Kreuzfahrtschiff gerät mitten in heftigen Orkan - Passagiere schildern Chaos-Szenen an Bord
VonMaximilian Kettenbach
schließen
Romina Kunze
schließen
Sturmtief ‚Ciaran‘ fegt über Europa und trifft ein Kreuzfahrtschiff auf dem Weg in die Karibik. Die Passagiere erleben eine turbulente Fahrt.
München – Es ist sicherlich nicht die ideale Zeit für eine Seereise. Das mussten auch die Gäste auf der „Mein Schiff 3“ feststellen. Einige berichten auf Social Media von einer turbulenten Fahrt entlang der Atlantikküste von Frankreich und Spanien. Die Mehrheit der etwa 2500 Kreuzfahrt-Passagiere hatte wahrscheinlich eher auf einen Urlaub am Sonnendeck gehofft, doch es kam anders.
Mitte der Woche zeigte sich Sturmtief „Ciaran“ über Europa. Am Donnerstag (2. November) erreichte der heftige Sturm auch Deutschland. Fotos von meterhohen Wellen, die auf die Küsten prallen, und von Verwüstungen an Land verdeutlichen die Kraft, mit der das Tief über Europa zog und bisweilen noch zieht.
Sturmtief „Ciaran“ verwüstet Europa: Aufnahmen verdeutlichen die Wucht des Orkans
Orkan „Ciaran“ trifft Kreuzfahrtschiff – Verletzte gab es glücklicherweise nicht
Die „Mein Schiff 3“ hatte nur wenige Tage zuvor Bremerhaven in Richtung Karibik verlassen und war gerade auf dem Weg nach Teneriffa, als der Orkan aufkam und das riesige Schiff von TUI Cruises gewaltig durchrüttelte. Laut dem Branchenportal schiffe-und-kreuzfahrten.de sollen die Wellen bis zu acht Meter hoch gewesen sein, als das Schiff seine erste Etappe zur spanischen Insel antrat.
„Sämtliche Außenbereiche wurden bereits vorsorglich gesperrt“, berichtet ein Passagier der „Mein Schiff 3“ am Donnerstag (2. November) auf der Plattform und fügt seinem Bericht zahlreiche Fotos und Videos hinzu. In einem weiteren seiner Beiträge zeigt er, dass das Mobiliar des Bordrestaurants sturmsicher gemacht wurde. Stühle und Tische wurden mit Klarsichtfolie eingewickelt und fest verpackt. „Das Geschirr und alles, was nicht irgendwie gesichert war, flog durch die Gegend“, ist in weiteren Berichten von Passagieren zu lesen. „Selbst im Bett musste man sich festkrallen, um nicht herauszufallen.“
Die Veranstaltungen im Inneren konnten jedoch wie geplant durchgeführt werden. Niemand wurde verletzt, bestätigte eine Sprecherin von TUI Cruises gegenüber IPPEN.MEDIA.
Große Kreuzfahrtschiffe bieten mehr Angriffsfläche für Stürme – trotz Stabilisatoren
Hochsee-Dampfer sind normalerweise in der Lage, hohem Wellengang standzuhalten. Das liegt daran, dass moderne Kreuzfahrtschiffe mit fortschrittlichen Stabilisatoren ausgestattet sind, die für weitgehende Ruhe an Bord sorgen. Jedoch sind Kreuzfahrtschiffe anfälliger für Sturmtiefs, so die Kreuzfahrt-Zeitung. „Schiffe, die über dem Wasser eine große Fläche aufweisen, haben mehr Angriffsfläche für den Wind, während ein größerer Tiefgang für eine ruhigere Fahrt sorgt“, betont das Fachblatt.
„Ciaran“ erreichte in einigen Gebieten Spitzenwerte von bis zu 200 Kilometer pro Stunde und die höchste Windstärke 12, was auch in Deutschland Todesopfer forderte. Eine Routenänderung, die oft durchgeführt wird, um Stürme zu umgehen, war für die „Mein Schiff 3“ im Atlantik nicht machbar, so schiffe-und-kreuzfahrten.de. Dies war auch notwendig, um den Zeitplan nicht zu gefährden.
Hurrikan-Saison in der Karibik - neue Turbulenzen nicht auszuschließen
Der Sturm erlaubte dem Schiff nur eine reduzierte Geschwindigkeit von 12 Knoten (ca. 22 Km/h). Üblicherweise fahren die Dampfer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 Knoten (46 Km/h). Die „Mein Schiff 3“ passte ihre Geschwindigkeit an und erhöhte sie dann nach Rücksprache mit der Flottenleitung offenbar deutlich, „um vor den stärksten Auswirkungen des Sturms die Unwetter-Region wieder zu verlassen“, bestätigte die Sprecherin des Unternehmens.
Kreuzfahrt-Urlaub: Unschöne Wahrheiten, die alle kennen sollten
„Es wird ruhiger“, schreibt ein „Mein Schiff“-Passagier am Donnerstagabend. Die Wellen im beigefügten Video sind deutlich kleiner. Doch es ist nicht auszuschließen, dass die Passagiere erneut in stürmische See geraten. Von Juli bis November ist in der angesteuerten Karibik Hurrikan-Saison.
Von ganz anderen Problemen berichtete im Sommer noch ein Rentner-Ehepaar auf ihrer Kreuzfahrt. Sie wurden bitter enttäuscht zurückgelassen.
Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteur Maximilian Kettenbach sorgfältig überprüft.