VonMoritz Bletzingerschließen
Julian Mayrschließen
Kommt das schwere Beben? Die griechische Insel Santorini wackelt seit Tagen, wird von tausenden Erdstößen heimgesucht. Ein Ende könnte in Sicht sein.
Update vom 8. Februar, 6.45 Uhr: Auch das Wochenende dürfte für die Bewohner von Santorini und umliegende Inseln nicht ruhiger werden. In der Nacht auf Samstag (8. Februar) ging die Erdbebenserie unvermindert weiter. Das Geodynamische Institut erfasste allein bis kurz vor fünf Uhr wieder mehr als 20 Erdstöße. Drei Erdbeben erreichten eine Magnitude von mehr als 4. Seit dem 26. Januar wurden nun bereits weit mehr als 7700 Beben erfasst.
Der Furcht vor einem stärkeren Erdbeben oder anderen verheerenden Folgen, wie einem Tsunami oder Vulkanausbruch, konnten Experten nun aber ein wenig Wind aus den Segeln nehmen. Der Seismologe Costas Papazachos sagte am Rande einer Pressekonferenz mit dem griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis, dass das Szenario eines stärkeren Bebens immer unwahrscheinlicher werde. „Es wird jeden Tag ein bisschen besser“, sagte Papazachos. Allerdings werden die Bewohner noch etwas Geduld haben müssen.
Santorini-Erdbebenserie geht weiter: Dutzende Erdbeben binnen weniger Stunden gemessen
Update vom 7. Februar, 5.30 Uhr: Santorini und andere Urlaubsinseln in Griechenland kommen weiter nicht zur Ruhe. Wie Daten des Geodynamischen Instituts von Athen zeigen, haben sich allein am Freitagmorgen (7. Februar, Stand 5.30 Uhr) seit Mitternacht 26 Erdbeben inmitten der Inselgruppe der Kykladen ereignet.
Beben der Stärke 5 und mehr wurden nicht ermittelt. Die meisten Erdstöße wurden vom Geo-Institut der Stärke 3 zugewiesen, das stärkste Beben in dieser Nacht ereignete sich gegen 3.35 Uhr. Es wies eine Magnitude von 4.3 auf, das Epizentrum lag wie bei nahezu allen Beben zuvor nordöstlich von Santorini.
Griechische Behörden rufen Notstand aus - Beben der Stärke 6 nicht auszuschließen
Update vom 6. Februar, 18.00 Uhr: Auf Santorini kommt es weiterhin regelmäßig zu Erdbeben. Seismologen gehen davon aus, dass ein größeres Beben noch bevorsteht. Das griechische Bürgerschutzministerium hat daher den Notstand für die Insel ausgerufen. Dies ermöglicht es, Besitzer von schwerem Gerät und andere Personen für Räumungsarbeiten heranzuziehen.
Die griechische Erdbebenschutzbehörde hat zudem mitgeteilt, dass ein Beben der Stärke 6 oder höher nicht ausgeschlossen werden könne. Bei Erschütterungen dieser Stärke seien Gebäudeschäden wahrscheinlich. Aus Angst haben bereits etwa 11.000 der insgesamt 16.000 Bewohner Santorinis die Insel verlassen. Viele der Verbliebenen möchten ihre Habseligkeiten schützen, da sie Plünderungen befürchten.
Update vom 6. Februar, 8.30 Uhr: Die Erde unter Griechenlands Ferieninseln bebt weiter unentwegt. Am Mittwochabend (5. Februar) und in der Nacht auf Donnerstag (6. Februar), ereigneten sich unter den Inseln der Kykladen zahlreiche Erdstöße. Der stärkste Erdstoß wurde gegen 19 Uhr nordöstlich von Santorini mit einer Stärke von 5,2 ermittelt. Nach Angaben des Geodynamischen Instituts von Athen das bislang stärkste Erdbeben seit Beginn des Phänomens vor mehreren Wochen.
