VonMartina Lipplschließen
In Italien ist nach dem Dengue- auch das Chikungunya-Virus angekommen. Übertragen wird es durch Tigermücken. Nun ist Triest betroffen.
Triest – Es ist der erste Fall in Triest und damit in Italien bereits der fünfte Chikungunya-Virus-Fall. Um weitere Infektionen mit dem exotischen Krankheitserreger zu stoppen, ordnete der Bürgermeister von Triest die Desinfektion von einem gesamten Bezirk in der Stadt an. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet, wird mit der sogenannten Verwesung insbesondere um die Sportstadien Grezar und Rocco begonnen. Ziel ist es, Brutstätten von Tigermücken zu beseitigen.
Chikungunya-Virus: Asiatische Tigermücken übertragen Erreger
Das Chikungunya-Virus (CHIKV) löst Fieber und starke Gelenkbeschwerden aus. Nur Stiche der Asiatischen Tigermücke (Gattung Aedes) übertragen das Virus, wie auch das Dengue-Virus, West-Nil-Virus und 20 andere potenziell gefährliche Krankheitserreger.
Die Stechmücke, mit ihren markanten weißen Streifen, sorgt in Italien und ganz Europa für Alarmbereitschaft. „Unter den Stechmücken rangiert die Asiatische Tigermücke auf Nummer 1 der Liste der invasiven Arten“, so das Umweltbundesamt in Deutschland. Mit der zunehmenden Verbreitung in Europa steige auch die Gesundheitsgefahr.
| Asiatische Tigermücke | |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Aedes albopictus |
| Familie | Stechmücken (Culicidae) |
| Lebensraum | tropische, subtropische und gemäßigte Gebiete |
| übertragene Krankheiten | Zika, Chikungunya, Dengue-Fieber |
Asiatische Tigermücken verbreiten exotische Tropenkrankheit in Italien
Erst im Sommer schreckten Dengue-Fälle am Gardasee nicht nur Urlauber auf. Das Auswärtige Amt aktualisierte seine Reisehinweise zu Italien und weist jüngst ausdrücklich auf die Gefahr hin. Genauso wie schon zuvor auf das Chikungunya-Fieber, und das West-Nil-Fieber.
Der Sommer in Italien war jedoch dieses Jahr besonders heiß. Bis in den Oktober war das Wetter ungewöhnlich warm. Beste Bedingungen für die tagaktive Tigermücke. Von regelrechten Mückenplagen in bestimmten Regionen berichten lokale Medien. Sie soll mit für die Infektionszahlen verantwortlich sein.
Fünf Fälle in Italien: Erster Fall einer Chikungunya-Infektion in Triest
Italien überwacht Chikungunya-Virusinfektionen ganz genau. Im Jahr 2007 war es in der Region Emilia Romagna (hauptsächlich in den Gebieten Ravenna und Cesena) zu einem Chikungunya-Fieber-Ausbruch mit 214 Fällen gekommen, wie die italienische Gesundheitsbehörde Instituto Superiore di Santi Sanità (ISS) mitteilt.
Laut den ISS-Daten wurden 2023 die ersten drei Chikungunya-Fälle in Venetien festgestellt. Danach einer in der Toskana (Provinz Arezzo). Im Oktober tritt der fünfte Fall des Chikungunya-Virus in Triest auf. Alle importiert, wie das italienische Newsportal triesteallnews.it berichtet. Die Patienten haben sich bei Reisen im Ausland angesteckt und das Virus in ihrem Blut mitgebracht.
Chikungunya-Virus verursacht plötzlich hohes Fieber und Gelenkschmerzen
Das Chikungunya-Fieber ist eigentlich in Asien, Afrika und Lateinamerika verbreitet. Erstmals wurde die Krankheit 1952 in Tansania beschrieben, woher auch der Name stammt. Chikungunya bedeutet auf Swahili „das, was sich beugt“ oder „sich windet“, was das Erscheinungsbild der Patientinnen und Patienten beschreibt, die oft an quälenden Gelenkschmerzen leiden.
Nach dem aktuellen Bericht der Europäischen Seuchenbehörde ECDC sind 2023 in Europa bis Ende August keine Chikungunya-Virus-Fälle ohne Reiseaktivität verzeichnet. Allerdings warnt die ECDC vor einem Risiko von „lokalen Übertragungserreignissen“ von Chikungunya- und Dengue-Viren in Regionen, in denen sich die Tigermücke verbreitet.
Chikungunya-Virus: Das sind die typischen Symptome einer Infektion
Chikungunya tritt nach einer Inkubationszeit von zwei bis zwölf Tagen auf. Plötzliches Fieber und starke Gelenkschmerzen sind laut ISS die typischen Symptome. Die „Gelenkschmerzen sind oft kräftezehrend und dauern in der Regel einige Tage, können aber auch einige Wochen anhalten“, heißt es auf der ISS-Webseite. Weitere Symptome sind Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Hautausschlag. „In den meisten Fällen erholen sich die Patienten vollständig, in manchen Fällen können die Gelenkschmerzen jedoch über Monate oder sogar Jahre anhalten.“ Komplikationen treten demnach überwiegend bei älteren Menschen und Neugeborenen auf.
- Chikungunya-Virus: Symptome einer Infektion
- Plötzlich hohes Fieber
- Starke Gelenkschmerzen
- Muskelschmerzen
- Müdigkeit
- Hautausschlag
- Blutergüsse
- Quelle: Istituto Superiore di Santi Sanità (ISS)
Gibt es einen Schutz vor Chikungunya?
Eine Impfung gegen das Virus gibt es nicht – noch nicht. Ein französisches Pharmaunternehmen arbeitet an einem Vakzin gegen das Virus. Erste Ergebnisse sollen vielversprechend sein. Eine spezielle Behandlung fehlt. Um sich vor dem Erreger zu schützen, empfehlen die Gesundheitsbehörden Mückenstiche zu vermeiden, zum Beispiel durch Insektenschutzmittel und Moskitonetze. (ml)
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