Bis zu 5.000 m hoch sind die Anden und mit einer besonderen Artenvielfalt ausgestattet ist das Land, das immer wieder von Protestwellen erschüttert wird. Wissenswertes über Venezuela.
Caracas – Das von Christoph Columbus auf seiner dritten Reise entdeckte Venezuela liegt in den inneren Tropen und gliedert sich in drei geografische Großräume:
- Im Westen bzw. im Norden die Anden, die Cordillera de la Costa mit dem höchsten Berg des Landes, dem Pico Bolívar (5.007 m).
Das vor allem mit Grasland bewachsene Orinoco-Tiefland im Osten.
Im Südosten Venezolanisch Guayana, dessen mit Sandstein überzogene alte Felsmassive sich bis nach Brasilien und Guyana erstrecken.
Seine geografischen Grenzen sind die Karibik im Norden, Brasilien und Kolumbien im Süden und Westen und Guyana im Osten. Wälder mit tropischen Pflanzen, wie Palmen, Mangos und Brasilholz, bedecken rund ein Drittel der gesamten Landesfläche. Venezuela, mit seiner Hauptstadt Caracas, gehört zu den Ländern mit den weltweit größten Erdölressourcen. Trotzdem flüchten Millionen Venezolaner aus dem Land.
Venezuela – die wichtigsten Zahlen, Daten & Fakten des Landes
- Hauptstadt: Caracas
- Staats- und Regierungsform: föderale präsidentielle Republik
- Staatsoberhaupt (Stand: November 2022): Präsident Nicolás Maduro
- Regierungschef (Stand: November 2022): Präsident Nicolás Maduro
- Amtssprache: Spanisch
- Einwohnerzahl: 28,4 Millionen (Schätzung aus dem Jahr 2020)
- Bevölkerungsdichte: 31 Einwohner pro km²
- Fläche: 912.050 km²
- Währung: Bolívar digital (VED)
- Bruttoinlandsprodukt: 47 Milliarden US-Dollar (Schätzung aus dem Jahr 2020)
Venezuela – die Geschichte des Landes
Im Gebiet des heutigen Venezuela lebten verschiedene indigene Gruppen, bevor die spanischen Eroberer das Land entdeckten. Die ältesten Funde werden auf etwa 15.000 v. Chr. datiert. Die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte Venezuelas sind:
- 1498 entdeckte Christoph Kolumbus auf seiner dritten Reise die Küste.
Amerigo Vespucci gab dem Land wegen der Verbreitung von Pfahlbauten den Namen Venezuela (Klein-Venedig).
Die Besiedlung durch die Spanier begann etwa ab 1520, Caracas wurde 1567 gegründet und wenig später Sitz des Gouverneurs.
In der Kolonialzeit wurde Venezuela ein von einem General verwaltetes Gebiet (sog. „Generalkapitant“) mit großer landwirtschaftlicher Bedeutung.
Schon vor den Freiheitskämpfern Simón Bolívar und Francisco de Miranda hatte es 1797 sowie 1806 Versuche gegeben, die Unabhängigkeit zu erringen.
Erst die Revolution von 1810 führte am 5. Juli 1811 zur Unabhängigkeitserklärung und Ausrufung der Republik, der aber bald durch monarchistische Streitkräfte ein Ende gesetzt wurde.
1819 errang Bolívar neuerlich die Unabhängigkeit für das Land und schuf Großkolumbien, einen Zusammenschluss Panamas, Kolumbiens, Venezuelas und Ecuadors, der sich 1830 wieder auflöste.
1917 fand man in Venezuela Öl - ein für die Wirtschaft des Landes schnell entscheidend werdender Faktor. Mit den Exporterlösen entwickelte sich Venezuela zu einem der modernsten Staaten Südamerikas.
