Israel-Krieg

Baerbock appelliert bei Treffen mit Mutter von Shani Louk an Hamas: „Lassen Sie diese Menschen frei“

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Mehrere Angehörige in Israel bangen um das Leben ihrer verschleppten Familienmitglieder. So auch die Mutter der deutschen Shani Louk. Jetzt sprachen sie mit Annalena Baerbock.

Tel Aviv/Gaza – Am Freitag (13. Oktober) haben sich mehrere Angehörige von Geiseln, die am Wochenende in Israel mutmaßlich in den Gazastreifen verschleppt wurden, öffentlich an die Bundesregierung gewandt und eindringlich um Hilfe bei der Befreiung ihrer Familienmitglieder gebeten. Die Pressekonferenz fand während eines Besuchs von Außenministerin Annalena Baerbock in Israel statt.

Unter anderem sprachen Yoni Asher und Ricarda Louk über die Geiselnahme ihrer Familienangehörigen. Bei beiden Familien handelt es sich um Israeli mit deutscher Staatsbürgerschaft. Während Asher seit den Angriffen am Samstag seine Frau, seine Schwiegermutter und seine beiden Töchter im Alter von drei und fünf Jahren vermisst, fehlt von Louks 22-jähriger Tochter Shani Louk ebenfalls jede Spur.

Mutter von verschleppter Shani Louk und weitere Angehörige bitten Bundesregierung um Hilfe

Ricarda Louk erzählte während des Treffens von dem Schicksal ihrer Tochter Shani. Die 22-Jährige war auf einer Party unter freiem Himmel nahe einem Kibbuz, einer ländlichen Siedlung, als die Hamas angriffen. „Es war sehr gut zu hören, dass sie es wirklich ernst nehmen und sie bemühen sich, Lösungen zu finden“, sagte Louk in einer Pressekonferenz nach dem Treffen. Man habe jeder der betroffenen Familien eine Kontaktperson zur Verfügung gestellt, an die man sich mit neuen Informationen oder Fragen wenden könne.

Außenministerin Annalena Baerbock (Grünen) hat sich in Israel mit der Mutter der wohl verschleppten Shani Louk (22) getroffen.

„Wir werden als deutsche Staatsbürger anerkannt und bekommen die volle Unterstützung wie jeder andere Deutsche.“ Man fordere von der Regierung, sich schnellstmöglich um Informationen über die Geiseln zu bemühen. Die Zeit dränge, da sich auch Neugebohrene und ältere Menschen mit medizinischen Bedürfnissen unter den Verschleppten befänden. „Wir sind wirklich blind. Wir wissen nicht was vor sich geht. Wir wissen nicht wo sie sind, wir wissen nicht in welchem Zustand sie sind“, so Louk. Man wolle über den Kontakt zu Informanten oder Hilfsorganisationen wenigstens erfahren, ob „sie leben, ob sie gesund sind“.

Neben Mutter von Shani Louk vertraut auch Familienvater Yoni Asher auf die deutschen Behörden

„Wir wissen dass die Lage sehr kompliziert ist, aber wir vertrauen darauf, dass die israelischen und die deutschen Behörden unsere Familien zurückbringen werden“, sagte der Familienvater Yoni Asher nach dem Besuch. Baerbock habe bei ihrem Treffen zugesichert, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die deutschen Staatsbürger wieder nach Hause zu bringen. Zuvor hatte Asher seine Töchter, seine Frau und seine Schwiegermutter laut eigener Aussage auf einem Geisel-Video der Hamas erkannt, nachdem am Samstag der Kontakt während eines Telefongesprächs mit seiner Frau abrupt abbrach.

„Ich habe nur eine Frau und diese beiden Kinder, das ist meine ganze Familie und sie wurden mir genommen“, sagte er. „Ich bitte darum, dass die deutschen Behörden alles tun, was in ihrer Macht steht, um diese deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die Kinder, meine Kinder zu retten. Wir haben keine Zeit, es geht um ihr Überleben.“

Geiselnahmen in Israel: Mehrere deutsche Staatsbürger unter den verschleppten Zivilisten

Neben Asher und Louk appellierten weitere Angehörige an Deutschland, sich für die Geiseln einzusetzen. Die Hamas hatte am Wochenende rund 150 Menschen in Israel gefangen genommen, einige von ihnen haben doppelte Staatsbürgerschaften. Ricarda Louk sprach in der Pressekonferenz von inzwischen fünfzehn Deutschen, die verschleppt worden seien. Ein älterer Mann sprach auf Deutsch und berichtete von seiner 79 Jahre alten Schwester, die mutmaßlich von der Hamas entführt worden sei. Einige Angehörige betonten, dass Deutschland ein starkes und einflussreiches Land sei, das in dieser Frage etwas bewirken könne.

Während ihres Besuchs in Israel appellierte Baerbock bei ihrem Treffen mit ihrem israelischen Kollegen Eli Cohen an die Hamas, die Geiseln freizulassen. „Lassen Sie diese unschuldigen Menschen, lassen Sie diese unschuldigen kleinen Mädchen frei“, sagte die Außenministerin. Deutschland sei „mit allen Akteuren, die Kontakt mit der Hamas haben, im Austausch, um deutlich zu machen, dass diese Geiseln befreit werden müssen.“ (nz/afp)

Rubriklistenbild: © Imago/Foto-Montage

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