Jeder Vierzigste hat es

Kognitive Fähigkeiten betroffen: Neues und seltenes Long-Covid-Symptom entdeckt

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Ein neues Symptom für Long Covid wurde wohl entdeckt: Es ist ein seltenes Phänomen, das den Erkrankten Gesichter nicht mehr erkennen lässt.

München – Geschmacksverlust ist vielleicht das bekannteste Corona-Symptom. Doch immer wieder entdecken Forscher neue Symptome, die eine Folge von Covid-19 sein können. Nun kommt im Zusammenhang mit Long Covid auch das seltene Phänomen der Gesichtsblindheit hinzu.

Neben dem Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns können bei Long Covid auch Lungenschäden, Atemprobleme und neurologische Beschwerden (Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen, Sprachprobleme) auftreten – sogenannter „Brain Fog“, auf Deutsch Gehirnnebel. Amerikanische Forscher brachten nun erstmals auch Gesichtsblindheit mit Long Covid in Zusammenhang.

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Frau hält Glas Wasser in der Hand.
Wer ausreichend trinkt, hält die Schleimhäute in Mund und Rachen feucht. Das ist wichtig, weil diese die erste Schutzbarriere des Körpers gegen Viren und Bakterien darstellen. Trocknen die Schleimhäute aus, können Viren leichter andocken und sich einen Weg in den Körper bahnen. Auch das Lutschen von Bonbons hilft dabei, die Schleimhäute feucht zu halten.  © Tanya Yatsenko/Imago
Korb voll mit Gemüse und Obst
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse sorgt dafür, dass dem Körper wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zugeführt werden. Es wird vermutet, dass ein Zusammenhang zwischen einem gesunden Darm und einem gesunden Immunsystem besteht, denn ein Großteil der Antikörper produzierenden Zellen befinden sich im Darm, informiert das Portal München Klinik, der Gesundheitsversorger der Stadt München. © Oleksandr Latkun/Imago
Frau krault im Schwimmbad
Auch Bewegung macht uns weniger anfällig für Krankheitserreger. Mitverantwortlich ist die antientzündliche Wirkung von Sport und Bewegung auf unseren Körper. Davon profitiert auch unser Immunsystem, so Professor Karten Krüger von der Justus-Liebig-Universität in Giessen im Interview mit der Krankenkasse BKK Provita. Sein Forschungsgebiet: Die Wirkung von Bewegung auf unser Immunsystem. Ihm zufolge wird man seltener krank und übersteht eine Erkrankung besser, wenn man sich regelmäßig bewegt, gut schläft, sich ausgewogen ernährt und ein gutes Stressmanagement pflegt.  © Imago
Hand, die Weinglas und Zigarette hält
Inhaltsstoffe in Zigarettenrauch und Alkohol blockieren die körpereigene Abwehr und machen uns so anfälliger für Krankheiten. Nach einer durchzechten Nacht kann das Immunsystem Studien zufolge sogar bis zu 24 Stunden lang nicht wie gewohnt arbeiten, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Auch Rauchen fördert wie Alkohol Entzündungsprozesse im Körper, was eine erhöhte Anfälligkeit für Atemwegsinfekte zur Folge haben kann. Zudem trocknet Zigarettenrauch die Schleimhäute aus, was deren Abwehrkraft abschwächt.  © macondo/Imago
Frau öffnet das Fenster zum Lüften
Vor allem im Herbst und im Winter sollten Sie regelmäßig lüften. Denn trockene Heizungsluft trocknet die Schleimhäute in Mund und Nase aus. Diese stellen die erste Barriere für Viren und Bakterien dar. Im ausgetrockneten Zustand sind die Schleimhäute weniger widerstandsfähig. © Roman Möbius/Imago
Wanderweg im Bergischen Land nahe der Müngstener Brücke
Bewegung an der frischen Luft stärkt unsere Atemwege. Auch das Immunsystem profitiert, weil über die Haut durch Kontakt mit Sonnenlicht Vitamin D produziert wird. „Es ist wissenschaftlich unstrittig, dass eine ausreichende Vitamin D-Versorgung zur normalen Funktion des Immunsystems beiträgt. Auch zeigen Studien, dass Menschen mit einer unzureichenden Vitamin D-Versorgung ein erhöhtes Risiko für akute Atemwegsinfekte aufweisen und von der Gabe von Vitamin D-Präparaten profitieren können“, heißt es in einem Bericht des Bundesinstituts für Risikobewertung.  © Olaf Döring/Imago
Gestresste Frau im Büro
Stress ist ein wahrer Immunkiller. Durch die Ausschüttung von Stresshormonen verlieren die Immunzellen die Fähigkeit, sich zu vermehren, um Krankheitserreger abzutöten. Auch die Menge an Antikörpern in unserem Speichel verringert sich, so eine Information des Universitätsspitals Zürich.  © Joseffson/Imago
Frau schaltet den Wecker aus
Ausreichend Schlaf zählt zu den Grundpfeilern eines intakten Immunsystems. Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Universität Lübeck konnten dem ärztlichen Journal zufolge zeigen, dass bereits nach drei Stunden ohne Schlaf die Funktion der T-Zellen beeinträchtigt war. „T-Zellen zirkulieren ständig im Blutkreislauf und suchen nach Erregern. Die Adhäsion (Anmerkung der Redaktion: bedeutet so viel wie „Haftkraft“) an andere Zellen erlaubt ihnen dabei, im Körper zu wandern und beispielsweise an infizierte Zellen anzudocken, um sie anschließend zu beseitigen“, sagt Erstautor Stoyan Dimitrov.  © Oleksandr Latkun/Imago