1945, nach dem Ende der Diktatur von General Isaías Medina Angarita, wurde Dr. Rómulo Betancourt von der sozialdemokratischen Acción Democrática Übergangspräsident. - 1947 trat eine neue Verfassung in Kraft und die ersten demokratischen Wahlen wurden durchgeführt, aus denen Rómulo Gallegos, Schriftsteller und Gründer der Acción Democrática, als Präsident hervorging. Er trat sein Amt im Februar 1948 an, wurde aber bereits im November durch einen Militärputsch abgesetzt. Die Militärs bildeten eine neue Regierung, die sich zu einer Diktatur unter Marcos Pérez Jiménez entwickelte.
- 1958 wurde Pérez vom Volk gestürzt und eine demokratische Koalitionsregierung folgte ihm nach. Die triste Lage der unteren Bevölkerungsschichten führte zur Bildung von Guerilla-Bewegungen, die Ende der 1960er Jahre von Rafael Caldera, der im Dezember 1968 zum Präsidenten gewählt worden war, erfolgreich bekämpft werden konnten. Wirtschaftlich verfolgte er eine Politik der Verstaatlichung von ausländischen Unternehmen.
- 1988 sanken die Weltölpreise, wodurch die politische und wirtschaftliche Situation destabilisiert wurde. Der wiedergewählte Präsident Carlos Andrés Pérez musste Maßnahmen ergreifen, die zu Tumulten und Plünderungen führten.
1992 kam es zu einem missglückten Putschversuch, dessen Anführer zu Haftstrafen verurteilt wurden.
1998 errang einer von ihnen, Hugo Chávez, den Sieg in den Präsidentschaftswahlen, bei der die höchste Wahlbeteiligung der letzten 40 Jahre verzeichnet worden war. Trotz einer Reihe von Aufständen und Protesten, die seinen Rücktritt zum Ziel hatten, war Chávez bis zu seinem Tod im Jahr 2013 im Amt.
Seit 2013 ist Nicolás Maduro der gewählte Staatspräsident Venezuelas, obwohl die entmachtete Nationalversammlung seine Wahl im Januar 2019 für unrechtmäßig erklärte.
Venezuela – das politische System des Landes
Die politische Verwaltung Venezuelas gliedert sich in 23 Bundesstaaten. Seit 1999 findet die politische Führung in der Form einer Präsidentialdemokratie mit verstärkter politischer Einflussnahme des Volkes durch Wahlmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen statt. Der Teilungsmodus zwischen der Legislative, der Exekutive und Judikative, einer Bürger- und einer Wahl-Gewalt, ist kompliziert. Seit der Einführung der Bolivarischen Verfassung“, mit der die „Bolivarische Revolution“ umgesetzt werden sollte, wird der Teilungsmodus durch direktdemokratische Partizipationsmöglichkeiten erweitert. Nach der Hälfte ihrer Amtszeit können demnach Abgeordnete und Präsidenten per Volksentscheid abgewählt werden. Das Parlament wird auf fünf Jahre gewählt und ist gleichzeitig die Nationalversammlung. Nachdem das Parlament 2016, durch einen Volksentscheid mit knapp zwei Millionen Unterschriften der Bevölkerung gestützt, die Amtsenthebung des amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro forderte, diese Handlung jedoch vom (staatstreuen) obersten Gericht als nicht verfassungskonform eingestuft wurde, ist das Parlament wegen nicht verfassungsgemäßer Bildung einer „Verfassungsgebenden Versammlung“ vom Präsidenten entmachtet worden. Seitdem droht die politische Führung Venezuelas in eine Diktatur abzurutschen, was die derzeitige Sicherheitslage in Venezuela als prekär erscheinen lässt.
