Vilnius ist die Hauptstadt von Litauen. Rund 600.000 Menschen bilden die Bevölkerung der größten Stadt Litauens, die nahe der Grenze zu Weißrussland liegt.
Vilnius – Die Hauptstadt von Litauen liegt nahe dem geografischen Mittelpunkt Europas an der Mündung der Vilnia, von der die Stadt auch ihren Namen erhielt. Die Stadt bildet das Zentrum von Geschichte, Kultur und Politik für die Bevölkerung des baltischen Landes.
Vilnius: Geographie und wichtige Daten
Vilnius mag zwar momentan nur die zweitgrößte Stadt des Baltikums sein, doch das könnte sich schon sehr bald ändern. Die Bevölkerung des momentanen Spitzenreiters, Riga, die Hauptstadt Lettlands, schrumpft von Jahr zu Jahr. Schätzungen gehen davon aus, dass Vilnius schon 2025 die größte Stadt des Baltikums sein könnte.
Die Stadt liegt nahe der Grenze zu Belarus. Nur knapp 40 Kilometer östlich der Stadtgrenze beginnt das Land. Litauen grenzt außerdem im Süden an Polen und die russische Exklave Kaliningrad, im Westen an die Ostsee und im Norden an Lettland. Mit seiner Fläche von gut 400km² liegt Vilnius flächenmäßig gleichauf mit der deutschen Stadt Köln im Rheinland. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 1400 Personen pro km².
Die Geschichte des heutigen, freien Litauen, beginnt erst Anfang der 1990er Jahre mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Die Geschicke der Politik der Hauptstadt leitet aktuell der 48 Jahre alte Bürgermeister Remigijus Simasius. Der ausgesprochene Kritiker Wladmir Putins und ehemalige Justizminister Litauens ist seit 2015 der oberste politische Entscheidungsträger in Vilnius.
Etwa 75% der Bevölkerung lassen sich einer christlichen Strömung zuordnen, der Großteil der restlichen 25% geben keine Konfession an. Das Klima in Vilnius ist ein gemäßigtes, feuchtes Kontinentalklima mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 7,3 Grad Celsius.
Vilnius: Geschichte
Archäologen konnten Nachweise erbringen, dass im Gebiet der heutigen litauischen Hauptstadt bereits in der Steinzeit Menschen gesiedelt haben. Ebenso gibt es Funde aus der Zeit des Beginns der christlichen Zeitrechnung. Ab dem 10. Jahrhundert gab es eine Siedlungsanlage, welche in ihrer Geschichte von den Balten und später von den Slawen genutzt wurde.
Großfürst Gediminas von Litauen erwähnte Vilnius als Hauptstadt zuerst im Jahr 1323. Er versandte Briefe an andere einflussreiche Städte, Orden und Persönlichkeiten und warb um hoch qualifizierte Gastarbeiter für die Hauptstadt seines Fürstentums – Vilnius. Nachdem er bei einer Jagd im Gebiet des heutigen Vilnius von einem eisernen Wolf geträumt hatte, deutete er diese Begegnung als eine Aufforderung zur Errichtung einer mächtigen Stadt an ebendieser Stelle. Bis zu dieser Zeit war die heute noch erhaltene, westlich von Vilnius gelegene, Wasserburg Trakai der Hauptsitz des Fürsten. Hauptgrund für den Umzug dürften aber vor allem in Strategie und Politik gelegen haben. Die beiden Flüsse der Stadt, Vilnia und Neris, boten sowohl Schutz, konnten als auch zum Handel genutzt werden. Rund um die Stadt gab es undurchdringliche Wälder und Sumpflandschaften. Das ergab einen immensen Standortvorteil.
Das Großfürstentum Litauen florierte mit seiner Hauptstadt Vilnius und umspannte zu Hoch-Zeiten das heutige Gebiet von Litauen, Weißrussland, Transnistrien, sowie Teile von Russland und Polen. Um ihre gegenseitige Position zu stärken und den Deutschen Orden an seiner Expansion in ihre Gebiete zu hindern, schlossen das Großherzogtum Litauen und das Königreich Polen sich mit der Union von Krewo im Jahr 1385 zusammen. Aus dieser Union entstand letzten Endes der Staat Polen-Litauen. Die Abwehr des Deutschen Ordens gelang gemeinsam und Vilnius erlebte in dieser Zeit, vor allem aber im 16. Jahrhundert eine enorme Periode des Wachstums.
Ab 1795 war Litauen Teil des russischen Kaiserreichs. Vilnius wurde in dieser Zeit auf den Status einer Provinzhauptstadt heruntergestuft. Die Bevölkerung von Litauen schaffte es jedoch sich ihre Kultur zu bewahren, bis die Russen im Ersten Weltkrieg den deutschen Truppen weichen mussten.
