Die Erde auf der Insel Santorin bebt weiterhin stark. Behörden rüsten sich für das Schlimmste. Ein Ereignis von vor fast 70 Jahren rückt wieder in den Fokus.
Athen – „Der Albtraum von 1956 kehrt zurück“, titelte die griechische Zeitung Ta Nea. Damals erschütterten zwei Erdbeben der Stärke 7,7 und 7,2 die griechische Insel. Ein 20 Meter hoher Tsunami folgte. Dutzende Menschen starben. Jetzt schreckt eine aktuelle Erdbeben-Serie die Menschen in der Region auf. Ein Hauptbeben steht nach Ansicht von Experten noch aus.
Erdbeben auf Santorini: „Leute sollten nicht in Panik geraten“
„Die Leute sollten nicht in Panik geraten, wir werden kein Erdbeben wie 1956 erleben“, versicherte Efthymios Lekkas, Präsident der Organisation für erdbebensichere Planung und Absicherung (OASP), im Gespräch mit Mega, wie das Portal prothema.gr berichtet. „Es kann ein stärkeres Erdbeben geben, aber auf keinen Fall mehr als 6 auf der Richterskala“, fügte Lekkas hinzu. Dennoch sind viele Bewohner verunsichert, und Tausende verlassen die Insel.
550 Erdbeben, flüchtende Urlauber und Angst vor dem Hauptbeben – dramatische Bilder aus Santorini
Erdbeben auf Trauminsel weckt böse Erinnerungen an 1956
Santorin (oder auch Santorini) ist ein Traumziel für Griechenland-Urlauber. Azurblaues Wasser, dramatische Klippen und weißgetünchte Häuser locken jährlich mehr als drei Millionen Touristen auf die Insel. Die Landschaft ist spektakulär. Nordöstlich von Santorin befindet sich zudem ein aktiver Vulkan unter der Meeresoberfläche. Der letzte bemerkenswerte Vulkanausbruch ereignete sich 1950, heißt es bei kathimerini.com. Der Vulkan wird von einem Experten als Ursache der Erdbeben ausgeschlossen – zumindest derzeit.
Seismische Verwerfung laut Experten für Erdbeben verantwortlich
Die Erdbeben sind tektonischen Ursprungs und stehen im Zusammenhang mit seismischen Verwerfungen, sagte Seismologe Gerasimos Papadopoulos im staatlichen Sender ERT. Die seismische Aktivität konzentriere sich auf eine etwa 30 Kilometer lange Zone. „Sie beginnt im Nordosten von Santorin, im Meeresgebiet und setzt sich Richtung Amorgos fort.“ Diese Zone liegt etwa 30 bis 40 Kilometer von den Inseln Amorgos, Santorin, Anafi und Astypalea entfernt.
Die Verwerfung von 1956 erstreckte sich über 100 bis 120 Kilometer. Papadopoulos betonte, dass es keine Anzeichen dafür gebe, dass die gesamte Störung aktiviert werde. Jedoch bestehe seiner Meinung nach ein erhebliches seismisches Potenzial für die Aktivierung eines großen Teils der Verwerfung. Ein Erdbeben der Stärke 6 sei im Bereich des Möglichen.
Seit Ende Januar werden Erdbeben auf Santorin registriert. In den vergangenen drei Tagen wurden etwa 550 Erdbeben mit einer Stärke von über 3 auf der Richterskala und einem Maximum von 4,9 verzeichnet. Am Dienstagmorgen (4. Februar) ereigneten sich erneut auffällige Beben, darunter eines der Stärke 4,8. Wie sich die Situation weiterentwickelt, bleibt abzuwarten. OASP-Präsident Lekkas geht davon aus, dass die intensiven seismischen Aktivitäten in der Region noch mehrere Tage, wenn nicht sogar Wochen anhalten könnten.
Erdbeben präzise vorherzusagen, wie es beim Wetter möglich ist, bleibt nach aktuellem wissenschaftlichen Stand unmöglich. Auch Kalifornien ist in Alarmbereitschaft, da die San-Andreas-Verwerfung auf Erdbeben schon im Jahr 2024 hindeutet.(ml)