Es sei auf allen Inseln der Kykladengruppe, auf Kreta sowie in den höheren Stockwerken der Gebäude in Athen rund 230 Kilometer nordwestlich von Santorini zu spüren gewesen. Schäden wurden aber nicht gemeldet, wie die Behörden berichteten. Das Nachrichtenportal ertnews berichtet allein am frühen Donnerstagmorgen von sechs Erdbeben der Stärke 4 und höher binnen einer halben Stunde.
Update vom 5. Februar, 8.35 Uhr: Ein Erdbeben der Stärke 5,5 auf der Richterskala als Höhepunkt, ohne schwere Schäden anzurichten, sei eines der günstigsten Szenarien, erklärt OASP-Präsident Efthimios Lekkas bei ertnews.gr. „In diesem Fall wird sich die Situation allmählich deeskalieren“, so Lekkas. Das Extremszenario sei ein Erdbeben der Stärke 6. „Wenn das passiert, werden wir auf jeden Fall einige Konsequenzen haben, deshalb wurden alle notwendigen operativen Maßnahmen getroffen“, sagte er.
Die sogenannte große Verwerfung von Amorgos, die 1956 das Erdbeben der Stärke 7,6 verursacht habe, sei nicht aktiviert. Doch in den letzten Tagen gab es im Seegebiet zwischen Santorin und der Insel Amorgos hunderte Erdbeben – auch mit einer Stärke von über 4 auf der Richterskala.
Update vom 4. Februar, 17.30 Uhr: Am Dienstagnachmittag haben viele Menschen in der griechischen Hauptstadt Athen ein Erdbeben gespürt. Es waren die Ausläufer eines der jüngsten Beben in der Region um die Ferieninsel Santorini – rund 230 Kilometer entfernt. Dort bebt die Erde derzeit fast im Zehn-Minuten-Takt. Das betreffende Beben erreicht mit Stärke 5 einen vorläufigen Höchstwert.
Experten gehen davon aus, dass die seismische Aktivität weiter zunimmt, bevor es – so die Hoffnung – zu einem mittelschweren Hauptbeben kommt, das die Lage schließlich entspannen könnte. Wann dies geschehen wird und wie stark das erwartete Hauptbeben letztlich ausfallen könnte, ist jedoch ungewiss. Bei der griechischen Erdbebenbehörde heißt es, die Situation könne sogar noch wochenlang anhalten.
Update vom 4. Februar, 11.17 Uhr: Gianluca Chimenti berichtet IPPEN.MEDIA: „Die Menschen verlassen die Insel mit ihren Familien, weil sie Angst haben.“ Er besitzt auf Santorini eine Bar und betreibt ein Reisebüro. Trotz der anhaltenden Erdbeben behält er selbst die Ruhe und hebt hervor, dass bisher keine Schäden an Gebäuden oder Straßen zu verzeichnen sind.
Experten überwachen die Lage genau. Die beruhigendste Nachricht derzeit ist, dass die Erschütterungen offenbar durch Plattenbewegungen und nicht durch den Vulkan unter der Insel verursacht werden. Dennoch bleibt ungewiss, wie sich die Situation entwickeln wird.
Der Vulkanologe David Pyle von der Universität Oxford erklärt bei Live Science: „Das Problem bei diesem Ereignis ist, dass wir gerade ein Erdbeben nach dem anderen erlebt haben.“ Er fügt hinzu: „Alles findet unter Wasser statt und deshalb ist es wirklich schwer vorherzusagen, was als Nächstes passieren wird.“
Update vom 4. Februar, 10.49 Uhr: Der Präsident der Vereinigung der Passagierschifffahrtsunternehmen teilte dem Sender ERT mit, dass seit Sonntag (2. Februar), etwa 6000 Menschen die Insel per Fähre verlassen haben. Der Verkehr in Richtung Hafen hat sich demnach inzwischen etwas beruhigt. Die Fluggesellschaft Aegan berichtet von 2500 bis 2700 Passagieren, die am Montag und Dienstag nach Athen geflogen wurden oder noch fliegen werden.