Vilnius: Nach dem Ersten Weltkrieg
In der Folge des Ersten Weltkrieges ergab sich die Gelegenheit, mit Vilnius als Hauptstadt, den litauischen Staat auszurufen. Das schützte die Bevölkerung jedoch leider trotzdem nicht vor der Besetzung durch weitere ausländische Truppen. Vor allem Polen beanspruchte das Gebiet durch die gemeinsame Geschichte immer wieder für sich. Als Polen sich 1920 den Südosten des Landes annektierte, wurde Kaunas von der Politik Litauens zur Hauptstadt ernannt und Vilnius war fortan Teil Polens.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Vilnius bereits in den ersten Kriegstagen, im September 1939, von der Sowjetunion eingenommen und zunächst zurück an Litauen übergeben. Später überfiel die Sowjetunion Litauen und man wurde als Litauische Sozialistische Sowjetrepublik Teil der Sowjetunion. Die Politik der Sowjetunion brachte für die Bevölkerung vor allem eine Verstaatlichung der Wirtschaft und eine Unterdrückung der litauischen Identität mit sich, die erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiedererlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1990 endete.
Vilnius: Politik
Der Stadtrat von Vilnius wurde mit der Unabhängigkeit Litauens, im Jahre 1990 eingerichtet. Die 50 Mitglieder werden von der Bevölkerung für eine Amtszeit von 4 Jahren gewählt. Seit 2015 wird auch der Bürgermeister direkt von der Bevölkerung gewählt und nicht mehr vom Stadtrat. Seit der Einführung des neuen Systems ist Remigjus Simasius der oberste Entscheidungsträger der Politik von Vilnius. Der ehemalige Justizminister ist 48 Jahre alt und machte zuletzt mit einer politischen Aktion von sich reden, als er und sein Team in Großbuchstaben die Worte ‚Putin, Den Haag wartet auf dich‘ vor die russische Botschaft in Vilnius schrieb.
In Vilnius sitzen, wie bereits in weiten Teilen der Geschichte von Litauen, alle politischen Institutionen des Staates. Allen voran das nationale Parlament und die Regierung.
Vilnius: Wirtschaft
Vilnius ist das bedeutendste ökonomische Zentrum des Landes. Das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt liegt in der Hauptstadt bei etwa 30.000€ und das Durchschnittsgehalt bei gut 2.000€ pro Monat. Litauen hat zwar eine der höchsten Wachstumsraten innerhalb der EU, jedoch wachsen die Städte unproportional stark im Vergleich zum Rest des Landes. Die beiden größten Städte des Landes Vilnius und Kaunas und deren Bevölkerung sind heute für über 60% des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich.
In Vilnius ist vor allem der Dienstleistungssektor stark ausgeprägt. Banken, Telekommunikationsunternehmen und IT-Unternehmen sind hier ansässig. Das ist zurückzuführen auf die gut ausgebildeten Fachkräfte in der Region, sowie die starke Ausrichtung auf die Digitalisierung der Politik. Vilnius hat eine der schnellsten Internetverbindungen der Welt und Programmieren steht bereits in der Grundschule auf dem Lehrplan. Außerdem ist die Regulierung von Banklizenzen in Litauen relativ liberal. So kommt es, dass vor allem im Bereich Fintech-Startups viel passiert. In der Geschichte der Stadt wurden bereits Google Payment und Revolut hier gegründet.
Vilnius: Tourismus und Sehenswürdigkeiten
In den Jahren vor der Corona-Pandemie besuchten 1,2 Millionen Touristen die Hauptstadt. Ein großer Teil davon kam aus Deutschland, Weißrussland und Polen. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Vilnius gemeinhin als relativ günstig für Touristen gilt. Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören:
- Die historische Altstadt von Vilnius: Viele Bauwerke im Stile des Barocks, Klassizismus, Renaissance und Gotik wurden hier aus den Gründungsjahren der Stadt erhalten. Seit 1994 ist die 360 Hektar große Altstadt UNESCO-Weltkulturerbe.
- Burg von Gediminas: Benannt nach dem Gründervater der Stadt. Diese Burg war das erste Bauwerk, was Großfürst Gediminas nach seinem Traum, auf den die Gründung von Vilnius folgte, errichten ließ. Von hier aus wurde in den Anfangsjahren die Politik bestimmt.
- Museum der Opfer des Genozids: Hier findet man die Geschichte der Zeit der Sowjetunion. Es befindet sich in einem Originalgebäude, welches für Verhöre, Folterungen und Hinrichtungen genutzt wurde. Eröffnet in 1992, wird es von der Bevölkerung auch KGB-Museum genannt.
- Europa Tower: Der höchste Wolkenkratzer des Baltikums ist 148 Meter hoch und beherbergt Büro- und Einkaufsflächen. Auf der 31. Etage befindet sich eine zugängliche Aussichtsplattform.