Es gibt nicht mal eine Straße

Einsamer Tourismus am Comer See: Italien-Bergdorf ist nur über 2600 Stufen erreichbar

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Unweit des Comer Sees findet sich in den italienischen Alpen der Lombardei ein Bergdorf, in das keine Straße führt. Es gibt dort erste Ansätze für sanften Tourismus.

Codera – Vom Instagram- und TikTok-Tourismus blieb ein Bergdorf im Norden Italiens bislang weitgehend verschont. Die Rede ist von Codera in der Provinz Sondrio, in den Alpen der norditalienischen Region Lombardei unweit der Grenze zur Schweiz gelegen.

Codera in den italienischen Alpen: Wander-Geheimtipp unweit des Comer Sees

Es ist, in der Nähe des Comer Sees beheimatet, nach wie vor ein Geheimtipp für Wanderer. Aber: Nach Codera führt keine Straße. Das kleine Dorf mit rund 50, teils unbewohnten Häusern ist nur über eine riesige Naturtreppe mit etwa 2600 Stufen zu erreichen. Diese Zahl nennt die Süddeutsche Zeitung (SZ).

Neun feste und zehn bis 15 Teilzeit-Bewohner sollen sich demnach uneins sein, wie es mit dem Bergdorf weitergehen soll, während einzelne der rustikalen Stein-Häuser wohl zerfallen, und andere dafür liebevoll gepflegt sowie in Schuss gehalten werden. Laut der SZ haben mehrere der Bewohner nun sanften, nachhaltigen Tourismus für Codera in die Debatte eingebracht.

Viele Häuser im wohl einsamsten Bergdorf Italiens Codera sind nicht mehr bewohnbar.

„Anstatt sich zum Geisterdorf zu entwickeln wie viele andere Orte in den Alpen, könnte Codera ein Modellprojekt werden für ein nachhaltiges, gesundes Leben“, zitiert die Zeitung Giuliano Bicossi. Der Mailänder IT-Berater lebt abwechselnd in der norditalienischen Großstadt (1,35 Millionen Einwohner) und im abgeschiedenen Bergdorf.

Italien-Bergdorf Codera: Sanfter, nachhaltiger Tourismus in der Lombardei

Demnach werde von den Einwohnern kritisiert, dass viele Dörfer im Norden Italiens - wie in Südtirol - auf Wellness-Hotelanlagen setzen. Andererseits gebe es in den italienischen Alpen und in den Apenninen geschätzt bis zu 1500 Geisterdörfer, die verwahrlosen. Laut SZ lebten in Codera früher noch 600 Menschen.

Von dieser Zahl ist das Bergdorf ohne Straße mittlerweile weit entfernt. Stattdessen bringt ein Hubschrauber alle drei, vier Wochen größere (Lebensmittel-) Bestellungen aus Novate Mezzola am gleichnamigen Lago di Mezzola ins nur zwei Kilometer nördlicher, aber viel höher gelegene Codera. Kostenpunkt laut des Berichts - 350 Euro die Tonne. Bei Notfällen muss der Rettungshubschrauber anrücken. Eigens für diese Versorgung wurde am Rande des Ortes eine Naturterrasse als Helikopter-Landeplatz angelegt.

Roberto Giardini, dem Gründer des örtlichen Vereins der Amici (zu Deutsch: Freunde), schwebe der Erhalt Coderas als ökologisches Bergdorf vor. Doch eine endgültige Lösung, wie es mit Codera weitergehen soll, scheint es derzeit noch nicht zu geben. Dabei ist die Lage prädestiniert, um mehr Bekanntheit zu erlangen. Und gegebenenfalls, um neben einzelnen Wandergruppen, die das Bergdorf für sich entdeckt haben, auch Fans des nachhaltigen Tourismus anzulocken.

Codera in Italien: Comer See liegt in der Nähe - samt Luxus-Urlaubsorten

Denn: Der bei Urlaubern aus Deutschland und der Schweiz beliebte Comer See liegt nur zwölf Kilometer südlich von Codera. Doch während Touristen zum Beispiel im mondänen Bellagio teils mehr als 1000 Euro für das Doppelzimmer die Nacht zahlen, geht das Leben in Codera ohne Autos, Roller oder Motorräder wie früher mit viel Bescheidenheit weiter. Salat und Gemüse werden zum Beispiel in Eigenversorgung selbst angebaut.

Aber immerhin: Durch Spendengelder hat der Verein mittlerweile mehrere der rustikalen und leerstehenden Häuser aufgekauft und renoviert, sodass es 40 Gästebetten gibt, schreibt die SZ. Neben Wanderern und Pfadfindern kämen so etwa saisonale Hilfsarbeiter. Während Codera weiter nach seinem Platz im hochpreisigen Tourismus Norditaliens sucht. (pm)

Rubriklistenbild: © Screenshot/Instagram

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