Der Stadtstaat Singapur beheimatet eine Bevölkerung von 5,5 Millionen Einwohnern und seine Bürger gehören zu den wohlhabendsten der Welt.
Singapur – Die ehemalige britische Kolonie hat es in verblüffend kurzer Zeit geschafft, zu einem der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt zu werden. Immer wieder ist der Stadtstaat in den weltweiten Ranglisten zu Bildung, Sicherheit und Lebensqualität ganz oben zu finden.
Singapur: Geographie und wichtige Daten
Der Stadtstaat Singapur liegt im Süden der Malaiischen Halbinsel und besteht aus einer Hauptinsel und 61 kleineren, vorgelagerten Inseln. Es handelt sich hierbei um den südlichsten Ausläufer des asiatischen Festlandes. Weiter südlich gibt es lediglich noch weitere asiatische Inselstaaten.
In Singapur leben auf einer Fläche von 730km² 5,5 Millionen Einwohner. Die Bevölkerung wächst allerdings momentan nicht, sondern nimmt sogar leicht ab. Vergleichbar ist die Fläche mit der, des Wüstenstaats Bahrain. Dort leben allerdings nur etwa 30% der Anzahl der Einwohner Singapurs.
Das Land ist hoch entwickelt und einer der spannendsten Orte auf der Welt für Unternehmen, da Singapur eine sehr deregulierte, liberale Wirtschaft hat, sowie eine sehr unternehmerfreundliche Steuerpolitik betreibt. Ebenso schneidet das Land in allen Indexen, die sich mit Lebensqualität, Gesundheit oder Sicherheit beschäftigen, regelmäßig weit oben ab. Das alles ist nicht selbstverständlich, da die Geschichte Singapurs untrennbar mit dem britischen Kolonialismus zusammenhängt und die Unabhängigkeit noch nicht sehr lange besteht. Die Politik des Staates wird international nicht als Demokratie wahrgenommen, da die Wahlen meist ausfallen, weil nur ein Kandidat zur Wahl zugelassen wird.
Singapur: Entstehung der Kolonie
Der Gründungsmythos von Singapur besagt, dass der Prinz des Srivijaya Reiches aus Sumatra bei einem Jagdausflug im 13. Jahrhundert in der Region des heutigen Singapur einen Löwen gesichtet haben soll. Daraufhin gründete er an gleicher Stelle die Stadt Singapura, was mit ‚Löwenstadt‘ übersetzt werden kann. Diese Geschichte wird zwar von Historikern bezweifelt, sicher ist jedoch die Gründung der Stadt in diesem Zeitraum. Die Siedlung, die zuerst nur ein Außenposten des Reiches war, wuchs wegen seiner guten strategischen Lage allerdings sehr schnell, sodass Singapura schnell zu einem internationalen Knotenpunkt des Handels werden konnte.
Die umliegenden Reiche wurden jedoch im 14. Jahrhundert zu mächtig und beanspruchten die Stadt für sich. Das Königreich Siam im Norden und Majapahit aus dem Süden. Gegen diese Übermacht konnte sich die Stadt nicht zur Wehr setzen und das Srivijaya Reich verlor 1398 die Kontrolle über die Region. König Parameswara floh nach Malakka und gründete dort das gleichnamige Sultanat, nur um kurze Zeit später seinen Einfluss wieder bis Singapur auszudehnen. Durch die Ankunft der Portugiesen, zog der König sich nach Johor zurück, der heutigen malaiischen Grenzstadt zu Singapur, behielt aber zunächst die Kontrolle über Singapur. Im Jahr 1613 schließlich zerstörten die Portugiesen die Siedlung in Singapur restlos, woraufhin der Region 200 Jahre lang keine Beachtung geschenkt wurde.
Auf einer britischen Expedition im Jahr 1819 im Zuge der Politik der Kolonialisierung stieß der Vizegouverneur der Kolonie Bencoolen Stamford Raffles auf die Insel Singapur. Raffles war auf der Suche nach potenziellen neuen Standorten für einen britischen Hafen, um den Einfluss in der Region zu stärken. Sehr schnell erkannte Raffles, dass die infrastrukturellen Voraussetzungen in Singapur sehr gut waren, da es Trinkwasser, Holz und Schutz gab. Bereits nach einem Monat konnte ein Vertrag mit dem Sultan von Johor geschlossen werde, der einen Teil der Insel bereitwillig an das Vereinigte Königreich abgab, da zum Zeitpunkt des Eintreffens der Briten lediglich etwa 1000 Menschen auf der Insel lebten. Nach und nach kauften die Briten dem Sultan immer größere Teile des heutigen Singapur ab. Ab dem Jahr 1824 trat der Sultan das gesamte Gebiet dauerhaft an die Briten ab und die Kolonie war geboren.
