Neue Omikron-Subtypen

Nimmt Corona-Welle noch mehr Fahrt auf? Forscher: „Winter wird anscheinend anstrengend“

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Nach den Varianten Delta und Alpha folgte die Omikron-Variante. Weitere Sublinien von BA.5 breiten sich aus und könnten die Corona-Welle noch mehr anschieben.

München/Berlin - Nicht nur in München steigen die Corona-Fallzahlen weiter an. Die Herbstwelle rollt gerade auf uns zu. Die Omikron-Variante dominiert andere SARS-CoV-2-Varianten, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem Wochenbericht beschrieb. Mit der Omikron-Subvariante BA.5 sind fast 97 Prozent der an dem Coronavirus erkrankten Personen infiziert. Doch einige Forscher warnen vor neuen Sublinien wie BA.2.75.2 oder BQ.1.1. Das Erbgut der Varianten ist stark verändert, sodass Antikörper von geimpften und genesenen Personen gegen die Sublinien womöglich nicht schützen.

Coronavirus: Neue Omikron-Varianten könnten die Herbstwelle noch mehr anschieben

Der RKI-Bericht zeigt, dass BA.5 seit Wochen die dominierende Variante ist. Weitere Sublinien verbreiten sich jedoch. Neue Subvarianten von Omikron könnten den Antikörpern von Geimpften und Genesenen entgehen. Die Sublinie BA.2.75 nimmt laut RKI seit Juni dieses Jahres weltweit zu. In Deutschland liegt der Anteil bei einer Stichprobe jedoch unter einem Prozent. Dies zeigt auch, dass das Virus weiterhin mutiert. Auch in Österreich wurde eine neue Variante des Coronavirus entdeckt.

Eine biologisch-technische Assistentin bereitet die Sequenzierung von positiven PCR-Tests vor.

Wie die Deutsche-Presse-Agentur (dpa) beschreibt, erklärte der britische Virologe Tom Peacock, dass es „eine bisher nicht gekannte Vielfalt an Varianten aus unterschiedlichen Zweigen des Omikron-Stammbaums“ gibt. So wurde Peacock in einem „Nature“-Artikel zitiert. Dabei fällt eines auf: Die Omikron-Subvarianten entwickelten unabhängig voneinander die gleichen Mutationen des Spike-Proteins. Dieses Protein ist ein Oberflächenprotein, mithilfe dessen die Viren an die Rezeptoren der Wirtszellen andocken können.

Ein Spezialist für Virus-Evolution, Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel, spricht „von einer eher allmählichen Entwicklungsdynamik, die interessanter sei als die großen Sprünge, die das Virus zuvor gemacht habe“, wie die dpa schrieb.

Corona-Deutschland-Karte: Infektionszahlen steigen an

Coronavirus: Experten warnen vor neuen Subvarianten

In einem Tweet gab Cornelius Römer, ein Mitarbeiter von Neher, eine Schätzung über eine weitere Subvariante ab. So soll BQ.1.1 in Europa und Nordamerika vor Ende November eine Welle verursachen. Dies begründete er durch die schnelle Zunahme der Sequenzen binnen kurzer Zeit. Der dpa sagte Neher, dass es für ihn plausibel wäre, wenn die aktuelle Corona-Welle in einigen Wochen einen Schub erhalte. Dies kann durch die benannte Sublinie BQ.1.1 sein oder durch die Vermischung mehrerer Varianten.

Dieser Meinung ist auch der Charité-Impfstoffforscher Leif Erik Sander. Auf Twitter warnte er vor den Varianten BA.2.75 und BQ.1. Diese könnten den bisherigen Antikörpern von Geimpften und Genesenen entgehen. „Der Winter kommt und er wird anscheinend echt anstrengend“, twitterte er.

Coronavirus: Subvarianten könnten den Personalausfall befördern

Dass die Immunantwort auf die Subvarianten schwächer ausfallen könnte, bedeutet nicht, dass die Krankheitsverläufe schwerer werden. Die Immunologin Christine Falk sagte der dpa, „dass die Mutationen von BQ.1.1 zwar auf eine möglicherweise effektivere Ansteckung schließen ließen, aber nicht auf ein Unterlaufen aller Abwehrlinien.“

Falk ist der Meinung, dass der Schutz der Impfung vor schweren Verläufen bei immungesunden Menschen ausreichen müsste. Vorausgesetzt, die empfohlenen Impfungen wurden alle gemacht. Das Spike-Protein gibt keine Hinweise darauf, dass sich die Krankheitslast verändert hat. Ein Problem wäre eher der Personalausfall, der bei einer starken Welle droht. Denn wenn sich viele Menschen gleichzeitig anstecken, kommt es wie zum Beispiel in einem Krankenhaus in Bayern zu starken Engpässen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachtet die Subvarianten. Auch die Sublinie BQ.1.1 ist eine von insgesamt 300 Subvarianten, die betrachtet werden. Die WHO zeigt sich optimistisch und beschwört, dass man mit den Varianten umgehen könne. Werkzeuge seien wie immer das Impfen, Maske tragen, Abstand halten und lüften. (vk/dpa)

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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