Vorbereitung auf den Herbst

Corona: Wer braucht jetzt eine zweite Auffrischungsimpfung? Experten sind sich uneinig

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Das RKI und die Stiko plädieren für eine zweite Booster-Impfung, ein anderer Experte hält dagegen. Dabei sind in Deutschland Millionen Menschen noch ungeimpft.

München ‒ Rund 7,3 Millionen Erwachsene unter 60 Jahren und 1,9 Millionen über 60-Jährige haben sich hierzulande noch nicht impfen lassen. Das berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem jüngsten Monatsbericht zu Covid-19-Impfungen. (Monitoring vom 7. Juli 2022)

Das RKI empfiehlt eindringlich, dass sich Ungeimpfte umgehend um ihre Corona-Erstimpfung kümmern sollten. Denn auch die Omikron-Variante sei mit einem schweren Krankheitsverlauf verbunden. Omikron gehört inzwischen zur dominierenden Variante in Deutschland.

Corona im Herbst: Zweite Auffrischungsimpfung für Geimpfte

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt, dass sich einige Gruppen jetzt um eine zweite Auffrischungsimpfung bemühen sollten, um auf eine mögliche Herbstwelle ausreichend vorbereitet zu sein. Nach Einschätzung der Experten haben Auffrischimpfungen eine hohe Effektivität, um nicht aufgrund einer Corona-Erkrankung ins Krankenhaus zu müssen.

Folgenden Personen wird zu einer zweiten Auffrischungsimpfung geraten:

  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem
  • Pflegeheimbewohner
  • Menschen ab 70 Jahren
  • Beschäftigte von medizinischen Einrichtungen

Neuer RKI-Monatsbericht schlägt Alarm: Höchstwerte bei Krankenhauseinweisungen unter Ungeimpften

Die Datenlage des RKI-Monatsberichts belegt, dass die „Inzidenz der Krankenhauseinweisungen wegen Covid-19 während der Omikron-Welle generell abgenommen hat“. Allerdings sei sie zuletzt bei Ungeimpften in allen Altersgruppen am höchsten gewesen.

Laut RKI sei für einen mehrwöchigen Zeitraum (April und Mai 2022) für nicht-geimpfte Menschen das Risiko, aufgrund Covid-19 in einem Krankenhaus behandelt zu werden, bei 12- bis 17-Jährigen fast siebenfach, bei 18- bis 59-Jährigen fast vierfach und bei Menschen über 60 neunfach erhöht gewesen.

EU-Empfehlung: Zweite Corona-Auffrischungsimpfung für alle ab 60 Jahren

Noch einen Schritt weiter als die Stiko gingen am Montag die EU-Gesundheitsbehörde ECDC und die EU-Arzneimittelbehörde EMA. Die beiden Behörden riefen die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zum Handeln auf.

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sagte zudem, dass alle EU-Länder „sofort zweite Booster-Impfungen“ für Menschen ab 60 und andere besonders anfällige Menschen anbieten sollten. Man habe keine Zeit zu verlieren, ergänzte sie.

Eine zweite Booster-Impfung gegen das Coronavirus empfiehlt Stiko bislang nur bestimmten Gruppen.

Corona im Herbst: Virologe rät, mit dem Boostern noch zu warten

Klaus Stöhr hat indes eine andere Meinung zur zweiten Auffrischungsimpfung. Der Virologe und ehemalige Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung zu einem anderen Schluss als die Stiko. Stöhr sprach sich klar gegen einen zweiten Booster aus. Dessen Wirkung werde im Herbst weitgehend verpufft sein, meint der Mediziner.

Geht es nach Stöhr, ist die erneute Auffrischungsimpfung für alle ab 60 Jahren nicht sofort nötig. Stattdessen empfiehlt der Virologe allen Menschen bis 70 Jahren ohne Vorerkrankungen, mit dem zweiten Booster noch bis zum Herbst zu warten.

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa

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