„Es war, als käme die Stimme meines Vaters aus dem Gesicht eines Fremden“

Die 28-jährige Long-Covid-Patientin Annie hat hierbei zu einem Durchbruch bei den Arbeiten der Forscher an der Dartmouth-Universität in New Hampshire in den Vereinigte Staaten von Amerika geführt. Die Kundenbetreuerin und Porträt-Zeichnerin hatte sich im März 2020 mit Corona angesteckt, wie das Wissenschaftsportal Neuroscience News berichtet. Sie bemerkte nach einem Rückfall Schwierigkeiten beim Erkennen von ihr bekannten Gesichtern.

Die Hauptautorin der Studie, Marie-Luise Kieseler, sagte dem Portal: „Als ich Annie zum ersten Mal traf, sagte sie mir, dass sie die Gesichter ihrer Familie nicht erkennen könne.“ So sagte Annie: „Es war, als käme die Stimme meines Vaters aus dem Gesicht eines Fremden“. Nun verlässt sie sich auf Stimmen, um vertraute Menschen zu erkennen. In der Universität führten die Forscher dann einen Test mit ihr durch: Von 48 ihr bekannten Prominenten konnte sie nur 29 Prozent benennen. Gesunde Menschen schaffen im Durchschnitt 84 Prozent. Auch bei einem Test, in dem sie Doppelgänger von Prominenten unterscheiden sollte, fielen ihre Werte um 18 Prozent schlechter aus als die der Kontrollgruppe. Ebenso erging es ihr beim Abspeichern und Wiedererkennen neuer Gesichter, wo sie sogar um 24 Prozent schlechter abschnitt als gesunde Menschen. Bei Landschaften oder Gegenständen hatte sie dagegen keine Probleme.

Die Forscher kommen daher zu folgendem Schluss: „Diese Art von Dissoziation, wie wir sie bei Annie sehen, ist bei einigen Menschen mit Navigationsschwierigkeiten zu beobachten, wobei sie erkennen können, wo sie sind, aber die Entfernung zu einem anderen Ort nicht richtig bestimmen können“, wie Studien-Co-Autor Brad Duchaine sagt.

Long Covid: „Kognitiven und wahrnehmungsbezogenen Fähigkeiten nehmen ab“

Nun machten sich die Forscher daran, 54 weitere Long-Covid-Patienten zu testen, sowie 32 weitere, die vollständig von Corona genesen waren. Das Ergebnis: Die Forscher raten Patienten und Mediziner nun, bei Long-Covid-Erkennung auf Gesichtsblindheit zu achten.

„Die meisten Long-Covid-Betroffenen berichteten, dass ihre kognitiven und wahrnehmungsbezogenen Fähigkeiten seit der Coronainfektion abgenommen haben“, sagt die Wissenschaftlerin Marie-Luise Kieseler. Dazu gehört bei einigen auch das Visualisieren von Freunden und Familienmitgliedern. Deswegen raten die Forscher sowohl Coronapatienten als auch den behandelnden Ärzten auf Wahrnehmungsprobleme bei der Gesichtserkennung wie einer Prosopagnosie, aber auch der Orientierung als weiteren Symptomen von Long Covid zu achten. Der Fachbegriff für das seltene Phänomen lautet Prosopagnosie (PA). Die Krankheit kann angeboren sein, durch ein Schädelhirntrauma oder einen Schlaganfall entstehen - oder wie offenbar in diesem Fall, durch Corona. Prosopagnosie habe neuesten Studien zufolge rund eine von 40 Personen, wie Healthcare in Europe berichtet. (cgsc)

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Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa/Illustration

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