VonLisa Mayerhoferschließen
Der tragische Brückeneinsturz in Baltimore hat auch wirtschaftliche Auswirkungen – unter anderem für deutsche Autobauer. In Bremerhaven stecken nun tausende Autos fest.
Update vom 28. März 2024: Die Auswirkungen des Brückeneinsturzes in Baltimore sind nun bis Deutschland spürbar. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, befinden sich in Bremerhaven derzeit 2800 Autos deutscher Hersteller, die eigentlich nach Baltimore verschifft werden sollten. Das habe eine Sprecherin der BLG Logistics Group dem Magazin auf Nachfrage mitteilt.
„Diese sollen zu einem großen Teil nach Brunswick umgeleitet werden. Einige wenige können Baltimore weiterhin anfahren, da der entsprechende Terminal vor der Brücke liegt“, erklärt sie demnach. Laut Medienberichten liegen die Verteilzentren von BMW und Volkswagen vor der eingestürzten Brücke – können also noch angefahren werden. Mercedes hat seinen Umschlagplatz dagegen in Fairfield hinter der Brücke, das nicht mehr von Schiffen angesteuert werden kann.
Auch 280 schwere Fahrzeuge warten noch in Bremerhaven, weil sie eigentlich nach Baltimore gebracht werden sollten. Für sie wird noch nach Ausweichmöglichkeiten gesucht. Frachter und Containerschiffe, die sich schon auf dem Weg nach Baltimore befanden, scheinen Daten von MarineTraffic zufolge erst einmal zu pausieren und abzuwarten. Bisher lasse sich aus den Daten aber nur ein leichter Rückstau erkennen, so die Wirtschaftswoche.
Brücken-Einsturz in Baltimore: Auch Mercedes von Tragödie betroffen
Erstmeldung vom 26. März 2024: Baltimore – Nach dem Einsturz einer mehr als zwei Kilometer langen Autobahnbrücke in der Stadt Baltimore im US-Bundesstaat Maryland haben die Rettungskräfte die Suche nach sechs vermissten Menschen eingestellt. Aufgrund der Länge der Zeit, die mit der Suche verbracht worden sei, und der Wassertemperatur „glauben wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht, dass wir eine dieser Personen noch lebend finden werden“, sagte Shannon Gilreath von der Küstenwache am Dienstagabend (Ortszeit).
Brückeneinsturz in Baltimore fordert offenbar sechs Menschen leben
Die Francis-Scott-Key-Brücke über dem Patapsco-Fluss war am frühen Dienstag nach dem Aufprall eines Containerschiffes gegen einen ihrer Stützpfeiler eingestürzt und blockierte einen der größten Frachthäfen in den USA. Sechs Menschen – alle Bauarbeiter, die Schlaglöcher auf der Brücke reparierten – wurden vermisst. Zwei weitere Arbeiter des achtköpfigen Bautrupps wurden gerettet, einer von ihnen mit schweren Verletzungen.
Nun ragen die Bogenstreben der Brücke, die als Teil der überregionalen Verkehrsader Interstate 695 den Hafen der Ostküsten-Metropole überspannte, gerippeartig aus dem Wasser. Eine CBS-Reporterin vor Ort berichtete sichtlich geschockt, die Brücke sei „im Prinzip komplett verschwunden“. Da wird auch klar: Die Tragödie wird noch länger wirken.
Brücken-Katastrophe in Baltimore: Containerschifffahrtsexperte spricht von „großer Katastrophe“
In einem Bericht weist der britische Sender BBC auch schon auf wirtschaftliche Langzeitfolgen hin. Die Lage der eingestürzten Key Bridge lasse vermuten, dass der Straßenverkehr über Monate und sogar Jahre hinweg „erheblich beeinträchtigt“ werden wird. Auch der Schiffsverkehr im Hafen von Baltimore wird stark betroffen sein – und das dürfte auch internationale Auswirkungen haben, da der Hafen eine große Rolle im Handel mit Übersee spielt. So sprach der Containerschifffahrtsexperte Lars Jansen gegenüber BBC von einer „großen Katastrophe“, die „erhebliche Probleme an der US-Ostküste für US-Importeure und -Exporteure mit sich bringen wird“.
