt quasi dem Erdboden gleich. Bis dahin war Beirut eine der kulturellen Hochburgen auf der Welt gewesen. Wieder aufgebaut wurde die Stadt erst ab 635 von den Arabern, die die Stadt durch ihre gute strategische Position am Mittelmeer zum Handel nutzen wollten. Anfang des 2. Jahrtausends fiel die Stadt in die Hände der Kreuzfahrerstaaten, die Beirut als Ausgangspunkt ihrer Kreuzzüge, zur Versorgung und zum Handel mit Europa nutzten.

Nach dem Ende des Königreichs Jerusalem im Jahr 1291 endete die Herrschaft der Kreuzfahrer. Danach stand Beirut unter der Herrschaft verschiedener Reiche. Bis 1516 waren die Mamluken an der Macht, danach bis etwa 1860 das Osmanische Reich. Durch einen Konflikt zwischen maronitischen Christen und Drusen entwickelte sich ein Massaker an Christen, welches durch die Franzosen gestoppt wurde. Diese setzten einen christlichen Gouverneur ein, der bis zum Ersten Weltkrieg die Politik in der Provinz Libanonberg bestimmte.

Beirut: Französische Prägung

Nachdem die Franzosen bereits seit 1860 Einfluss im Land gehabt hatten, wurde dieser nach dem Ersten Weltkrieg noch größer. Unter einem Völkerbundsmandat wurden die heutigen Landesgrenzen festgelegt. 1926 erhielt man als Republik Großlibanon mehr Freiheiten und größere Souveränität. Nachdem die Franzosen zunächst von den deutschen Kräften im Zweiten Weltkrieg geschlagen wurden, kündigte das freie Frankreich 1941 an, dass der Libanon ab sofort unabhängig sei und sich unter die Truppen des freien Frankreich unterordnen würde. Nach den Wahlen im Jahr 1943 kündigte der Libanon das Mandat jedoch einseitig auf.

Der offizielle Unabhängigkeitstag des Libanon ist bis heute der 22.11.1943. An diesem Tag wurde die libanesische Regierung wieder eingesetzt und eine souveräne libanesische Politik konnte wieder aufgenommen werden. Als Zugeständnis an Frankreich entsandte man 20.000 Freiwillige in die Armee des Freien Frankreich. Man war also ganz entschieden auf Seiten der Alliierten und im Nachgang des Zweiten Weltkriegs auch Gründungsmitglied der Vereinten Nationen. Weite Teile der Gründungsvereinbarung und Charta der Vereinten Nationen wurden vom libanesischen Delegierten Charles Malik mitverfasst.

Bis in die 1970er Jahre war der Libanon ein Musterbeispiel politischer Stabilität im Nahen Osten. Beirut wurde damals von der Bevölkerung als ‚Paris des Nahen Ostens‘ bezeichnet. Mit dem Beginn des Bürgerkrieges im Jahr 1975 im Libanon, der für etwa 100.000 Todesopfer und 800.000 Flüchtlinge sorgte, begann der Abstieg des Landes. Das Land verlor über weite Strecken seine Souveränität und wurde zusehends undemokratischer. Obwohl der Bürgerkrieg 1990 endete, wird das Land bis heute immer wieder von Revolutionen und Kriegen heimgesucht.

Beirut: Politik

Die Situation der Politik in Beirut ist bis heute angespannt und verfahren. Laut dem Abkommen von Taif sind bestimmte Ämter Menschen mit bestimmtem religiösem Hintergrund vorbehalten. Die Geschichte des Konfessionalismus macht politische Entscheidungen oft kompliziert. So muss der Bürgermeister von Beirut sunnitischer Moslem sein, während der Gouverneur von Beirut Griechisch-Orthodoxer Christ zu sein hat.

Das gleiche System setzt sich in der staatlichen Regierung fort, die ebenfalls in Beirut tagt und arbeitet. So muss das Staatsoberhaupt stets ein maronitischer Christ sein, der Parlamentspräsident ein schiitischer Moslem, der Regierungschef ein sunnitischer Moslem und der Oberbefehlshaber der Armee muss Christ sein. Das Staatsoberhaupt wird alle 6 Jahre gewählt. Die Wahl findet durch das Parlament statt, welches wiederum von der Bevölkerung gewählt wird.

Beirut: Wirtschaft

Beirut ist das wirtschaftliche Zentrum des Libanon. Es gibt in der Hauptstadt vor allem dienstleistungsorientierte Unternehmen mit einem Fokus auf Bankdienstleistung und Tourismus. In der Stadt haben die größten Konzerne des Libanon ihre Hauptsitze. Unter ihnen die Börse des Libanon, Middle-East Airlines und die Banque du Liban.

In der Region wird Beirut vor allem als Bankstandort geschätzt und von der Politik gefördert. Die Währung ist seit der frühen Geschichte Libanons mit einem Goldstandard hinterlegt und deshalb beliebtes und begehrtes Zahlungsmittel. Viele der Ölproduzenten aus dem Mittleren Osten vertrauen ihre Einlagen Banken in Beirut an.

Das Pro-Kopf Bruttoinlandsprodukt der Bevölkerung war 2016 bei 18.500 US-Dollar. Das Wohlstandsniveau im Libanon liegt damit ungefähr auf dem gleichen Level wie Mexiko.

Beirut: Tourismus und Sehenswürdigkeiten

In früheren Zeiten war der Libanon ein sehr beliebtes Reiseziel für Touristen aus aller Welt. Seit den Unruhen, die in den 1970er Jahren starteten, können Touristen oft aus Gründen der Politik oder Sicherheit entweder gar nicht erst einreisen, oder es gibt Ressentiments aufgrund der vorherigen Sicherheitslage. Es gibt einen internationalen Flughafen, den Beirut-Rafic Hariri International Airport. Er beförderte im Jahr 2019 knapp 9 Millionen Passagiere. Es gibt im Libanon einige bemerkenswerte touristische Attraktionen, die nicht nur der Bevölkerung vorbehalten sein sollten:

  • Das Nationalmuseum von Beirut: In diesem Museum werden über 100.000 archäologische Ausstellungsstücke von Ausgrabungen im Libanon ausgestellt, die die Geschichte des Staates erzählen. Eröffnet wurde das Museum im Jahr 1942.
  • Sursock Museum: Dieses Museum für zeitgenössische Kunst eröffnete im Jahr 1961. Nicolas Ibrahim Sursock vererbte die Villa, in der die Ausstellung zu sehen ist, nach seinem Tod der Stadt Beirut, mit der Bedingung, dass daraus ein Kunstmuseum entstehen sollte.
  • Mohammed-al-Amin-Moschee: Moderne Moschee mit über 10.000m² Gebetsfläche. Die Minarette sind über 72 Meter hoch.
  • Our Lady of Lebanon: Christliche Pilgerstätte mit einer 8,5 Meter hohen Marienstatue, die etwas außerhalb von Beirut liegt. Von der Anhöhe kann man einen tollen Blick auf Beirut bekommen.

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