Untersuchung aus Deutschland

Corona-Studie mit „erschreckenden“ Ergebnissen: Long-Covid-Patienten leiden Jahre unter Symptomen

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Die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion können gravierend sein. Eine Studie zeigt, dass viele ehemalige Infizierte noch immer unter Long Covid leiden.

München – Der erste Corona-Fall in Deutschland wurde am 27. Januar 2020 gemeldet – genau vor fünf Jahren. Pandemiebedingte Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen, Maskenpflicht und Schließungen sind heute zwar Geschichte, doch das Virus bleibt präsent. Den auch lange nach einer Infektion können die Beschwerden anhalten, wie eine aktuelle Studie aus Baden-Württemberg zeigt.

Kein einheitliches Krankheitsbild bei Long Covid: Ehemalige Corona-Infizierte leiden teils Jahre

Dabei geht es um Long Covid. Die Erkrankung beschreibt gesundheitliche Probleme, die länger als vier Wochen nach einer Corona-Infektion bestehen bleiben. „Die Beschwerden beginnen entweder bereits in der akuten Erkrankungsphase und bleiben längerfristig bestehen, oder treten im Verlauf von Wochen und Monaten nach der Infektion neu oder wiederkehrend auf“, informiert das Robert Koch-Institut (RKI). Virologe Christian Drosten wies kürzlich auf eine Analyse hin, die zeigt, dass etwa sechs Prozent der Infizierten von Long Covid betroffen sind.

Chronische Erschöpfung, Gedächtnisprobleme und Atemnot sind nur einige der Symptome, unter denen Betroffene von Long Covid leiden.

Der Leidensweg ist oft lang, denn aufgrund der vielfältigen Symptome gibt es laut RKI kein einheitliches Krankheitsbild. Bereits 2021 veröffentlichte das Fachmagazin The Lancet eine Studie, die mehr als 200 Symptome von Long Covid identifizierte. Um die Diagnose und Behandlung von Betroffenen an die Erkrankung anzupassen, sei noch weitere Forschung nötig. Eine umfassende Studie unter der Leitung des Universitätsklinikums Freiburg bringt nun weitere Erkenntnisse.

Studie mit beklemmenden Corona-Ergebnissen: Welche Symptome bei Long Covid auftreten können

Forschende der Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm untersuchten über 1500 ehemalige Corona-Infizierte im Alter von 18 bis 65 Jahren. Auch zwei Jahre nach einer Corona-Infektion würden zwei Drittel weiterhin mit gesundheitlichen Beschwerden kämpfen. Dazu zählen folgende Symptome:

  • Fatigue (chronische Müdigkeit)
  • Schnelle Erschöpfung
  • Gedächtnisprobleme und Konzentrationsstörungen
  • Atemnot
  • Brustschmerzen
  • Innere Unruhe
  • Depressionen
  • Schlafstörungen

„Es ist erschreckend, wie viele ehemals Infizierte nach zwei Jahren noch Beschwerden und Einschränkungen haben“, schildert Studienleiter Winfried Kern von der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg in einer Mitteilung. Die Studie zeigte auch, dass im Vergleich zur Kontrollgruppe funktionelle Parameter wie Handgreifkraft, Sauerstoffverbrauch bei Belastung und Atemeffizienz verschlechtert waren. Die Beschwerden beeinträchtigen die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit der Betroffenen daher erheblich.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Die Forschenden stellten jedoch noch ein weiteres wichtiges Ergebnis heraus. Demnach habe es keine pathologischen Befunde gegeben, beispielsweise eine fortbestehende Virusinfektion oder Blutgerinnungsstörungen. Studienleiter Kern betont: „Eine systematische längere Nachbeobachtung und medizinische Nachuntersuchung sind erforderlich, um Faktoren für Besserung beziehungsweise Nichterholung des Post Covid-Syndroms und relevanter pathophysiologischer Pfade genauer zu identifizieren. Nur so werden sich therapeutisch wirksame Interventionsansätze finden und entwickeln lassen.“

Auch an anderer Stelle tut sich etwas in der Corona-Forschung. So haben Forschende womöglich die Ursache für den tückischen „Brain Fog“ bei Long-Covid-Patienten gefunden. Eine Studie aus München zeigt derweil einen möglichen Weg zu neuen Therapien bei Long Covid auf. (kas)

Rubriklistenbild: © Sasirin/imago

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