Bratislava ist die Hauptstadt der Slowakei. Etwa 500.000 Menschen bilden die Bevölkerung der Stadt, die in nächster Nähe zu Österreich und Ungarn liegt.
Bratislava – Die Hauptstadt der Slowakei liegt im Dreiländereck von Slowakei, Ungarn und Österreich. Die Stadt bildet das Zentrum von Geschichte, Kultur und Politik für die Bevölkerung des europäischen Landes.
Bratislava: Geographie und wichtige Daten
Die slowakische Hauptstadt ist die Stadt der vielen Einflüsse. In der umfangreichen Geschichte der Stadt gab es viele verschiedene Mächte, die die Kultur und Bevölkerung von Bratislava geprägt haben. Heute hat die Stadt etwa eine halbe Million Einwohner, die auf einer Fläche von 367km² leben. Sie ist damit etwas kleiner als die litauische Hauptstadt Vilnius. Das Klima von Bratislava ist nordisch geprägt und von relativ viel Wind und Regen bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von 10,5 Grad Celsius gekennzeichnet.
Bratislava ist das Zentrum für Wirtschaft, Kultur und Politik in der Slowakei, trotzdem wächst die Bevölkerung seit Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr deutlich an und stagniert mehr oder weniger. Obwohl noch im 19. Jahrhundert die Mehrheit der Menschen, die in Bratislava lebten, deutscher oder ungarischer Abstammung waren, ist heute die deutliche Mehrheit der Bevölkerung slowakischer Abstimmung. Mittlerweile sind es mehr als 90%. Die größte Religionsgruppe in Bratislava sind die Anhänger des römisch-katholischen Glaubens mit etwa 50%. Die zweite große Gruppe sind überraschenderweise Atheisten mit mehr als 30%.
Bratislava: Die Entstehung des modernen Bratislava
Die Region rund um Bratislava weist zwar bereits Funde von Skeletten und Werkzeugen aus deutlich prähistorischer Zeit auf, doch die ersten dauerhaften Siedler kamen wohl etwa 5500 v. Chr. mit der Bevölkerung durch die Kultur der Linearbandkeramiker, die eine bäuerliche Kultur der Jungsteinzeit waren.
Die ersten Siedler, von denen man bauliche Überreste in Bratislava finden konnte, sind die keltische Gruppierung der Boier, die etwa 100 v. Chr. das gesamte Gebiet Osteuropas, bis Oberitalien besiedelten. Sie bauten in der heutigen Stadtmitte Nratislavas ein befestigtes Lager, ein sogenanntes Oppidum. Diese Kultur war bereits so weit entwickelt, dass sie eine Münzprägestätte in Bratislava etablierten. Während der Zeit des Römischen Reiches im 1. bis 4. Jahrhundert verlief der Donaulimes durch Bratislava.
Bis zur Machtergreifung des Königreichs Ungarn etablierten sich die Slawen in der Stadt, die auf dem Gebiet zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert verschiedene Königreiche und Fürstentümer gründeten. Die ungarische Herrschaft ab dem 10. Jahrhundert war von vielen Konflikten mit den umliegenden Reichen, wie dem römisch-deutschen Reich und Böhmen geprägt. Die Stadt trug damals den Namen Pressburg.
Nach dem Einfall der Mongolen im 13. Jahrhundert und den damit verbundenen Verlusten in der Bevölkerung, wurde die Stadt unter Förderung durch die Politik des Königs mit Deutschen wieder besiedelt. Dies ist der Ursprung, der großen Präsenz deutschstämmiger Einwohner in Bratislava. Als das Königreich Ungarn im Jahr 1526 große Teile des Reiches nach einer verlorenen Schlacht an die vorrückenden Osmanen abgeben musste, wurde Bratislava zur Hauptstadt des Königreiches und alle wichtigen Institutionen der Politik siedelten hierher um.
Trotz vieler Konflikte im Europa zwischen dem Mittelalter und er Neuzeit blieb Bratislava stets im Besitz des Königreichs Ungarn und war von 1563 bis 1830 sogar knapp 300 Jahre lang Krönungsstadt der Könige und Königinnen Ungarns. Es wurde in diesem Abschnitt der Geschichte viele königswürdige Bauten und Anlagen gebaut, was das Stadtbild von Bratislava bis heute prägt. Nicht nur technische Innovationen wie Donaubrücken und Straßenbahnen wurde während der ungarischen Herrschaft geschaffen, sondern auch soziale Innovationen wie die Abschaffung der Leibeigenschaft wurde, auf Druck der Bevölkerung, von der Politik umgesetzt.
