Die „sauberste Stadt“ der Welt

Singapur: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Singapur mit dem Wahrzeichen, dem Merlion (zusammengesetzt aus englisch mermaid, Meerjungfrau, und lion, Löwe).

Singapur ist ein asiatischer Insel- und Stadtstaat, der sich südlich vor Malaysia befindet. Das Land war einst britische Kronkolonie und ist heute noch Mitglied im Commonwealth of Nations. Die Republik zu den am höchsten entwickelten Ländern der Welt. 

  • Singapur gilt als sauberste Stadt Asiens.
  • Das Land ist ein wichtiger Finanz- und Versandknotenpunkt im asiatischen Raum.
  • Strenge Gesetze mit horrenden Strafen bestimmen das Zusammenleben der Kulturen.

Singapur – Mit einer Fläche von 728,6 Quadratkilometern gilt Singapur als der kleinste Staat Südostasiens und besitzt mit einer Einwohnerzahl von etwa 5,6 Millionen Menschen eine hohe Bevölkerungsdichte. Übersetzt bedeutet der Name Singapur „Löwenstadt“. Aufgrund seiner raschen wirtschaftlichen Entwicklung von einem Schwellenland zum Industriestaat zählt Singapur (neben Hongkong, Südkorea und Taiwan) zu den vier Tigerstaaten Asiens.

Singarpu: Frühgeschichte und britische Kolonie

Bereits im 3. Jahrhundert wurde Singapur, das ursprünglich den javanischen Namen Temasek trug, in chinesischen Schriften erwähnt. Die Insel wurde bereits von dem auf Sumatra ansässigen Srivijayareich als wichtiger Außen- und Handelsposten genutzt. Doch erst im 19. Jahrhundert gewann der Inselstaat wieder an Bedeutung, als Thomas Stamford Raffles von der Britischen Ostindien-Kompanie 1819 hier die erste britische Niederlassung gründete. Die Insel war damals nur von einigen malaiischen Fischerfamilien bewohnt und diente auch als Unterschlupf für Piraten.

In den Folgejahrzehnten wurde die gesamte Insel von der Handelsgesellschaft vereinnahmt und 1867 zur britischen Kronkolonie erklärt. Aufgrund der günstigen geografischen Lage zwischen China und Europa entwickelte sich Singapur zu einem bedeutenden Umschlaghafen. Die Einwohnerzahl nahm stetig zu. Bereits im Jahr 1881 lebten und arbeiteten hier weit über 170.000 Menschen.

Singapur: Der Weg in die Unabhängigkeit

Im Zweiten Weltkrieg wurde Singapur von japanischen Truppen umzingelt und eingenommen. Erst nach der Kapitulation Japans im Jahr 1945 fiel der Staatstaat wieder in britische Hände. Zwei Jahre später wurde das aktive und passive Wahlrecht für Frauen eingeführt. 1959 erhielt Singapur als selbstregierte Kronkolonie mehr Autonomie. 1962 bildete Singapur eine Föderation mit Malaya, Sabah und Sarawak und machte sich somit vom Vereinigten Königreich unabhängig.

Allerdings führten die Konflikte im Land zwischen chinesischen und nicht-chinesischen Einwohnern schließlich zum Ausschluss aus der Föderation. Am 9. August 1965 wurde die Unabhängigkeit Singapurs von Malaysia anerkannt. Dadurch wurde auch endgültig das aktive und passive Frauenwahlrecht bestätigt.

Singapur: Vom Schwellenland zum Tigerstaat

Nach errungener Unabhängigkeit hatte der Staat dennoch mit zahlreichen Herausforderungen wie Massenarbeitslosigkeit, Wohnungsmangel, aber auch Rohstoffknappheit zu kämpfen. Unter der Führung von Premierminister Lee Kuan Yew wuchs die Wirtschaft ab 1966 rapide an. Bis 1990 konnte sich die Republik vom Schwellenland zu einer führenden Industrienation entwickeln. In dieser Zeit betrug das Wirtschaftswachstum jährlich 8,5 Prozent. Auch das Banken- und Finanzwesen wurde ausgebaut.

Lee Kuan Yew wurde nach über 30-jährige Amtszeit erst 1990 von Goh Chok Tong abgelöst. Unter Gohs Führungsstil schritt die Modernisierung stetig voran. Jedoch erhielt die Wirtschaft bei der Südostasienkrise 1997 sowie durch Ausbruch von SARS im Jahr 2003 wirtschaftliche Dämpfer. Auch die islamistische Terrororganisation Jemaah Islamiyah bereitete dem Staat immer wieder Probleme. 2004 wurde Lee Hsien Loong neuer Regierungschef – er ist der Sohn von Lee Kuan Yew.

Singapur: Das politische System

Singapur ist eine parlamentarische Republik. Der Präsident ist das Staatsoberhaupt und wird alle sechs Jahre direkt vom Volk gewählt. Er ist außerdem mit Vetorechten in wichtigen Bereichen ausgestattet und ernennt die obersten Richter. Allerdings kam es seit 1993 immer wieder zu Ausfall von Wahlen, da die Kandidaten von der Wahlkommission entweder nicht akzeptiert worden waren oder sogar ein Mangel an Kandidaten vorherrschte.

Der Regierungschef ist der Premierminister, der auch das Kabinett leitet, das die Exekutive bildet. Die Legislative liegt beim Parlament. Trotz seiner Fortschrittlichkeit ist, wird die Politik des Landes seit 1965 von der PAP (People’s Action Party) bestimmt. Da diese Partei oft hart gegen die Oppositionsparteien vorgeht, wird Singapur von Kritikern auch immer wieder als Einparteienstaat eingestuft, der eher zum Autoritarismus als zur Demokratie neigt. De facto existiert auch keine Pressefreiheit. Auch die Medien unterliegen einer strengen staatlichen Zensur.

