Der Libanon ist eine Republik, in der konfessionelle Pluralität auch in der Politik eine wichtige Rolle spielt. Das Land blickt aber gerade deswegen im 20. Jahrhundert auch auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die bis in die Gegenwart immer noch spürbar ist.
- Der Libanon ist ein kleines Land an der Ostküste des Mittelmeeres.
- Die Hauptstadt Beirut wurde früher auch als das „Paris des Nahen Ostens“ bezeichnet.
- Der Name des Landes leitet sich vom gleichnamigen Gebirge ab.
Beirut – Der Libanon ist ein verhältnismäßig kleines Land an der Ostküste des Mittelmeers, das aber dennoch in seiner Vergangenheit von zahlreichen Großmächten immer wieder heiß umkämpft war. Das politische System des Landes ist auch stark an konfessionelle Vorgaben in der Verfassung gebunden. Aus diesem Grund hat das Land aber auch immer wieder mit innenpolitischen Herausforderungen zu kämpfen. Zuletzt sorgte eine verheerende Explosion im Hafen der Hauptstadt Beirut im Nachhinein sogar für einen erzwungenen Regierungswechsel.
Libanon: Die Frühgeschichte des Landes
Archäologische Funde belegen, dass bereits vor 40.000 Jahren Menschen im Gebiet des heutigen Libanon lebten. Im 3. Jahrtausend vor Christus siedelten sich hier die Phönizier an. Sie beherrschten als Seefahrer nicht nur den Mittelmeerraum, sondern gründeten ab dem 15. Jahrhundert vor Christus auch Handelsniederlassungen in Karthago oder Malta.
In der Antike war das Gebiet heiß umkämpft. Nach den Phöniziern herrschten hier die Assyrer, gefolgt von den Babyloniern und später den Persern. Nachdem Alexander der Große das Perserreich zerschlagen hatte, übernahmen die Seleukiden die Vorherrschaft. Später wurde der Libanon unter dem Namen „Syria“ römische Provinz und gelangte im Jahre 395 vor Christus in den Herrschaftsbereich von Ostrom, dessen Verwaltungssitz Byzanz war.
Libanon: Vom Mittelalter bis zum „Kleinen Libanon“
Im 7. Jahrhundert breitete sich der Islam im Gebiet des heutigen Libanon weiter aus, sodass hier mehrere Religionen parallel zusammenlebten, aber auch in Konflikte gerieten – unter anderem verschärften sich diese, als im Mittelalter christliche Kreuzfahrer Teile des Landes als das Heilige Land zu befreien versuchten. Noch bis ins 16. Jahrhundert waren hier christliche Herrscher ansässig, die unter der Herrschaft der Osmanen endgültig vertrieben wurden.
Erst im 19. Jahrhundert geriet das Gebiet wieder verstärkt in das Interesse europäischer Mächte. So entstand 1861 der „Kleine Libanon“ – eine selbständige Provinz innerhalb des Osmanischen Reiches, welche Gebiete des Libanongebirges und der Küste umfasste und vorwiegend Christen als Lebensraum diente. Frankreich konnte schließlich durchsetzen, dass in einem gemeinsamen Rat alle Religionen des Landes vertreten sein sollten.
Libanon im 20. Jahrhundert
Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt Frankreich das Völkerbundmandat über den Libanon. Später wurde das Land von Syrien endgültig abgetrennt. Allerdings erhielt der Staat erst 1941 seine Unabhängigkeit. Frankreich zog nach Ende des Zweiten Weltkriegs endgültig vom Libanon ab. Der Staat galt aufgrund seiner politischen Neutralität als „Schweiz des Orients“. Dennoch sorgten innerpolitische Konflikte dafür, dass ab den 1950er Jahren schließlich das Militär unter Staatspräsident Fuad Shebab die Macht übernahm.
Bis in die 1970er Jahre kam es aufgrund eines Bündnisses zwischen muslimischen Palästinensern und muslimischen Libanesen zu einem Ungleichgewicht der Religionsgemeinschaften. Die Spaltung mündete 1975 in einem Bürgerkrieg, der sich auch auf die Nachbarländer ausweitete. Ab 1982 setzte so der sogenannte „Stellvertreterkrieg“ ein, in welchem einzelne Interessensgruppen sich durchzusetzen versuchten. Dabei wurden nicht nur die Städte, sondern auch die Wirtschaft sowie die Natur des Landes in weiten Teilen zerstört. Bis heute sind noch die Auswirkungen des Krieges im Libanon zu spüren. Erst mit dem Taif-Abkommen von 1989 konnte der Bürgerkrieg beendet werden.
Libanon und die Zedernrevolution
Dennoch halten die Streitigkeiten bis heute immer noch an. So kam es im Februar 2005 zu einem Attentat auf den früheren libanesischen Regierungschef Rafik al-Hariri, der den Abzug der syrischen Truppen gefordert hatte. Da die Libanesen die Syrer des Attentats beschuldigten, zwang man die libanesische Regierung, die eng mit Syrien verbunden war, zum Rücktritt. Die Revolution ging auch als „Zedernrevolution“ in die Geschichte des Landes ein – die Libanon-Zeder ist auch die Symbolpflanze des Landes und lässt sich auf der Flagge wiederfinden.
Im August 2020 sorgte im Hafen von Beirut eine verheerende Explosion dafür, dass mehr als 190 Menschen getötet, etwa 6.500 Menschen verletzt und mehr als 300.000 Menschen obdachlos wurden. Das Unglück führte zu Protesten in der Bevölkerung, welche die Regierung zum Rücktritt zwangen. Im September 2021 wurde unter dem früheren Ministerpräsidenten Nadschib Miqati eine neue Regierung gebildet.