Es besteht jedoch weiterhin die Befürchtung, dass die Straße den Erschütterungen nicht standhalten könnte. Schon seit Langem stehen am Straßenrand Schilder, die darauf hinweisen, dass die Weiterfahrt auf eigene Gefahr erfolgt. Laut Kathimerini wurden die Felssturz-Schutzgitter zwar im vergangenen Jahr gewartet, doch die Erschütterungen sind stark.
In den letzten Tagen wurden insgesamt 550 Erdbeben mit einer Stärke von über 3 auf der Richterskala registriert. Das stärkste Beben erreichte sogar eine Magnitude von 4,9. Die Earthquake Planning & Protection Organization (OASP) schätzt, dass die seismische Aktivität „mehrere Tage“ andauern wird, möglicherweise sogar „Wochen“.
Positiv ist, dass sich der Erdbebenherd offenbar von der Insel Santorini entfernt. Je weiter er sich entfernt, desto geringer wären die Auswirkungen eines schweren Bebens, ähnlich wie bei der Katastrophe vor 70 Jahren. Experten gehen derzeit davon aus, dass ein stärkeres Beben zwar möglich ist, die Magnitude von 6 jedoch nicht überschreiten dürfte.
Erstmeldung vom 4. Februar, 10.08 Uhr: Santorini – Seit dem 28. Januar erschüttern leichte, aber regelmäßige Erdbeben die Region um Santorini. Eine Grafik des Europäisch-Mediterranen Seismologischen Zentrums verdeutlicht dies. Der Bereich nordöstlich der griechischen Ferieninsel ist unter der Vielzahl bunter Punkte, die die Beben markieren, kaum noch erkennbar. Über 200 Erdbeben wurden unter Wasser registriert.
The region of #Santorini #Greece has been experiencing significant seismic activity over the past few days, here is the time history. pic.twitter.com/a0FlEkWWbJ
— EMSC (@LastQuake) February 3, 2025
Erdbeben-Nagst auf Santorini: Stau zum Hafen – Fähren und Flüge überfüllt
Die Sorge wächst, dass nicht alle Griechenland-Urlauber und Einheimische die Insel rechtzeitig verlassen können, bevor ein möglicherweise stärkeres Beben eintritt. Laut Berichten griechischer Medien bildeten sich bereits am 3. Februar erste Staus in Richtung Hafen. Die Fähren, die die Insel verlassen, sind voll besetzt. Viele Menschen fliehen bereits, da sie befürchten, Erdrutsche könnten die Zufahrtsstraßen zum Hafen blockieren. Erste Erdrutsche haben sich bereits ereignet.
550 Erdbeben, flüchtende Urlauber und Angst vor dem Hauptbeben – dramatische Bilder aus Santorini




Ein Einwohner von Santorini berichtet dem polnischen Portal TVN24: „Wir haben drei Tage lang nach Fähr- oder Flugtickets gesucht, aber keine gefunden.“ Zwar gibt es inzwischen mehr Flugverbindungen, doch die Preise sind hoch. Ein Ticket kostet bis zu 350 Euro pro Person.
Santorini arbeitet an Notfallplan wegen Erdbeben: Was, wenn Hafen abgeschnitten wird?
Santorinis Bürgermeister, Nikos Zorzos, erläutert in einem Gespräch mit Kathimerini, dass derzeit ein alternativer Evakuierungsplan entwickelt wird, falls der Hafen von Athinios aus irgendeinem Grund abgeschnitten wird. In diesem Fall sollen die Menschen zu den Stränden an der Ostseite von Santorini geleitet werden. Auch auf mehreren benachbarten Inseln in der Ägäis wurden Vorsichtsmaßnahmen für ein möglicherweise schweres Erdbeben getroffen. (moe)
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