- VonBettina Menzelschließen
Die Menschen in der US-Stadt Baltimore sind nach dem Einsturz der Hafenbrücke schockiert. Anwohnern zufolge bebte die Erde, als das Bauwerk zusammenstürzte. Die Suche nach Vermissten dauert an.
Baltimore – In der Nacht zum Dienstag rammte ein Containerschiff in der US-Stadt Baltimore eine Brücke. Das Bauwerk brach in sich zusammen und riss Menschen und Autos mit sich in das kalte Wasser. Sechs Personen werden vorläufigen Zahlen zufolge derzeit vermisst. Augenzeugen berichten von Erschütterungen, die einem Erdbeben glichen.
Brücken-Einsturz in Baltimore: „Fühlte sich wie ein Erdbeben an“
Warum das Schiff die 2,5 Kilometer lange Brücke rammte, blieb zunächst unklar. Die Auswirkungen aber waren für Anwohner sofort zu spüren. Es habe sich wie „gewaltiges Donnergrollen“ angehört, sagte ein Augenzeuge dem US-Sender CBS News. „Und dann [...] fühlte es sich an wie ein Erdbeben, das ganze Haus vibrierte. Als würde mein Haus einstürzen“, so der Anwohner. Er lebe seit 57 Jahren in diesem Viertel und erinnere sich noch daran, wie die Brücke gebaut wurde. „Ich kann nicht glauben, dass sie weg ist.“
Ein weiterer Augenzeuge bestätigte diese Einschätzung gegenüber BBC. Man habe es gespürt, sagte der Mann, der nahe der Brücke lebte. „Das ganze Haus hat gebebt.“ Mitten in der Nacht habe man ein „rumpelndes Geräusch“ gehört, berichtete eine andere Augenzeugin dem Sender. Sie sei zunächst nicht sicher gewesen, was es war, doch habe kurz darauf Nachrichten von dem Brückeneinsturz gehört. „Man sieht es, aber man glaubt einfach nicht, dass so etwas passieren kann“, so die Anwohnerin weiter, die betonte, ihr erster Gedanke sei gewesen, wie viele Menschen sich auf der Brücke befunden haben könnten, als sie einstürzte.
Einsturz einer Brücke in Baltimore: Bis zu 20 Menschen stürzen ins kalte Wasser
Behördenangaben zufolge seien zum Zeitpunkt des Unfalls Arbeiter auf der Brücke mit Beton-Ausbesserungen beschäftigt gewesen. Bis zu 20 Personen könnten demnach ins Wasser gefallen sein, berichtete der US-Sender CNN unter Berufung auf Feuerwehrangaben. In dem neun Grad kalten Wasser können Menschen Experten zufolge nur bis zu drei Stunden lang überleben. Neben der Kälte stellt auch die Strömung an der Unfallstelle eine Gefahr dar. Der Feuerwehr gelang es eigenen Angaben zufolge bereits zwei Personen nach dem Einsturz der Brücke in Baltimore aus dem Wasser zu bergen, wobei sich einer der Geretteten in ernstem Zustand im Krankenhaus befände.
Über die Brücke führte die überregionale Verkehrsader Interstate 695 zum Hafen von Baltimore. Anwohner schätzten die Auswirkungen des Kollapses als „katastrophal“ ein. „Erstens ist der Hafen blockiert. Zweitens werden wir derzeit keine neuen Autolieferungen mehr bekommen“, mutmaßte ein Zeuge im Gespräch mit CBS News. Baltimore ist ein wichtiger Importhafen für Autos. Auch Amazon liege „direkt auf der anderen Seite des Flusses“, so der Mann weiter. Es werde seiner Einschätzung nach zu einer Überlastung der Tunnel kommen. Experten schätzen die Lage ähnlich ein: Lars Jansen, ein Spezialist für Containerschiffe, bezeichnet die Geschehnisse gegenüber BBC als „große Katastrophe“, die „an der US-Ostküste zu erheblichen Problemen für US-Importeure und -Exporteure führen wird“.
Rubriklistenbild: © Kaitlin Newman/The Baltimore Banner/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