Singapur: Kolonialzeit und Unabhängigkeit
Zu Beginn der Kolonialzeit der Briten kamen sehr viele Gastarbeiter aus China und Indien, um während der Anfangszeit des modernen Singapur und mit den großen Investitionen der Briten Geld zu verdienen. Während einige von ihnen wieder in die Heimat zurückkehrten, blieben vor allem viele Chinesen in Singapur. Dessen Nachfahren bilden heute einen großen Teil der Bevölkerung.
Der Aufstieg Singapurs war von Beginn an schnell und zielstrebig. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts geschahen mehrere Meilensteine der Geschichte, die dem wirtschaftlichen Aufschwung Singapurs zugutekamen. Einerseits öffnete China seinen Markt für stärkere Exporte, andererseits gab es technische Innovationen, wie die Entwicklung von Dampfschiffen, die die Weltmeere schneller und mit mehr Gütern überqueren konnten. Zu guter Letzt wurde im Jahr 1869 der Sueskanal geöffnet, was den Seehandel zwischen Südasien und Europa extrem zum positiven beeinflusste. Auch in der Politik entwickelte man sich in dieser Zeit weiter, da es ob des extremen Wachstums großen Nachholbedarf bei den kolonialen Verwaltungsstrukturen gab. So machte man Singapur und die Straits Settlements zur Kronkolonie und setzte einen neuen Gouverneur ein.
Obgleich der Erste Weltkrieg keine direkten Auswirkungen auf Singapur hatte, errichtete man doch in seiner Folge einen riesigen Marinestützpunkt, um Japan in der Zukunft abzuschrecken. Dieser erwies sich allerdings als wirkungslos, da dort keinerlei Flotte stationiert war, als die Japaner ab Ende 1941 auf Singapur vorrückten. In nur 55 Tagen konnten die Japaner die gesamte malaiische Halbinsel inklusive Singapur einnehmen und die Stadt von 1942 bis 1945 besetzen, was als die schlimmste Periode in der Geschichte Singapurs gilt.
Die Unfähigkeit der Briten Singapur zu verteidigen mündete im Vertrauensverlust als die Briten nach dem Krieg in die Stadt zurückkehrten. Der Druck auf die Kolonialherren wurde so groß, dass Singapur zunächst den Status als selbst regierte Kronkolonie zusprach und später dann deren Zusammenschluss mit Malaysia und den die damit verbundene Unabhängigkeit akzeptierte. Nach zwei Jahren in der Föderation mit Malaysia trennten sich die Wege wegen innerpolitischen Spaltungen und Singapur wurde am 09. August 1965 letztlich zu einem souveränen, unabhängigen Staat.
Singapur: Politik und Wirtschaft
Seit dem Ende der Geschichte der Kolonialzeit regiert die ‚People’s Action Party‘. Es werden von der Partei alle Schritte unternommen, um eine Beteiligung einer anderen Partei auszuschließen. Die Politik Singapurs wird deshalb oft als Einparteienstaat beschrieben, der dem Autoritarismus ähnelt. Die angesetzten Wahlen sind mehr Schein als Sein und es kann de-facto nie ein anderer Kandidat als der PAP von der Bevölkerung gewählt werden.
Trotz dieser Regierungsform hat Singapur es wirtschaftlich durch eine deregulierte, liberale Wirtschaftspolitik zum Land mit dem höchsten Pro-Kopf Bruttoinlandsprodukt in ganz Asien gebracht. Jeder Einwohner Singapurs trug 2020 knapp 60.000$ zur Wirtschaftsleistung des Landes bei.
Singapur: Tourismus und Sehenswürdigkeiten
Im Jahr 2018 besuchten mehr als 18 Millionen Touristen Singapur, was es zur am fünft meisten besuchten Stadt der Welt und zur zweitmeisten besuchten Stadt Asiens macht. Gründe dafür, sind die leichte Erreichbarkeit über den modernen Flughafen Singapur Changi, sowie die leichte Verständigung für Touristen vor Ort, da Englisch bis heute Amtssprache ist. Auch die Politik fördert den Ausbau der Angebote für Touristen, da Tourismus eine große Einnahmequelle der Stadt ist. Einige besondere Sehenswürdigkeiten sind:
- Das Raffles Hotel: Benannt nach dem Begründer des modernen Singapur ist dieses im Jahr 1887 eröffnete Hotel ebenfalls die Geburtsstätte des Singapur Sling
- National Museum of Singapore: Hier bekommt man einen Überblick über die Geschichte Singapurs und kann Kunsthandwerk der Bevölkerung bewundern
- Gardens by the Bay: Dieses monumentale Parkgelände wurde auf künstlich geschaffenem Land errichtet und beherbergt Gewächshäuser, die verschiedene Klimazonen nachbilden und künstliche Supertrees, die bis zu 50 Meter hoch sind.
- Pulau Ubin: Wer dem Stress der Stadt entfliehen will, tut es der Bevölkerung gleich und begibt sich auf die naturbelassene, vorgelagerte Insel Pulau Ubin um einen schönen Ausflugstag zu genießen.