Bratislava: Die Entwicklung ab dem 20. Jahrhundert
Nach dem Ersten Weltkrieg war die Situation Bratislavas völlig offen. Aus Angst von den Kriegsgewinnern der neu gegründeten Tschechoslowakei zugeschlagen zu werden, proklamierte man sich als freie Stadt Wilsonvár. Da die Stadt mehrheitlich nicht von Slowaken, sondern von Deutschen und Ungarn bewohnt war, weigerte die Bevölkerung sich gegen die Zugehörigkeit zur Tschechoslowakei.
Im Jahr 1919 war es jedoch so weit, dass die Stadt von Tschechoslowakischen Legionen eingenommen wurde und die Geschichte des Königreichs Ungarn vorüber war. Vavro Srobar wurde mit der Leitung des Ministeriums mit Vollmacht für die Verwaltung der Slowakei eingesetzt und wurde so de-facto zum ersten Regierungschef der Slowakei nach dem Ersten Weltkrieg. Die Politik änderte den Namen der Stadt sogleich von Pressburg (Presporok) in den heutigen Namen Bratislava und die relevanten politischen Institutionen zogen in den neuen Verwaltungssitz um, der ab 1928 auch offiziell zur Hauptstadt erhoben wurde, um. In den Folgejahren verließen viele ungarische Staatsbürger das Land, da sie schlecht Arbeit fanden und den neuen Staat ablehnten.
Unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg entschied man sich nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei die „erste slowakische Republik“ auszurufen, die zumeist auf Geheiß des Deutschen Reichs agierte. Durch diese Entscheidung wurde man von der Wehrmacht erst 1944 eingenommen, da man so oder so als Satellitenstaat galt. Dementsprechend gab es auch sehr wenige alliierte Bombardements der Stadt. Nach dem Krieg verließen die verbliebenen Deutschen Budapest und da die ungarische Bevölkerung bereits das Land verlassen hatte, sah sich die slowakische Bevölkerung zum ersten Mal in der Geschichte in einer überwältigenden Mehrheit.
Nach dem Krieg wurde man wieder Teil der neuen Tschechoslowakei unter der Herrschaft der Sowjetunion. Vergleichsweise gut entwickelte sich die Stadt jedoch und stieg bis in die 1980er Jahre zur wirtschaftlich zweitgrößten Stadt in Osteuropa auf. Im Jahr 1992 wurde man von der Sowjetunion unabhängig und seit dem 1. Januar 1993 ist Bratislava die Hauptstadt der Slowakei.
Bratislava: Politik
Die Slowakei ist eine parlamentarische Republik, deren Institutionen der Politik ihren Sitz in der Hauptstadt Bratislava haben. Die Stadt selbst wird vom Bürgermeister regiert. Das oberste Amt der Exekutive bekleidet seit Ende 2018 der Architekt und unabhängige Politiker Matus Vallo (2022). Zusätzlich gibt es eine Stadtvertretung, die über die Gesetzgebung der Stadt entscheidet. In ihr sitzen 45 Abgeordnete, die von der Bevölkerung für vier Jahre gewählt werden. Beratende Funktion hat zusätzlich der Stadtrat. Er besteht aus 28 Mitgliedern, unter anderem dem Bürgermeister und seinen Stellvertretern, die hauptsächlich beratende Funktion haben.
In Bratislava sitzt der Nationalrat der Slowakei, der Präsident, das Oberste Gericht, sowie die diplomatischen Vertretungen befreundeter Staaten. Zusätzlich gibt es seit dem Jahr 2021 mit der Europäischen Arbeitsbehörde auch eine Vertretung der Europäischen Union in Bratislava.
Bratislava: Tourismus und Sehenswürdigkeiten
Seit dem Ende der Sowjetunion verzeichnet die Stadt stetig höhere Tourismuszahlen. Bratislava ist mit dem eigenen großen, internationalen Flughafen, der Wasseranbindung über die Donau und der Nähe zu Wien ein attraktives Ziel für Reisende in Europa. Die beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt sind:
- Die Burg von Bratislava: Diese historische Burg ist ehemaliger Sitz der Herrschenden Bratislavas und beherbergt ein historisches Museum, in dem man die Geschichte Bratislavas studieren kann.
- Primatialpalais: Dieser Palais ist Sitz des Bürgermeisters von Bratislava. Hier finden bereits seit drei Jahrhunderten wichtige Entscheidungen der Politik statt. Der Turm ist begehbar und bietet eine tolle Aussicht.
- UFO: Die Aussichtsplattform befindet sich auf der zentralen Donaubrücke und schwebt 95 Meter über der Stadt. Bei gutem Wetter beträgt die Sichtweite mehr als 100 Kilometer. Dieses Ausflugsziel genießen Bevölkerung und Touristen gleichermaßen.
- Kathedrale St. Martin: Diese Kirche aus dem 15. Jahrhundert wurde in der Geschichte als Krönungskirche für das Königreich Ungarn genutzt. An der Spitze des Glockenturms thront eine Nachbildung der Krone, die 150 Kilogramm schwer ist.