Libanon: Das politische System
Eine Regierung im Libanon zu bilden, ist kein leichtes Unterfangen. Denn die vier höchsten Staatsämter sind bestimmten religiösen Gruppen vorbehalten. Das Staatsoberhaupt muss maronitischer Christ sein, der Parlamentspräsident schiitischer Muslim, der Regierungschef sunnitischer Muslim und der Oberbefehlshaber ein Christ. Diese Regelung geht auf einen Nationalpakt von 1943 zurück und wurde zuletzt 1989 noch einmal im Abkommen von Taif bestätigt. Wegen des Konfessionalismus ist das Land allerdings innenpolitisch recht komplex und nur wenig stabil.
Der Staat selbst ist seit 1926 eine Republik, die derzeit eine parlamentarische Demokratie ausweist. Alle sechs Jahre wird ein neues Staatsoberhaupt vom Parlament gewählt (Wiederwahl ausgeschlossen). Das Parlament (mit 128 Mitgliedern) wird alle vier Jahre gewählt und folgt ebenfalls dem Grundsatz konfessioneller Paritäten. In Libanon herrscht zudem ein pluralistisches Parteiensystem.
Libanon: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Beirut
- Amtssprache: Arabisch
- Fläche: 10.452 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 6,9 Millionen (Stand 2019)
- Währung: Libanesisches Pfund (LBP)
- Verwaltungsgliederung: 8 Gouvernements mit 25 Distrikten
- Religion: 18 anerkannte Religionsgemeinschaften (vorwiegend maronitische Christen sowie schiitische und sunnitische Muslime)
Libanon: Sprachen und Bevölkerung
Der größte Teil der libanesischen Bevölkerung spricht libanesisches Arabisch. Dabei handelt es sich um einen Dialekt, der dem syrischen und dem palästinensischen Arabisch ähnelt. Aber auch das Hocharabisch ist in der Öffentlichkeit gängig. Als Verkehrs- und Elitesprache ist auch Französisch weit verbreitet und gewinnt vorwiegend in Wissenschaft und Wirtschaft zunehmend an Bedeutung.
Von den ungefähr 6,9 Millionen Einwohnern sind etwa 95 Prozent arabischer Abstammung. Der größte Teil der Bevölkerung lebt in den Städten. Durch die syrischen Flüchtlingsströme hat sich die Bevölkerungsstruktur in den letzten Jahren deutlich verändert und immer wieder zur Belastung der Wirtschaft und Infrastruktur geführt. Bemerkenswert ist, dass es weltweit eine mehrere Millionen Personen zählende libanesische Diaspora gibt, die größer als die Bevölkerung des Libanon selbst ist.
Libanon: Geografie und Städte
Der Libanon grenzt im Norden und Osten an Syrien und im Süden entlang der sogenannten Blauen Linie an Israel. Im Westen wird der Staat von der Mittelmeerküste begrenzt, im Osten steigt das bis zu 3.000 Meter hohe Libanon-Gebirge an, von deren weißen Gipfel sich auch der Landesname ableitet (beruhend auf den semitischen Radikalen L-B-N, was „weiß“ bedeutet). Das Land wird auch zu den Maschrek-Ländern und zur Levante gerechnet.
Die größten Städte Libanons im Überblick (Berechnung von 2015):
- 1 Beirut: 1.650.000 Einwohner, Gouvernement Beirut
- 2 Tripoli: 450.000 Einwohner, Gouvernement Nord-Libanon
- 3 Sidon: 250.000 Einwohner, Gouvernement Süd-Libanon
- 4 Tyros: 160.000 Einwohner, Gouvernement Süd-Libanon
- 5 Zahlé: 140.000 Einwohner, Gouvernement Bekaa
- 6 Nabatäa: 98.433 Einwohner (Stand: 2005), Gouvernement Nabatäa
- 7 Jounieh: 96.315 Einwohner (Stand: 2005), Gouvernement Libanonberg
- 8 Baalbek: 90.000 Einwohner, Gouvernement Bekaa
- 9 Baabda: 77.106 Einwohner (Stand: 2005), Gouvernement Libanonberg
- 10 Byblos: 50.000 Einwohner, Gouvernement Libanonberg
Libanon: Wissenswertes zum Land
Der Libanon weist in den Städten vielerorts noch eine Architektur auf, die stark vom Stil der italienischen Renaissance geprägt ist. Vor allem der Landesfürst Fachr ad-Dīn II. (1572-1635) machte es sich nach seiner Rückkehr aus seinem Exil in der Toskana zur Aufgabe, den Libanon zu modernisieren und holte sich italienische Ingenieure ins Land. In diesem Zusammenhang entstanden viele Herren- und Wohnhäuser, die den Baustil des Mittelmeerstaates maßgeblich beeinflussten und bis heute das Erscheinungsbild des Libanon prägen. Ein besonders herausragendes Bauwerk ist das im 19. Jahrhundert errichtete Sursock-Museum.
Aufgrund seiner Eleganz wurde Beirut in den 1950er- und 1960er-Jahren auch als das „Paris des Nahen Ostens“ bezeichnet, da hier Europäisches und Nahöstliches eindrucksvoll miteinander verschmolz. Die Bürgerkriege haben jedoch dafür gesorgt, dass ein Großteil des einstigen Erscheinungsbildes in Schutt und Asche gelegt wurde. Auch wenn in Beirut später versucht wurde, ganze Straßenzüge wieder „originalgetreu“ aufzubauen, so ist dennoch das historische Zentrum komplett verloren.