Venezuela – die Wirtschaft des Landes
Venezuela gehört zu den Ländern mit den weltweit größten Erdölressourcen im Untergrund. Die Wirtschaftsleistung Venezuelas beruht größtenteils auf dem Erdölexport. Neben der Erdölproduktion hat Venezuela keine nennenswerten Wirtschaftszweige hervorgebracht. Die Landwirtschaft trägt nur minimal zur Lebensmittelproduktion bei, lediglich die großen Fischfangflotten vor Venezuelas Küsten spielen für den Lebensmittelhandel eine größere Rolle. Die wichtigsten Anbauprodukte in der Landwirtschaft sind Zuckerrohr, Bananen, Mais, Reis, Hirse, Maniok, Kaffee, Kakao und Zitrusfrüchte. Viehzucht ist vorwiegend in den Ebenen verbreitet, dabei dominiert die Rinder-, Schweine- und Ziegenhaltung. Die wichtigsten Erzeugnisse Venezuelas sind Erdölprodukte, Stahl, Aluminium, Metallwaren, Kunstdünger, Zement, Reifen, Kraftfahrzeuge, Nahrungsmittel, Getränke, Bekleidung und Möbel. Elektrizität wird aufgrund der ergiebigen Regenzeiten und der großen Gelände-Niveauunterschiede und den damit verbundenen Wasserbewegungen zum großen Teil aus Wasserkraft gewonnen. Der Staudamm am Guri-Stausee ist das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt.
Venezuela – die Bevölkerung des Landes
Im Jahr 2021 wurden in Venezuela rund 28,7 Millionen Einwohner gezählt. Allerdings konzentrieren sich 85 % der in Venezuela lebenden Menschen auf die Ballungsgebiete im Bereich der Groß- und Hauptstädte in den nördlichen Küstenregionen während nur 5 % der Bewohner, meist Volksstämme mit indigener Abstammung, in dem großen Gebiet südlich des Orinocos sesshaft sind.
- Die Mehrheit der Bevölkerung mit fast 52% entstammt einer Mischlingsherkunft zwischen den eingeborenen Südamerikanern und Europäern, den sog. Mestizien.
Europäer sind mit ungefähr 43% Bevölkerungsanteil vertreten, während die verbleibenden Minderheiten von Schwarzafrikanern (ca. 3,6 %) und Menschen mit indianischer Abstammung (ca. 2,8%) gebildet werden.
Die Ureinwohner Venezuelas gehören zu ca. 24 verschiedenen Volksstämmen, von denen als wichtigste die nördlich von Maracaibo siedelnden Wayúu, die De’áruwa, Wayapopihíwi, Ye’kuana und Yanomami im Amazonasgebiet, die Warao im Orinoco-Delta und die Pemón im südöstlichen Guayana zu erwähnen wären.
Venezuela – die Sprachen und Religionen des Landes
Neben der spanischen Amtssprache sind in Venezuela die verschiedenen Sprachen indianischer Herkunft in den jeweiligen Verbreitungsgebieten als Amtssprachen anerkannt und müssen respektiert werden. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung gehört mit 96 % der römisch-katholischen Kirche an, nur 2 % der Bevölkerung sind protestantischen Glaubens. Weitere Minderheiten gehören den Zeugen Jehovas, der neuapostilischen Kirche, dem jüdischen Glauben, dem Islam und indigenen Volksreligionen an. Daneben haben sich philosophisch geprägte Heiligenkulte wie der María-Lionza-Kult in Venezuala etabliert.
Venezuela – Flucht aus Venezuela
Bereits seit Jahren spielt sich in Venezuela eine humanitäre Katastrophe ab, die einen der größten Flüchtlingsströme des letzten Jahrzehnts ausgelöst hat: Laut dem UNHCR-Global Report verließen bis Ende 2021 6,1 Millionen Menschen das erdölreichste Land der Welt, fast ein Fünftel der Bevölkerung. Der Grund für die Flucht: Seit dem Amtsantritt von Präsident Maduro 2013 ist die Wirtschaft um ein Drittel geschrumpft, durch die Hyperinflation ist das Geld praktisch wertlos. Viele Venezolaner sind deshalb verarmt und hungern. Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen, Krankheiten breiten sich aus, die Kriminalität ist angestiegen und Banden machen das Land unsicher. Durch Benzinmangel können Lebensmittel nicht mehr transportiert werden können. In Krankenhäusern mangelt es an Medikamenten, OP-Material und fließendem Wasser. Die Altersrenten reichen oft kaum für das Nötigste. Jeder fünfte Venezolaner ist unterernährt.
