Millionenstadt mit hoher Kriminalität

Caracas: Die Hauptstadt von Venezuela

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Caracas, Hauptstadt von Venezuela

Caracas gilt mit seinen über zwei Millionen Einwohnern im Stadtgebiet und drei Millionen Menschen in der Agglomeration als der größte städtische Ballungsraum von Venezuela. Die Hauptstadt des Landes blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück.

  • Caracas wurde am 25. Juli 1567 gegründet.
  • Das Gebiet um die Agglomeration ist stark erdbebengefährdet.
  • Die Stadt hat eine hohe Kriminalitätsrate

Caracas – Im 16. Jahrhundert wurde Caracas einst von den Spaniern errichtet. Im 18. Jahrhundert kämpfte hier Simón Bolívar gegen die europäische Kolonialmacht um die Unabhängigkeit. Die südamerikanische Metropole erlebte im 20. Jahrhundert aufgrund von Erdölfunden eine regelrechte Bevölkerungsexplosion. Heute hat die Stadt hinsichtlich Lebensqualität und Kriminalität allerdings einige traurige Rekorde zu verzeichnen.

Caracas: Stadtgründung und Erdbeben

Bereits im Jahr 1498 erreichte Christoph Kolumbus als erster Europäer die Küste von Caracas. Es wurde hier bald schon eine spanische Kolonie errichtet, die 1526 von der spanischen Krone sogar als Anleihen an die Augsburger Patrizierfamilie Welser übergeben wurde. Allerdings verblieb dieses Lehen gerade mal zwanzig Jahre in deren Besitz. 1567 wurde die Stadt unter ihrem ursprünglichen Namen Santiago de León de Carácas vom spanischen Konquistador Diego de Losada errichtet. Später wurde sie zum Hauptsitz des spanischen Generalkapitanats und Gouverneurs.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts erlebte die Stadt ihren wirtschaftlichen Aufschwung durch den Export von Kakao. Allerdings richteten zeitgleich immer wieder Erdbeben starke Schäden an. Caracas wurde bei einem weiteren Beben am 26. März 1812 fast gänzlich zerstört. Damals kamen fast 12.000 Menschen ums Leben. Aus diesem Grund fehlen auch viele Bauten aus früher Kolonialzeit, da die Stadt beim Wiederaufbau sich anderer Fassaden bediente. Lediglich die Kathedrale von Caracas aus dem Jahr 1614 ist erhalten geblieben.

Caracas: Unabhängigkeitsbewegungen und Bevölkerungsentwicklung

Im 19. Jahrhundert setzten Unabhängigkeitsbewegungen ein. Vor allem die Armee von des südamerikanischen Freiheitskämpfers Simón Bolívar lieferte sich hier ein Gefecht mit der Kolonialmacht Spanien. 1811 und 1814 konnten die Spanier die bereits zweimal befreite Stadt wieder einnehmen. 1821 erfolgte schließlich die endgültige Befreiung der Stadt. Die nächsten zehn Jahre war sie Bestandteil der Republik Großkolumbien, welche die heutigen Staaten Kolumbien, Ecuador, Panama, Venezuela sowie Teile von Peru und Guyana umfasste. Am 17. November 1831 wurde Caracas die Hauptstadt der neu gebildeten Republik Venezuela.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte Caracas bereits die Einwohnerzahl von über 70.000 Menschen überschritten. Im Jahr 1904 waren es bereits 90.000 Menschen. Allerdings war die Industrie noch nicht weit entwickelt. Die Stadt wurde über eine 45 Kilometer lange Wasserleitung versorgt. Aber es gab schon viele Bildungseinrichtungen. Für eine wahre Bevölkerungsexplosion sorgte allerdings erst der ab 1930 einsetzende Ölrausch.

Caracas heute: Hohe Kriminalität und politische Unruhen

Caracas hat heute den traurigen Ruf, eine der gefährlichsten Städte der Welt zu sein. Die mexikanische Nichtregierungsorganisation Bürgerrat für öffentliche Sicherheit und Strafrecht hat 2016 ermittelt, dass mit 120 Morden pro 100.000 Einwohner die südamerikanische Metropole nach San Pedro Sula (Honduras) und San Salvador (El Salvador) die höchsten Tötungsdelikte der Welt außerhalb von Kriegsgebieten zu verzeichnen hat.

Caracas ist aber auch Austragungsort von innenpolitischen Konflikte. Am 16. September 2016 gingen in der Hauptstadt eine Million Menschen auf die Straße, um gegen das inhumane und totalitäre Regime des sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro zu demonstrieren. Die Aktion ging als die größte politische Kundgebung in Venezuela seit Jahrzehnten ein.

Caracas: Wirtschaft und Bildung

Caracas bildet auch das Finanz- und Industriezentrum des Landes. In der Industrie werden vor allem Textilien, Leder, Maschinen und Metalle verarbeitet. Die Stadt ist aber auch in der Automobilindustrie hat mit dem Unternehmen MMC Automotriz vertreten. Von großer Bedeutung sind auch die chemische Industrie und die Nahrungsmittelindustrie. Die Petroleos de Venezuela (PDVSA) regelt als größte Erdölgesellschaft Lateinamerikas den Export von Erdöl. Außerdem befindet sich in Caracas auch der Bolsa de Valores de Caracas – die Börse des Landes. Caracas belegte 2019 im Ranking nach Lebensqualität den 202. Platz von 231 Städten. 2014 landete die Metropole laut The Economist auf Platz 6 der teuersten Städte weltweit.

