VonJennifer Köllenschließen
In einer Woche sterben hunderte Menschen an Corona, 113 davon an einem Tag. Warum vulnerable Gruppen jetzt aufpassen müssen – und was Lauterbach plant.
Berlin – Die Sommerwelle rollt. Wegen der hochansteckenden Corona-Subvariante Omikron BA.5 steigen die Zahlen in Deutschland stark an. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt jetzt bei 635. Und dabei erfasst das Robert Koch-Institut (RKI) nur noch die Meldung von offiziellen PCR-Tests (hier geht es zu den aktuellen Corona-Zahlen des RKI). Die tatsächliche Zahl der Corona-Infizierten dürfte hierzulande also deutlich höher sein.
Und auch die Zahl der Todesfälle steigt. Am Dienstag, 28. Juni, meldete das RKI 113 Todesfälle an einem Tag. Diese Information treibt auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im Zuge der Corona-Sommerwelle durch Omikron BA.5 um. Er zeigt sich besonders besorgt um vulnerable Gruppe, zu denen auch ältere Menschen gehören. Doch was ist sein Plan gegen die hohen Corona-Zahlen im Sommer und Herbst? Schließlich gibt es derzeit – bis auf die Maskenpflicht in Bus und Bahn – kaum noch Maßnahmen und Corona-Regeln. Und das Infektionsgesetz läuft am 23. September aus...
Corona-Sommerwelle: Viele Todesfälle unter vulnerablen Gruppen wegen Omikron BA.5 – Lauterbach besorgt
In der vergangenen Woche (KW 25) sind 558 Menschen in Deutschland nach einer Corona-Infektion gestorben. Das sind in einer Woche mehr Todesfälle, als in den vergangenen vier Wochen zusammen. „Das ist leider eine bedeutsame Entwicklung“, twitterte Lauterbach, der schon Mitte Juni sagte, die Corona-Sommerwelle sei bereits „Realität“.
Das ist leider eine bedeutsame Entwicklung. Viele Ältere verlieren langsam aber sicher ihre Immunität. Die angepassten Impfstoffe ab September und unsere Impfkampagne werden daher SEHR wichtig werden. All das wird gerade intensiv vorbereitet. https://t.co/IsUUEAocBO
— Prof. Karl Lauterbach (@Karl_Lauterbach) June 25, 2022
Der Bundesgesundheitsminister sieht den Grund an den steigenden Todeszahlen wegen Omikron BA.5 darin, dass Ältere „langsam aber sicher ihre Immunität“ verlieren würden. Denn der Schutz vor einer Infektion lässt nach der vierten Impfung schnell nach. Eine Studie aus Israel zeigt, dass es zwei Monate nach der vierten Impfung wieder genauso wahrscheinlich ist, sich mit Omikron zu infizieren, wie davor.
Die Lösung: Die an Omikron BA.5 angepassten Corona-Impfstoffe von Moderna und Biontech, welche nachweislich gut wirken. „Die angepassten Impfstoffe ab September und unsere Impfkampagne werden daher SEHR wichtig werden. All das wird gerade intensiv vorbereitet.“
Corona-Sommerwelle: Ärzte in Sorge, 1500 Tote pro Tag? Lauterbach setzt auf neuen Impfstoff gegen Omikron und Sieben-Punkte-Plan
Was da genau intensiv von Lauterbach und der Bundesregierung gegen die hochansteckende Subvariante Omikron BA.5, deren Inkubationszeit noch immer nicht genau bestimmt werden kann, vorbereitet wird, fragen sich derzeit auch deutsche Mediziner. Viele fordern wegen der steigenden Corona-Zahlen härtere Maßnahmen und ein neues Infektionsschutzgesetz, denn das alte läuft am 23. September aus. Derzeit gilt nur eine Maskenpflicht in Bus und Bahn. Und das während der Corona-Sommerwelle...
Corona-Sommerwelle: Neues Infektionsschutzgesetz müsse laut Weltärztechef auch „Lockdown“ verankern
Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery etwa fordert die Politiker auf, schnell zu handeln – und neue Maßnahmen zu entscheiden. Der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte Montgomery, als „Ultima Ratio“ müsse im angepassten Infektionsschutzgesetz „auch die Möglichkeit zu einem Lockdown verankert werden.“
Und die Bunderegierung? Will erstmal die Stellungnahme ihres Sachverständigenrates am 30. Juni abwarten. Danach wird die Bundesregierung konkrete Pläne und einen Sieben-Punkte-Plan gegen die Herbst-Welle vorstellen. Mit dabei: Der an Omikron BA.5 angepasste Corona-Impfstoff von Moderna und Biontech, zu dem es eine Impfkampagne geben soll. Ohne Maßnahmen wäre ansonsten mit 1500 Corona-Toten pro Woche zu rechnen, warnte Lauterbach vergangene Woche seine Kollegen.
Vulnerable Gruppen müssen sich vor Corona-Sommerwelle schützen: Infektion erhöht Alzheimer- und Parkinson-Risiko
Neben dem Sterberisiko ist für ältere Menschen auch ein anderes Risiko erhöht. Eine aktuelle Studie aus Dänemark zeigt: Eine Infektion mit dem Corona-Virus erhöht das Risiko, an Alzheimer oder Parkinson zu erkranken.
Die Datenlage der Studie ergab: Bei Corona-Infizierten liegt die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, um ein 3,5-faches höher. Auch das Risiko einer Parkinson-Erkrankung lag nach Corona höher.
Inzidenz in Deutschland steigt durch Omikron BA.5: Regierung steht mit Corona-Sommerwelle und dem kommenden Herbst vor Herausforderungen
Während die neuen Studienergebnisse aus Dänemark für Aufsehen sorgen, steigt in Deutschland die Inzidenz durch Omikron weiter, vor allem durch die neue Corona-Variante Omikron BA.5, bei der die Ansteckungsgefahr höher liegen soll als bei vorherigen Omikron-Subtypen. Zumindest eine gute Nachricht: Long Covid Fälle scheinen unter Omikron seltener.
Was wird die Bundesregierung also konkret gegen die rollende Corona-Sommerwelle und die kommende Herbstwelle unternehmen? Am 30. Juni werden es alle Bürger von den Experten und der Politik wohl erfahren.
