VonChristoph Gschoßmannschließen
Ein neues Symptom für Long Covid wurde wohl entdeckt: Es ist ein seltenes Phänomen, das den Erkrankten Gesichter nicht mehr erkennen lässt.
München – Geschmacksverlust ist vielleicht das bekannteste Corona-Symptom. Doch immer wieder entdecken Forscher neue Symptome, die eine Folge von Covid-19 sein können. Nun kommt im Zusammenhang mit Long Covid auch das seltene Phänomen der Gesichtsblindheit hinzu.
Neben dem Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns können bei Long Covid auch Lungenschäden, Atemprobleme und neurologische Beschwerden (Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen, Sprachprobleme) auftreten – sogenannter „Brain Fog“, auf Deutsch Gehirnnebel. Amerikanische Forscher brachten nun erstmals auch Gesichtsblindheit mit Long Covid in Zusammenhang.
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„Es war, als käme die Stimme meines Vaters aus dem Gesicht eines Fremden“
Die 28-jährige Long-Covid-Patientin Annie hat hierbei zu einem Durchbruch bei den Arbeiten der Forscher an der Dartmouth-Universität in New Hampshire in den Vereinigte Staaten von Amerika geführt. Die Kundenbetreuerin und Porträt-Zeichnerin hatte sich im März 2020 mit Corona angesteckt, wie das Wissenschaftsportal Neuroscience News berichtet. Sie bemerkte nach einem Rückfall Schwierigkeiten beim Erkennen von ihr bekannten Gesichtern.
Die Hauptautorin der Studie, Marie-Luise Kieseler, sagte dem Portal: „Als ich Annie zum ersten Mal traf, sagte sie mir, dass sie die Gesichter ihrer Familie nicht erkennen könne.“ So sagte Annie: „Es war, als käme die Stimme meines Vaters aus dem Gesicht eines Fremden“. Nun verlässt sie sich auf Stimmen, um vertraute Menschen zu erkennen. In der Universität führten die Forscher dann einen Test mit ihr durch: Von 48 ihr bekannten Prominenten konnte sie nur 29 Prozent benennen. Gesunde Menschen schaffen im Durchschnitt 84 Prozent. Auch bei einem Test, in dem sie Doppelgänger von Prominenten unterscheiden sollte, fielen ihre Werte um 18 Prozent schlechter aus als die der Kontrollgruppe. Ebenso erging es ihr beim Abspeichern und Wiedererkennen neuer Gesichter, wo sie sogar um 24 Prozent schlechter abschnitt als gesunde Menschen. Bei Landschaften oder Gegenständen hatte sie dagegen keine Probleme.
Die Forscher kommen daher zu folgendem Schluss: „Diese Art von Dissoziation, wie wir sie bei Annie sehen, ist bei einigen Menschen mit Navigationsschwierigkeiten zu beobachten, wobei sie erkennen können, wo sie sind, aber die Entfernung zu einem anderen Ort nicht richtig bestimmen können“, wie Studien-Co-Autor Brad Duchaine sagt.
Long Covid: „Kognitiven und wahrnehmungsbezogenen Fähigkeiten nehmen ab“
Nun machten sich die Forscher daran, 54 weitere Long-Covid-Patienten zu testen, sowie 32 weitere, die vollständig von Corona genesen waren. Das Ergebnis: Die Forscher raten Patienten und Mediziner nun, bei Long-Covid-Erkennung auf Gesichtsblindheit zu achten.
„Die meisten Long-Covid-Betroffenen berichteten, dass ihre kognitiven und wahrnehmungsbezogenen Fähigkeiten seit der Coronainfektion abgenommen haben“, sagt die Wissenschaftlerin Marie-Luise Kieseler. Dazu gehört bei einigen auch das Visualisieren von Freunden und Familienmitgliedern. Deswegen raten die Forscher sowohl Coronapatienten als auch den behandelnden Ärzten auf Wahrnehmungsprobleme bei der Gesichtserkennung wie einer Prosopagnosie, aber auch der Orientierung als weiteren Symptomen von Long Covid zu achten. Der Fachbegriff für das seltene Phänomen lautet Prosopagnosie (PA). Die Krankheit kann angeboren sein, durch ein Schädelhirntrauma oder einen Schlaganfall entstehen - oder wie offenbar in diesem Fall, durch Corona. Prosopagnosie habe neuesten Studien zufolge rund eine von 40 Personen, wie Healthcare in Europe berichtet. (cgsc)
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