„Erkennen es sofort“

Personalerin warnt: Trend im Anschreiben ruiniert die Bewerbung

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Viele Bewerbende nutzen eine bestimmte Methode, um ihr Anschreiben zu generieren. Eine Karriere-Expertin warnt ausdrücklich davor.

Künstliche Intelligenz (KI) ist heute allgegenwärtig. Sie findet sich mittlerweile auf Apps wie Instagram oder WhatsApp, und viele Menschen nutzen bereits Chatbots so selbstverständlich wie eine Suchmaschine. Auch im Berufsalltag werden KI-Anwendungen genutzt, um Daten zu erfassen, Bilder zu generieren oder Texte zu kürzen. Es ist also kaum überraschend, dass viele Bewerber ihr Anschreiben und ihren Lebenslauf mithilfe von KI-Modellen wie ChatGPT, Claude oder DeepSeek erstellen lassen. Schließlich beherrschen sie nicht nur perfekte Rechtschreibung, sondern treffen auf Wunsch auch einen professionellen Ton.

„KI ist ein super hilfreiches Tool, das wir unbedingt nutzen sollten. Einfach, weil es uns schneller macht, aber auch, weil es eine Kompetenz ist, die in Zukunft wichtig sein wird. Es gibt nur ein paar Dinge, auf die man achten sollte“, sagt die Karriereberaterin und ehemalige Personalerin Silke Koppitz BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Sie warnt: „Wenn das Anschreiben wie aus einem Zufallsgenerator wirkt und mit dir als Person wenig zu tun hat, dann verfehlt es seinen Zweck.“

Karriere-Expertin: Personaler erkennen KI-Formulierungen im Anschreiben

Im Bewerbungsschreiben gehe es darum, sich zu positionieren und zu zeigen „Wer bin ich? Was bekommt ihr mit mir? Das habe ich zu bieten!“ Personaler wollten im Anschreiben die Persönlichkeit des Bewerbenden erkennen, schließlich sei die Bewerbung oft auch die erste Arbeitsprobe. Chatbots könnten den eigenen, menschlichen Stil nicht ersetzen: „Wenn die Unterlagen austauschbar wirken, sticht man nicht aus der Masse der Bewerbungen hervor“, erklärt die Expertin.

Doch der Einsatz von KI würde die Bewerbung nicht nur austauschbar machen, sondern in einigen Fällen würde es auch offensichtlich, dass der Bewerber den Text unverändert übernommen habe. „Oft erkennt man den Einsatz von KI-Chatbots an typischen Formulierungen“, sagt Koppitz. Viele davon wirkten wie Übersetzungen aus dem Englischen, ein Beispiel sei das Wort „mächtig“. „Man versteht, was gemeint ist, aber so würde man es nicht formulieren. Auch Personaler erkennen solche Formulierungen“, erklärt die Expertin. In einem Post auf LinkedIn warnt sie sogar: „ChatGPT runiniert deine Bewerbung“.

Es ist verlockend, das Anschreiben von einer KI erstellen zu lassen. Das Denken sollte sie jedoch nicht übernehmen. (Symbolbild)

Personalerin: Künstliche Intelligenz sollte bei Bewerbungen genutzt werden – aber nicht irgendwie

KI könne für Bewerbende jedoch auch hilfreich sein, wenn sie sie richtig nutzten. „Wenn ich einen neuen Job brauche oder mich beruflich umorientieren möchte, kann ich mit dem Chatbot brainstormen. Zum Beispiel: ‚Schlag mir Übungen vor, mit denen ich Klarheit bekomme‘“, empfiehlt die Karriere-Expertin. Die KI könne Jobsuchenden außerdem dabei helfen, geeignete Stellen zu finden: „Ich arbeite im Bereich XY, welche Jobtitel sollte ich in der Suche verwenden?“ Viele hätten das Problem, dass sie nicht wissen, welche Suchfilter sie einstellen sollten und welche andere Stellen zu ihnen passen könnten. „Da hilft das Tool enorm“, sagt Koppitz.

Auch beim Bewältigen von Probeaufgaben könne ein Chatbot hilfreich sein. „Man kann der KI eine bestimmte Rolle zuweisen, je nach Kontext: ‚Du bist Projektmanager mit 30 Jahren Berufserfahrung und einem IQ von 180. Prüfe meine Annahmen und sag mir, was ich nicht bedacht habe!‘“, schlägt die Expertin vor. So könne man sich schrittweise an die Lösung der Aufgabe herantasten, aber: „Das Denken darf man auf keinen Fall auslagern.“

Die Karriere-Coachin sieht auch die Unternehmen in der Pflicht, ihre Anforderungen an Bewerbungen zu überdenken: „Das klassische Anschreiben hat hoffentlich bald ausgedient.“ Für Unternehmen sei es wichtiger, sich zu fragen, warum sie überhaupt ein Anschreiben verlangten. „Ist das wirklich der beste Weg, um an die Infos zu kommen? Vielleicht hilft eine konkrete Frage viel mehr.“

Rubriklistenbild: © IMAGO / Westend61

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