- VonNatascha Heidenreichschließen
Der Wintereinbruch in Hessen kam für manche überraschend. Die Polizei erinnert daran, dass der Notruf nur für echte Notfälle gedacht ist.
Wiesbaden - Es ist ein Albtraum im Albtraum: Jemand ist in einer gefährlichen Situation, zückt das Handy und wählt die 110. Und dann - nichts. So ging es am gestrigen Montag, 27. November, vielen Anrufern, denn die Leitungen der Notrufzentrale waren allesamt besetzt. Nun wendet sich die Polizei Westhessen auf Instagram mit einer wichtigen Mitteilung an die Bevölkerung: „Der Notruf ist keine Hotline!“
Sollte eigentlich klar sein, war es aber offenbar am Montag (27. November) vielen Menschen nicht. „Es erreichten uns Fragen wie ‚Warum ist die Straße gesperrt?‘, ‚Können Sie mich nicht nach Hause fahren?‘, ‚Warum dauert es so lange, bis mein Unfall aufgenommen wird?‘ und ‚Warum haben Sie die Straße nicht vorher gestreut?‘, um nur einige zu nennen“, schreibt die Polizei Westhessen weiter in ihrem Post.
Wintereinbruch in Hessen: Leute wählen Notruf, um zu erfahren, warum Straße nicht gestreut war
Zwischen 17.30 und 23.30 Uhr führten die Polizisten in der Leitstelle 1000 Telefonate. Darunter eben auch die mit den Anrufern, die sich nur erkundigen wollten, warum denn die Straße nicht gestreut wäre. Eine Frage, die die Polizei nicht beantworten kann. Schließlich sind die Beamtinnen und Beamten dafür nicht zuständig.
Das Fatale daran: Deswegen kamen Anruferinnen und Anrufer, die sich in wirklichen Notsituationen befunden hätten, teilweise nicht durch. Die Polizei Westhessen versucht in ihrem Post den Menschen mit Verständnis zu begegnen: „Gestern hat uns das plötzliche Schneechaos alle überrascht. (...) Wir verstehen, dass das Wetter für viele Fragen aufgeworfen hat, aber leider wurden unsere Notrufleitungen durch wirklich ,unnötige‘ Anfragen blockiert.“
Welche Nummer, bei welchem Notfall:
- 110 - Notruf bei der Polizei
Unbedingt anrufen, wenn man sich in einer Notsituation befindet.
- 112 - Notruf für Rettungsdienst und Feuerwehr
Unbedingt anrufen bei Unfällen oder Bränden. Unter dieser Nummer erreicht man europaweit eine Notrufzentrale.
- 116 117 - Anruf beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst
Dort kann immer dann angerufen werden, wenn man außerhalb der Sprechzeiten ärztliche Hilfe benötigt. Die Nummer gilt bundesweit. Man wird an den nächsten zuständigen Bereitschaftsdienst weitergeleitet.
- 116 111 - Die Nummer gegen Kummer
Hier kann jeder anrufen, der Sorgen hat und sich beraten lassen möchte. Das Angebot gilt für Kinder, Jugendliche und Eltern in ganz Deutschland.
Wintereinbruch hält Hessen weiter im Griff
Der Wintereinbruch hat in Hessen am Montag und Dienstag zu Unfällen und Gefahren auf den Straßen geführt. Besonders angespannt bleibt die Situation im westlichen Rhein-Main-Gebiet. Der Deutsche Wetterdienst sagt weiterhin winterliches Wetter voraus. Bäume sind umgefallen, es kam zu Unfällen. Aber nicht nur auf den Straßen und den Schienen hat das winterliche Wetter für Chaos gesorgt. Auch der Flugverkehr am Flughafen Frankfurt war gestört.
Nur ab wann ist es denn angemessen einen Notruf abzusetzen?
Polizei klärt auf: Wann man die 110 wählen soll und wann die 112 der richtige Notruf ist
Die Polizei Westhessen erklärt es in ihrem Post auf Instagram noch einmal ganz genau: „Der Notruf ist für lebensbedrohliche Situationen und akute Gefahren gedacht. Um schnelle Hilfe leisten zu können, müssen wir die Leitungen freihalten. Daher möchten wir euch darum bitten, den Notruf nur für wirkliche Notfälle zu nutzen.“ Es ist natürlich nicht einfach eine Regel zu formulieren, wann denn die Grenze zur „lebensbedrohlichen Situation“ überschritten ist. Auch eine „akute Gefahr“ klingt doch sehr abstrakt.
Eine gute Faustregel wäre vielleicht, sich selbst zu fragen, ob man sich in einer Situation befindet, in der man die Hilfe der Polizei benötigt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn man einer Straftat ausgesetzt ist, oder Zeuge einer Straftat wird. Wer sich in einer unsicheren Lage befindet, oder sich bedroht fühlt, sollte nicht zögern die 110 zu wählen, aber wer sich fragt, ob die Polizei ihn oder sie nach Hause fahren kann, ohne in Gefahr zu sein, der sollte den Notruf nicht wählen.
Die Polizei Westhessen fasst es noch einmal so zusammen: „Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, unsere Ressourcen optimal zu nutzen und sicherstellen, dass diejenigen, die dringend Hilfe benötigen, schnellstmöglich Unterstützung erhalten können. Danke für euer Verständnis und eure Kooperation!“ (nhf)
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