30 Meter in die Tiefe

Schiffsbrand auf der Nordsee: Frachter-Crew vor Ameland in Todesangst – „Einer nach dem anderen sprang“

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Bei einem Brand an Bord eines Schiffes vor Ameland kommt eine Person ums Leben. Nun droht in der Nordsee eine Umweltkatastrophe durch die 3000 geladenen Autos.

Ameland – „Einer nach dem anderen sprang“, berichtet Willard Molenaar, Kapitän des Rettungsbootes, das als Erstes an der Unglücksstelle war. „Die waren echt in Not, sonst springt man nicht einfach so tief.“ Sieben Menschen haben er und seine Mannschaft aus der See gerettet. Die übrigen wurden mit Hubschraubern von Bord des Frachters geholt und in Krankenhäuser gebracht.

Auf dem Schiff befanden sich laut der niederländischen Onlinezeitung De Telegraaf insgesamt 23 Besatzungsmitglieder, die aus Indien stammten. „Es war ein sehr großes Feuer mit viel Rauchentwicklung. Es war eine sehr ernste Situation an Bord“, erklärte die Küstenwache gegenüber De Telegraaf. Ob eine Evakuierung notwendig sei, entscheide in Gefahrensituationen wie dieser der Kapitän eines Schiffes. Und genau dazu sei es schließlich gekommen.

Nordsee-Frachter in Flammen: Mehr als 3000 Autos an Bord – Fotos zeigen das Inferno

ein brennender Frachter in der Nordsee
Vor der niederländischen Nordseeinsel Ameland ist ein Schiff in Not geraten. Auf dem Frachter „Fremantle Highway“, der rund 3000 Autos an Bord hat, ist ein riesiges Feuer ausgebrochen. © Coast Guard Netherlands/dpa
Ein Foto, das von der niederländischen Küstenwache zur Verfügung gestellt wurde, zeigt einen brennenden Frachter in der Nordsee
Die niederländische Küstenwache nähert sich dem brennenden Frachter in der Nordsee. © Coast Guard Netherlands/dpa
Die niederländische Küstenwache vor Ameland im Einsatz: Ein Frachter mit E-Autos ist in Flammen geraten
Die niederländische Küstenwache vor Ameland im Einsatz: Ein Frachter mit E-Autos ist in Flammen geraten.  © Screenshot / Twitter.com/EMKvissers
Zwei Hubschrauber der Küstenwache warten am Flughafen Den Haag
Zwei Hubschrauber der Küstenwache, die an der Rettungsaktion auf dem Schiff „Fremantle Highway“ beteiligt sind, warten am Flughafen Den Haag.  © Marco Van Der Caaij/ANP/dpa
Ein Schiff der Küstenwache ist an einem brennenden Frachter angekommen und versucht, ein Feuer zu löschen
Ein Schiff der Küstenwache ist an dem brennenden Frachter angekommen und versucht, das Feuer zu löschen. Ein Besatzungsmitglied kam ums Leben, mehrere weitere wurden verletzt. © Screenshot / Twitter.com/wmiddelkoop
Ein Schiff der niederländischen Küstenwache versucht, den Brand auf einem brennenden Frachter auf der Nordsee zu löschen
Der Frachter scheint in Schieflage geraten zu sein. Die Rettungskräfte wollen verhindern, dass der Brand das Schiff zum Sinken bringt. © Screenshot / Twitter.com/EMKvissers
Ein brennender Frachter auf der Nordsee, um ihn herum Löschschiffe der Küstenwache
Von mehreren Seiten wird versucht, die Flammen auf der „Fremantle Highway“ zu löschen. © Flying Focus BV/Imago
Der brennende Frachter Fremantle Highway, daneben einige Schiffe der Küstenwache
Sollte es nicht gelingen, das Feuer auf dem Frachter zum Erlöschen zu bringen und diesen in einen Hafen zu schleppen, droht eine Umweltkatastrophe.  © Flying Focus BV/Imago
Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann steht am Strand
Geht der brennende Frachter unter, könnte das auch in Deutschland Folgen haben. „Das Schlimmste wäre, dass das Schiff sinkt und unkontrolliert Schadstoffe in das Meer gespült werden“, sagte Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann. © Sina Schuldt/dpa

