VonRichard Stroblschließen
Italiens Tourismus-Hotspots ächzen unter dem Massentourismus. Jetzt meldet sich die nächste Gemeinde zu Wort - und will Schritte einleiten.
Como/Turin - Türkis-blaues Wasser eingerahmt von grünen Alpen-Hängen gepaart mit stilvollen Jugendstilvillen und italienischem Flair. Mit dieser Mischung lockt der Comer See im Nord-Osten Italiens jedes Jahr Tausende Urlauber an seine Küsten. Doch für Bewohner und Gemeinden wird die Masse der Touristen zunehmend zum Problem. Deshalb will man Konsequenzen ziehen.
Denn der oben beschriebene Urlaubstraum wird zunehmend getrübt von schier endlosen Staus auf den Straßen, die zu den Küstenorten führen, langen Schlangen an Seilbahnen, ausgebuchten Restaurants und von malerischen Gassen, die durch Menschenmassen aus Touristenbussen komplett verstopft werden. So zumindest das Klagelied der Gemeinden.
Touristen-Kollaps auch am Comer See? Alarm schon zu Ostern
Schon am langen Osterwochenende führte die große Zahl der Touristen nicht nur zu voll belegten Stränden, sondern etwa auch dazu, dass italienische Pendler in die Schweiz teils nicht zu Arbeit erscheinen konnten: Kein Durchkommen. So berichtet es nun die italienische La Stampa. Für die anstehenden Feiertage scheint keine Besserung in Sicht zu sein. Deshalb wird schon vor dem Sommer Alarm geschlagen.
„Es ist wichtig, außerordentliche Bestimmungen für das Verbot/die Beschränkung des Schwerverkehrs zu erlassen, vor allem für Reisebusse, aber auch in Bezug auf Fahrzeuge wie Lastkraftwagen, Sattelschlepper und so weiter“, schrieb dem Bericht nach Mauro Guerra, der Bürgermeister von Tremezzina, an die Präfektur.
Italien mit Touristen-Problemen? Auch Hoteliers warnen - und sehen spezielles Problem
Und auch Hoteliers sollen besorgt sein. Denn die Reisebus-Tagesausflügler könnten die gehobenen Urlauber in ihren Luxus-Etablissements zunehmend abschrecken. „Zahlen-Begrenzungen können nicht die Lösung sein“, meint zwar Luca Leoni, Präsident der Touristik-Unternehmer-Vereinigung Federalberghi Como. Aber: Man müsse auf die „Qualität der Ankommenden achten“.
Das Problem sei nicht einfach zu lösen, gibt er zu und macht dann klar: „Wenn man bedenkt, wie viel ein Tourist für eine Übernachtung am See zahlt, können wir es uns nicht leisten, dass er am nächsten Tag kein privates Motorboot findet oder sich nicht zum Essen hinsetzen kann“. Dieser „hochrangige Tourist“ würde dann im kommenden Jahr vielleicht woanders Urlaub machen, so der Tourismus-Experte.
Und auch die privaten Vermietungen - etwa via Airbnb - sind den Hoteliers ein Dorn im Auge. Diese könnten Touristen mit „lockereren Regeln und Kosten beherbergen“. Dies führe zu einer noch stärkeren Überfüllung - und zu einem sinkenden Tourismus-Niveau.
Touristen-Deckel in Italien? Auch andere Regionen klagen - und reagieren teils schon
„Die Einwohner von Como mögen keine leeren Weihnachten, aber Ostern mit so vielen Menschen auch nicht“, hatte Alessandro Rapinese, Bürgermeister von Como, laut La Stampa zuletzt zusammengefasst.
Ähnliche Überlegungen zur Steuerung von Tourismus-Strömen hatte es gerade erst in dem Touri-Magneten Cinque Terre in Ligurien gegeben. Hier warnten Politiker vor dem Kollaps wegen Überfüllung und forderten rechtliche Möglichkeiten, um die Ströme der Besucher kontrollieren zu können.
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Ernst gemacht hat diesbezüglich schon die Region Südtirol. Hier wurde 2022 ein Bettenstopp verhängt, um den Massentourismus einzudämmen.

