VonMark Stoffersschließen
An den hohen Preisen in Italien erzürnen sich die Gemüter. In Apulien im Süden Italiens scheint sogar für Einheimische eine Grenze erreicht zu sein.
Puglia – Es kommt einer Revolte gleich. Denn in einer beliebten Urlaubsregion in Italien laufen Touristen, aber auch Einheimische, jetzt Sturm. Der Grund: An Stränden und in Strandbädern in Apulien an der Adriaküste verbieten die Betreiber den Badegästen, die eigenen Lebensmittel von zu Hause mit an den Strand und ins Bad zu nehmen. Das sorgt bei den Besuchern nicht nur für Irritation, sondern vor allem für gewaltigen Unmut.
Italien-Revolte an Stränden und Bädern in beliebter Urlaubsregion: „Ist ein Missbrauch“
Das scheint die Betreiber allerdings im Hinblick auf die anstehenden Feiertage Mitte August in Italien wenig zu stören. Stattdessen verschärfen sie offenbar noch die Kontrollen. „Das ist ein Missbrauch, den wir anprangern“, verurteilt der Kolumnist David Carlucci die Zustände in seinem Artikel bei La Repubblica.
Schließlich jagt der einstige Geheimtipp an der Adriaküste zunehmend dem Luxus am Meer nach, anstatt jener Romantik der vergangenen Jahre, die die Region im Süden Italiens früher bei Einheimischen und ausgesprochenen Italien-Kennern so beliebt gemacht hat.
Italien-Revolte an Stränden und Bädern in beliebter Urlaubsregion: „Haben nicht die Befugnis“
Während anderorts in Italien mit Bußgeldern bei den Urlaubern hart durchgegriffen wird oder die Behörden bei einer berühmten Hollywood-Kulisse einschreiten müssen, gibt es vor allem an den Stränden immer mehr Liegen und Ausrüstung, aber immer weniger freie Plätze. Aber der Sommer 2023 in Italien zeigt eine Region, die keine Hemmungen mehr hat, den Kunden die Rechnung zu präsentieren. Dennoch gibt es diejenigen, die das nicht auf sich sitzen lassen und bereit sind, gegen diesen neuen Trend gerichtlich vorzugehen.
„Sie können es einfach nicht tun. Sie haben nicht die Befugnis“, zetert Dario Duso, Anwalt und Codacons-Aktivist in Bari bei La Repubblicca. „Und wenn es für diese Saison zu spät ist, weil die bürokratischen Zeiten es uns nicht erlauben, rechtzeitig einzugreifen, werden wir ab dem nächsten Jahr jeden abmahnen, der es wagt, den Badegästen zu verbieten, staatliches Eigentum mit ihren Lebensmitteln zu betreten.“
Italien-Revolte in beliebter Urlaubsregion: „Strandbesuch kostet 250 bis 300 Euro“
Der Verband D‘Urso hat gerade eine Umfrage über die Kosten der Strandbäder in der Region Barese abgeschlossen. Sie reichen von 30 Euro im Mar Village in Giovinazzo bis zu 100 Euro in der ersten Reihe am Lido Santo Stefano in Monopoli, von der vierzehntägigen Karte für 418 Euro am Lido Calarena in Mola bis zur Monatskarte für 180 Euro am Lido Nettuno in Molfetta.
„Letztendlich“, so die Analyse von D‘Urso, „kostet ein einfacher Sonntag am Strand für eine Familie aus Bari etwa 250 bis 300 Euro. Und das liegt daran, dass den Privatleuten keine Grenzen gesetzt wurden, die bis zu 25 Euro für einen Salat verlangen und immer weniger Platz für freie Strände lassen, obwohl sie geringe Lizenzgebühren zahlen. Wenn sie dann auch noch anfangen, den Badegästen das Mitbringen von Speisen zu verbieten, sprengt das wirklich alle Grenzen.“
Da scheinen die Beschwerden einer Urlauberin in Italien über zwei Euro für einen leeren Teller oder einer weiteren Touristin über einen Restaurant-Service noch weniger der Rede wert zu sein.
Italien-Revolte in Apulien: „Erlauben keine Kühlschränke“
Während Restaurants und Fischer in Norditalien mit einem ungebetenen Gast zu kämpfen haben, bestätigen die Leiter der Strand- und Bäderbetriebe zumindest, dass es ein gewisses Verbot gibt, aber die Kontrollen, so versichern diese La Repubblicca, sind nicht so streng. „Wir erlauben keine ‚Kühlschränke‘ für Gruppentreffen“, erklärt Michele Colella, Leiter des Lido Calarena, das seit 1934 von seiner Familie geführt wird. „Picknicks sind hier nicht möglich. Aber wenn Sie Ihr eigenes portioniertes Essen, eine kleine Kühlbox oder ein Getränk mitbringen, drücken wir ein Auge zu.“
Im Maredentro in Bari erklärt Resi Tassiello, dass „Glas und Dosen hier nicht reinkommen, auch keine Backformen. Aber das scheint mir selbstverständlich zu sein, und wir weisen nicht einmal darauf hin oder führen Kontrollen durch. Wir verlassen uns auf das höfliche Publikum, das unsere Einrichtung besucht.“ Auf der einen Seite scheinen diese Dinge selbstverständlich, doch bei den gepfefferten Preise kommt bei vielen Urlaubern, aber auch bei Einheimischen kaum „Dolce Vita“ auf, sondern vielmehr Frust über die hohen Preise im „teuren Italien“ in dieser Urlaubssaison.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Archivbild