Zusätzlich zu den rund 21.000 Frachteinheiten, die nun über andere Häfen in der Region abgewickelt werden müssen, sitzen nun „mehrere Handelsschiffe im Hafen von Baltimore fest“, sagt er. Schätzungen zufolge passierten im Jahr 2023 etwa 800.000 Fahrzeuge den Hafen und transportierten eine Rekordmenge von 1,3 Millionen Tonnen importierter Fracht.
Deutsche Autobauer wohl auch von Brückeneinsturz in Baltimore betroffen
Zudem ist Baltimore auch der größte Importhafen für Autos in den USA. Damit sind auch deutsche Autobauer vom Brückeneinsturz betroffen. Viele Hersteller liefern über die zwei Terminals Dundalk und Fairfield ihre Fahrzeuge ins Land, berichtet die Wirtschaftswoche. Anhand von Satellitenbildern geht der Bericht davon aus, dass die eingestürzte Brücke den Zugang zu den beiden Terminals vermutlich auf Wochen versperren wird.
Das trifft vor allem Mercedes – der Autobauer hat in Fairfield einen großen Umschlagplatz, so das Magazin. Auf Ippen-Anfrage bestätigte der Konzern, dass der Hafen in Baltimore neben einigen anderen Häfen in den USA, darunter New Brunswick und Charleston, für den Fahrzeug-Import genutzt wird. „Wir stehen in engem Austausch mit unseren Logistikdienstleistern und beobachten kontinuierlich die Situation. Gemeinsam mit unseren Transportpartnern überprüfen und adaptieren wir unsere Lieferwege, um Alternativen zu bewerten“, so eine Sprecherin des Unternehmens. Aus „wettbewerbsrechtlichen Gründen“ wolle man nicht weiter ins Detail gehen.
Auch US-Autobauer Tesla dürfte ein Problem haben: Der E-Autokonzern verschifft über Fairfield seine Fahrzeuge in andere Länder. BMW und Volkswagen trifft es wohl nicht so hart, da ihre Verteilzentren sich den Satellitenbildern zufolge vor der Brücke befänden.
„Im vergangenen Jahr haben wir über Baltimore etwa 100.000 Fahrzeuge für US-Händler im Nordosten der USA empfangen, bearbeitet und verschickt“, so VW laut CNN in einer Erklärung. „Wir erwarten keine Auswirkungen auf den Schiffsbetrieb, aber es kann zu Verspätungen im LKW-Verkehr kommen, da der Verkehr in der Gegend umgeleitet wird.“
Schiff bringt Brücke zum Einsturz: Weltweit kein Einzelfall
Ein Unfall dieser Art ist selten, aber weltweit betrachtet kein Einzelfall: Erst im Februar 2024 starben in der südchinesischen Provinz Guangdong fünf Menschen, nachdem ein Frachter eine Autobrücke gerammt und teilweise zum Einsturz gebracht hatte. In Brasilien stürzte im April 2019 eine fast 900 Meter lange Straßenbrücke über den Moju-Fluss ein, nachdem eine Fähre einen der massiven Pfeiler gerammt hatte.
Im US-Bundesstaat Kentucky riss im Januar 2012 ein mit Raketenteilen für die US-Luftwaffe und die Raumfahrtbehörde Nasa beladenes Schiff eine mehr als 90 Meter lange Lücke in eine Straßenbrücke. Der Kapitän war eine falsche Route unter der Brücke gefahren, die nur für Wassersportler, nicht aber für schwere Schiffe ausgewiesen war.
Mit Material der dpa und AFP
Rubriklistenbild: © Steve Helber/AP/dpa