Venezuela – die Geografie & Berge des Landes
Venezuela befindet sich an der Nordflanke von Südamerika und wird im Westen von Kolumbien, im Osten von Gyana und im Süden von Brasilien begrenzt. Nach Norden besitzt das Land eine ca. 2.800 km lange Küste zur Karibik mit den vorgelagerten kleinen Antillen. Von den ca. 912.000 km² Landesfläche sind knapp 40% bewaldet und 20% werden als Wiesen- und Weideland genutzt. Ackerbau wird auf ca. 4% der Landesfläche betrieben. Landschaftlich ist Venezuela in vier Naturräume gegliedert:
- Im Nordosten des Landes erstreckt sich die Gebirgskette der Anden mit knapp 5000 m hohen Berggipfeln in einem ost-west gerichteten Bogen von der kolumbianischen Grenze zur karibischen Küste.
Nordwestlich der Anden ist das Maracaibo-Tiefland vorgelagert, dessen Fläche zu einem Großteil durch den gleichnamigen See geflutet wird.
Am Ostende des, durch den Canal de San Carlos mit dem Golf von Venezuela verbundenen Maracaibosees befinden sich die ergiebigsten Ölfelder Venezuelas. - Südöstlich der Andenkette im Zentrum Venezuelas erstrecken sich die Tiefländer der Orinoco-Ebene (Llanos), die durch den Fluss selbst nach Südosten hin begrenzt wird. Noch weiter im Südosten schließt sich das Hochland von Guayana an die zentrale Tiefebene an, das mit spektakulären Tafelbergen und Hochplateaus aus wild zerklüftetem Sandstein die größte Fläche des Landes einnimmt.
Venezuela – die Geografie & Flüsse des Landes
Größter Fluss Venezuelas mit über 2500 km Länge ist der Orinoco, der sich von der brasilianischen Grenze entlang dem Hochland von Guyana zu seinem ausgedehnten Mündungsgebiet im südöstlichen Küstenabschnitt Venezuelas erstreckt. Dabei spaltet sich der Fluss am Ende seines Oberlaufs in der Nähe von La Esmeralda auf und führt ca. ein Drittel seiner Wassermenge über den Casiquiare und Rio Negro in das Flußsystem des Amazonas ab. Der Andengürtel im Nordosten von Venezuela entwässert in den Rio Apure, der die Wassermassen der Regenzeiten dem Orinoco zuführt. Die auf das südwestliche gelegene Hochland von Guayana entfallenden Niederschläge werden mit hoher Fließgeschwindigkeit über den Rio Caroni abgeführt, der wie die meisten Vorfluter Venezuelas ebenfalls in den Orinoco mündet. Die Wassermassen des Rio Caroni werden an der Guri-Talsperre zu einem der weltweit größten Stauseen aufgestaut.
Venezuela – das Klima des Landes
Es gibt keine Jahreszeiten im eigentlichen Sinn, sondern nur einen Wechsel von Regen- und Trockenzeit. Die Regenzeit dauert von April bis November, die Trockenzeit von Dezember bis April. Im Hochland von Guyana, der Andenregion und in der karibischen Bergkette ist das Klima gemäßigter als im Rest des Landes. Während im Tiefland unterhalb von 800 m (über dem Meeresspiegel) durchschnittliche Jahrestemperaturen von 26 - 28° C gemessen werden, gehen diese im Hochland unterhalb der 2000m-Grenze, in dem die meisten Städte angesiedelt sind, auf 12 - 16° C zurück. Oberhalb einer Gebirgshöhe von 2000 m beträgt das Jahrestemperatur-Mittel für die hier vorherrschenden Weideflächen nur noch 9-11°C und ab 4000 m Höhe sind dauerhafte Schneefelder bei mittleren Jahrestemperaturen unter 8°C anzutreffen.