Omikron-Variante BA.2

Bittere Corona-Prognose bis Ostern - Doch drei Zahlentrends geben Hoffnung

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Der Statistiker Christian Hesse gehet davon aus, dass die Corona-Zahlen bis Ostern weiter ansteigen werden
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Die Corona-Fallzahlen sollen laut dem Statistiker Christian Hesse bis Ostern steigen. Eine gute Nachricht ist, dass die Omikron-Variante BA.2 die Chance der „Grippalisierung“ bietet.

Stuttgart - Seit Anfang März steigt die bundesweite 7-Tage-Inzidenz rasant an. Zwar ist sie aktuell den zweiten Tag in Folge gesunken, doch die Werte sind verglichen mit denen den vorherigen Wellen hoch. Das Robert Koch-Institut (RKI) nannte am Montagmorgen (28. März) eine 7-Tage-Inzidenz von 1700,6, nach 1714,2 vor einer Woche. 

Die Zahl der von den Gesundheitsämtern gemeldeten Coronavirus-Neuinfektionen binnen eines Tages gab das RKI mit 67.501 an, in der Vorwoche waren es 92.314. Doch am 24. März wurde ein Höchstwert von über 300.000 Neuinfektionen verzeichnet. Der Positivenanteil hat laut dem RKI-Wochenbericht vom 24. März das Rekordniveau von fast 56 Prozent erreicht. Das bedeutet, dass bei über der Hälfte der getesteten Personen die Tests positiv waren.

Coronavirus: Omikron-Variante BA.2 soll 7-Tage-Inzidenz bis Ostern weiter ansteigen lassen

Zu verdanken ist diese Entwicklung der Omikron-Variante BA.2. Einer Studie aus Japan zufolge könnte dieser Subtyp um den Faktor 1,4 ansteckender sein als die Omikron-Variante BA.1. Das bedeutet, dass eine Person mit BA.2 im Schnitt fast eineinhalbmal mehr Menschen anstecken kann als jemand, der mit BA.1 infiziert ist. In der Studie wird ebenfalls eingeordnet, dass der Subtyp BA.2 sich gegen BA.1 durchsetzt.

Hinsichtlich der bundesweiten 7-Tage-Inzidenz soll noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht worden sein. Christian Hesse, Leiter der Abteilung für Mathematische Statistik an der Universität Stuttgart, geht davon aus, dass bis Monatsende die 2000er-Marke gerissen werden wird. „Wahrscheinlich werden die Inzidenzen noch bis etwa Ostern steigen“, sagte der Statistiker im Focus Online. Ein dann eintretender gewisser Sättigungseffekt und die Saisonalität führten in der Folge zu einer Trendumkehr.

Lockerungen der Corona-Maßnahmen: weniger vorsichtiges Kontaktverhalten in Teilen der Bevölkerung

Eine Ursache für die weiter steigende Fallzahlen sind nach Ansicht von Hesse die kürzlich vorgenommenen Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Diese würden in Teilen der Bevölkerung zu einem weniger vorsichtigen Kontaktverhalten führen. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Angst vor Corona durch Kriegsängste etwas in den Hintergrund getreten sei.

Bis in welcher Höhe die Inzidenzen steigen können, ist laut Hesse ungewiss. Eine Rolle dabei spielt, welche Kontakte die Menschen pflegen. Selbst ein vorsichtiges Verhalten der Mehrheit der Bevölkerung reiche nicht aus, „denn die Mehrzahl der Neuinfektionen wird durch eine Minderheit von Viel- und Super-Spreadern verursacht“, so der Statistiker zu Focus Online.

Positive Zahlentrends in der Omikron-Welle: Hospitalisierungsrate ist gesunken

Trotz der Negativrekorde gibt es drei positive Zahlentrends. Zum einen ist die Hospitalisierungsrate um 25 Prozent geringer als 2021, die Belegungszahl der Intensivstationen stagniert bei etwa 2300 Patienten. „Das sind weniger als halb so viele wie zum Höhepunkt der Delta-Welle Mitte Dezember 2021“, erklärt Hesse.

Positive Zahlentrends in der Omikron-Welle: Weniger Corona-Patienten müssen invasiv beatmet werden

Zudem ist der Schweregrad der von den Corona-Intensivpatienten benötigten Behandlung laut Hesse um fast 20 Prozentpunkte niedriger als bei der Delta-Welle. Das heißt, dass der Anteil der invasiv Beatmeten auf 38 Prozent gesunken ist. Das sei ein Indikator dafür, dass die Omikron-Sublinie BA.2 im Schnitt wesentlich mildere Verläufe hervorruft als Delta und etwas mildere Verläufe als die Omikron-Hauptlinie, so Hesse.

Positive Zahlentrends in der Omikron-Welle: Sterberisiko hat abgenommen

Letztendlich hat das Sterberisiko leicht auf 0,09 Prozent abgenommen. In den Vorwochen lag es bei 0,10 beziehungsweise 0,12 Prozent. Bei der derzeitigen Hospitalisierungsrate von rund einem Prozent der Omikron-Infizierten mit symptomatischen Verläufen heißt das, dass einer von 100 symptomatisch Corona-Erkrankten im Krankenhaus behandelt werden muss und einer von 1100 symptomatisch Erkrankten verstirbt, führt Hesse aus.

Omikron-Variante BA.2: Chance der „Grippalisierung“

„Omikron BA.2 bietet uns eine Chance“, fasst Hesse zusammen. Diese bestehe darin, dass dieser Subtyp eine endemische Situation herbeiführe, in der die Immunsysteme der meisten Menschen schon einmal Kontakt entweder mit einem Impfstoff oder mit diesem Virustyp hatten. Man habe dann gelernt, damit zu leben, ähnlich wie mit der saisonalen Grippe. „Diese Chance der ‚Grippalisierung‘ von Corona ist aber langfristig“, schränkt Hesse ein. Voraussetzungen dafür seien allerdings eine Erhöhung des Impftempos und eine Verringerung der Impflücke.

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