Brand auf Frachter vor Ameland: Umweltkatastrophe droht durch 3000 sinkende Autos

Gegen Mitternacht war das Feuer auf der „Fremantle Highway“ vor der Insel Ameland ausgebrochen, berichtete die Küstenwache. Die Besatzung versuchte, den Brand einzudämmen. Doch der breitete sich so schnell aus, dass die Besatzung das etwa 200 Meter lange Schiff verlassen musste. Einige Menschen mussten von Bord springen – also rund 30 Meter in die Tiefe.

Der mit insgesamt knapp 3000 Autos geladene Frachter war vor der Küste der Insel Ameland in den Niederlanden in Brand geraten. Seine Besatzung musste Hals über Kopf von Bord fliehen, ein Mensch kam dabei ums Leben. Die übrigen 22 wurden laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) glücklicherweise nur leicht verletzt. Die Lösch- und Bergungsschiffe waren schnell zur Stelle. Doch das Feuer lässt sich nur schwer bezwingen: Die Lithium-Batterien der E-Autos erschweren die Löscharbeiten, so ein Sprecher der Küstenwache.

„Fremantle Highway“-Frachter vor Ameland durch Brand „zu instabil“ zum Abschleppen

Noch immer hängen Rauchwolken über dem Meer, Flammen schlagen aus dem Auto-Frachter vor Ameland. Etwa 27 Kilometer vor der Küste versuchen die Rettungskräfte nun das Sinken des Schiffes und damit eine Umweltkatastrophe zu verhindern. Denn bei einem Sinken des Schiffes könnten Treibstoff, Öl und die etwa 3000 Autos ins Wasser und auf den Meeresboden gelangen. „Wir tun alles, um das zu verhindern“, sagte ein Sprecher der Wasserbehörde dem Radiosender NOS. Die Rettungskräfte bereiteten sich „auf alle Szenarien“ vor.

Eine Bergung des Frachters sei nicht so einfach, so ein Sprecher der Küstenwache, Edwin Granneman. Das Notkabel, über das der Frachter mit einem Schlepper verbunden ist, sei nicht ausreichend. „Die Lage ist nun zu instabil, um das Schiff wegzuschleppen.“ Durch das Kabel aber blockiert das Schiff nun nicht länger die Route von und nach Deutschland.

Vor der niederländischen Nordseeinsel Ameland ist ein Schiff in Not geraten. Auf dem Frachter „Fremantle Highway“, der rund 3000 Autos an Bord hat, ist ein riesiges Feuer ausgebrochen.

Brand auf Frachter vor Ameland in Nordsee: Durch E-Autos ausgelöst?

Möglicherweise haben die geladenen elektrischen Autos den Brand ausgelöst, wird nun spekuliert. Kürzlich hatte der Industrieversicherer der Allianz (AGCS) vor erhöhtem Brandrisiko durch den Transport der Lithium-Ionen-Akkus auf Schiffen gewarnt. Hauptursachen für Brände, die von den Akkus ausgehen, seien Produktionsdefekte, beschädigte Batteriezellen oder Geräte sowie eine Überladung oder Kurzschlüsse, schreibt der Versicherer in seiner neuesten Schifffahrtsstudie.

Sie seien tückisch, weil sie schwer zu löschen seien und sich spontan wieder entzünden könnten. „Die meisten Schiffe verfügen weder über ausreichenden Schutz noch über ausreichende Frühwarn- oder Löschfähigkeiten, um solche Brände auf hoher See zu bekämpfen“, kommentierte der Schifffahrtsexperte Justus Heinrich. (na/dpa)

Rubriklistenbild: © Coast Guard Netherlands/dpa

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