Die Universidad Central ist die größte Universität Venezuelas. Sie wurde bereits 1721 in Caracas gegründet. Der Bau wurde im 20. Jahrhundert vom Architekten Carlos Raúl Villanueva modernisiert und umfasst mittlerweile 40 Gebäude. In diesen sind auch zahlreiche zeitgenössische Kunstwerke bedeutender Künstler wie Alexander Calder, Victor Vasarely oder auch Henri Laurens ausgestellt. Der Campus wurde im Jahr 2000 von der UNESCO sogar zum Welterbe erklärt. Daneben existiert noch die 1967 gegründete Universidad Simón Bolívar (mit einem Campus von 3.489.000 Quadratmetern), die Universidad Santa Maria (die erste private Universität des Landes) und die 2010 errichtete Universidad Nacional Experimental de la Gran Caracas.

Caracas: Geographie, Lage und Verkehr

Caracas befindet sich im Norden von Venezuela und liegt auf einer Höhe von 760 bis 920 Metern im Caracas-Tal, welches auch zur Cordillera de la Costa (dem Küstengebirge Venezuelas) gehört. Vom karibischen Meer ist die Metropole durch den über 2000 Meter hohen Ávila-Gebirgszug getrennt. Die Entfernung von Stadt und Meer beträgt etwa 10 Kilometer Luftlinie.

Der See- sowie der Flughafen der Hauptstadt sind auf die Küstenorte von La Guaira und Maiquetía aufgeteilt. Diese werden durch eine etwa 20 Kilometer lange Autobahn erreicht, die allerdings auch als erdbebengefährdet gilt. 2006 war eine der Autobahnbrücken eingestürzt. Außerdem besitzt Caracas noch eine zweigleisige Regionaleisenbahnstrecke. Diese verläuft vom Endbahnhof La Rinconada über die venezolanische Stadt Charavalle bis ins südlich gelegene Cuá im Bundesstaat Miranda.

Das Stadtzentrum besitzt auch noch eine U-Bahn mit vier Metro-Linien. Sie wurde 1983 eröffnet und umfasst inzwischen ein Liniennetz aus 54 Kilometern mit 47 Stationen. Eine Metro-Linie verbindet Caracas auch mit der Nachbarstadt Los Teques. 2010 wurde die Metrocable Caracas errichtet. Dabei handelt sich um eine Gondelbahn, welche die Stadtviertel in bergigen Gegenden mit dem Stadtzentrum verbindet. Drei Jahre später wurde auch noch eine Standseilbahn mit drei Stationen eröffnet.

Caracas: Kultur und Sehenswürdigkeiten

Eines der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Caracas ist das Pantéon Nacional de Venezuela. Das Gebäude befindet sich am nördlichen Ende der Altstadt und wurde bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts als römisch-katholische Kirche zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit errichtet. Sie wurde nach dem Erdbeben von 1812 wieder aufgebaut. 1874 wurde die Kirche per Dekret in ein Nationalpantheon umgewandelt. Seitdem dient es als Gedenkstätte und Mauseoleum für bedeutende Persönlichkeiten der Stadt – dazu zählen unter anderem Politiker, Offiziere, Geistliche und Künstler. Auch der Freiheitskämpfer Simon Bolívar hat hier seine letzte Ruhestätte.

Caracas verfügt über zahlreiche Museen, von denen neben dem Museo Bolivar (dem Geburtshaus des venezolanischen Freiheitskämpfers) auch das Naturkundemuseum (Museo de Ciencias Naturales) und das Museum für Zeitgenössische (Museo de Arte Contemporaneo) bei den Besuchern besonders beliebt sind. Zu den weiteren wichtigen Ausflugszielen und Wahrzeichen der Stadt zählen:

  • Das Centro de Arte Los Galpones
  • Der Mercado Municipal de Chacao
  • Der Paseo de Los Próceres
  • Der Parque del Este
  • Die Plaza de Altamira

Auch eine Fahrt mit dem Teleferico, der Seilbahn von Caracas, die zur Bergkette des Ávila-Massivs führt, erfreut sich bei schöner Sicht größter Beliebtheit bei Touristen. Über diese erreichen Ausflügler auch den Nationalpark von El Ávila. Er umfasst einen etwa 80 Kilometer langen und bis zu 15 Kilometer breiten Streifen des Ávila-Massives zwischen Karibik und dem Caracas-Tal. Hier leben auch noch Raubkatzen, wie Jaguar, Puma oder Ozelot. Aber auch Hirsche, Füchse, Faultier und diverse Affenarten haben hier ihr Zuhause.

Caracas: Wichtige Persönlichkeiten der Stadt

In der Geschichte von Caracas haben schon zahlreiche Persönlichkeiten die Stadt besucht. Unter anderem hat hier Alexander von Humboldt 1799 mit seinem Gefährten Aimé Bonpland die Besteigung des 2.250 Meter hohen Gipfels des Ávila dokumentiert. Aber auch der Schauspieler Bud Spencer lebte hier in den 1950er Jahren und arbeitet in einer Automobilfabrik. Weitere wichtige Persönlichkeiten der Stadt sind unter anderem:

  • Simón Bolívar (1783-1830), Unabhängigkeitskämpfer
  • Andrés Bello (1781-1865), Philosoph
  • Nicolás Maduro (*1962), Staatspräsident Venezuelas
  • Majandra Delfino (*1981), Schauspielerin
  • Dayana Mendoza (*1986) Miss Universe 2008
  • Garbiñe Mugurzuta (*1993), Tennisspielerin

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