Singapur: Fakten im Überblick

  • Hauptstadt: Singapur
  • Amtssprache: Englisch, Malaiisch, Chinesisch und Tamil
  • Fläche: 728,6 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 5.685.600 (Stand 2020)
  • Währung: Singapur-Dollar (SGD)
  • Verwaltungsgliederung: 17 Town Councils in 5 Distrikten
  • Religion: Buddhismus (33 %), Christentum (19 %), Islam (14 %), Daoismus (10 %), Hinduismus (5 %), keine Religion (18,5 %)

Singapur: Sprachen und Bevölkerung

Als international agierender Handelsstaat hat Singapur auch ebenso viele Staatsbürger und Einwohner mit dauerhafter Arbeitserlaubnis (auch Permanent Residents genannt) zu verzeichnen, die unterschiedlichen ethnischen Gruppen angehören. Dabei stellen die Chinesen mit 76,8 Prozent die Mehrheit, gefolgt von den Malaien (mit 13,8 Prozent) und den Indern (mit 7,9 Prozent). Etwa 1,4 Prozent entfallen auf weitere ethnische Gruppen. Allerdings befinden sich rund 1,2 Millionen Arbeitsmigranten und Ausländer in Singapur, die ethnisch nicht zugeordnet werden.

Zu den vier Amtssprachen des Landes zählen Chinesisch, Malaiisch, Tamil und Englisch. Letzteres wird vor allem im Geschäftsleben und als Verkehrssprache benutzt. Auch an Schulen ist Englisch die Unterrichtssprache. Daneben existiert aber auch noch eine Reihe an südchinesischen Dialekten. Am häufigsten wird allerdings Englisch bzw. Singlisch (eine in Singapur englisch-basierte Kreolsprache) gesprochen. Der Sprecheranteil in der Bevölkerung beträgt 37 Prozent. Hochchinesisch wird von 35 Prozent gesprochen. Auf die chinesischen Dialekte fallen noch 12 Prozent und auf das Malaiische 11 Prozent. Tamil wird gerade mal von drei Prozent der Einwohner gesprochen.

Singapur: Geografie und Regionen

Singapur ist ein Inselstaat und liegt im Süden der Malaiischen Halbinsel, mit der es über Dämme verbunden ist – der Johor-Singapore Causeway bildet die Verbindungsstraße zum malaysischen Festland. Die Hauptinsel selbst besitzt eine Ost-West-Ausdehnung von über 42 Kilometern. Die Nord-Süd-Achse beträgt 23 Kilometer. Hinzu kommen noch drei größere und 58 kleinere Inseln. Davon sind etwa 20 Inseln bewohnt. Der Inselstaat mit der höchsten Bevölkerungsdichte weltweit wächst aber auch flächenmäßig weiter an. Durch Aufschüttungen im Meer wird das Staatsgebiet erweitert und soll bis 2030 auf eine Größe von etwa 800 Quadratkilometern anwachsen.

Die atemberaubende Skyline Singapurs lässt heute nichts mehr vom ursprünglichen Sumpfland erahnen. Der Staat liegt an der Straße von Malakka, die als die meist befahrene Meerenge der Welt liegt, wodurch Singapur auch den zweitgrößten Umschlaghafen der Welt besitzt. Das tropisch-feuchte Klima sorgt außerdem dafür, dass es hier über das ganze Jahr immer etwas mehr als 28 Grad Celsius hat. In den Herbst-Winter-Monaten kann die Temperatur auch schon mal leicht darunter liegen.

Die Regionen Singapurs im Überblick (Stand 2017)

  • 1 Central Region: 930.600 Einwohner, größter Teilort: Bukit Merah
  • 2 East Region: 690.510 Einwohner, größter Teilort: Bedok
  • 3 North Region: 543.360 Einwohner, größter Teilort: Woodlands
  • 4 North-East Region: 889.300 Einwohner, größter Teilort: Hougang
  • 5 West Region: 911.760 Einwohner, größter Teilort: Jurong West
  • Singapur (Gesamt): 3.965.530 Einwohner, größter Teilort: Bedok

Singapur: Wissenswertes zum Land

Singapur hat inzwischen den Ruf, die sauberste Stadt der Welt zu sein. Ausschlaggebend sind auch kaum nachvollziehbare Gesetze und horrende Strafen für vergleichsweise geringe Vergehen, die zwar zur Abschreckung dienen, aber das Image der „fine city“ aufrechterhalten. So wurde bereits das unachtsame Wegwerfen von Müll, Zigaretten und sogar von Kaugummis strengstens untersagt. Allein der Verkauf von Kaugummis war von 1992 bis 2004 verboten. Der Konsum ist auch heute nur mit medizinischem Nachweis erlaubt.

Vandalismus und Graffiti können Haft- und Körperstrafen nach sich ziehen. In sämtlichen öffentlichen Bereich herrscht striktes Rauchverbot. Aber auch bestimmte sexuelle Praktiken werden von der Regierung als illegal angesehen – vor allem jede Form von Homosexualität. Auf Drogenhandel steht sogar noch die Todesstrafe. Um die demografische Situation zu verbessern, wurden in den letzten Jahren einige Gesetze etwas entschärft. Unter anderem wurde Bungeespringen erlaubt. Auch hinsichtlich der Sexualität öffnet sich der Stadtstaat allmählich. Im Oktober 2007 wurde Oral- und Analverkehrt für heterosexuelle Personen ab 16 Jahren legalisiert. Und sogar in Singapur hat sich mittlerweile eine kleine LGBTQIA+-Szene etabliert.

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