Tropische Krankheiten

Impfstoff gegen Chikungunya: Das steckt hinter der Tropenkrankheit

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Die Asiatische Tigermücke, ein bekannter Überträger unter anderem von Chikungunya- und Dengue-Viren, breitet sich in Europa weiter Richtung aus. Forschende haben einen Lebendimpfstoff gegen das Chikungunya-Virus entwickelt. (Symbolbild)
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Mit dem Klimawandel breiten sich Mücken, die gefährliche Erreger übertragen, immer mehr aus. Was hat es mit der Tropenkrankheit Chikungunya auf sich?

München – In Deutschland steigt die Gefahr gefährlicher Viruserkrankungen: Schuld daran sind Mücken. Besonders die Tigermücke ist als aggressive Stechmücke hierzulande auf dem Vormarsch. Das ist gefährlich, denn sie kann tropische Krankheiten wie zum Beispiel Chikungunya übertragen.

Die Krankheit, die insbesondere in tropischen und subtropischen Regionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas verbreitet ist, hat mittlerweile auch Deutschland erreicht. Medikamente und Impfstoffe gegen die Krankheit gibt es bisher nicht. Ein Impfstoff könne jedoch kurz vor der Zulassung stehen.

Asiatische Tigermücke
Wissenschaftlicher NameAedes albopictus
FamilieStechmücken (Culicidae)
Lebensraumtropische, subtropische und gemäßigte Gebiete
übertragene Krankheiten Zika, Chikungunya, Dengue-Fieber

Tigermücke in Deutschland: Klimawandel begünstigt Ausbreitung von Chikungunya

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC hatte bereits wegen der sich verändernden klimatischen Bedingungen vor einem steigenden Risiko für durch Mücken übertragene Krankheiten gewarnt. Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) breite sich in Europa weiter Richtung Norden und Westen aus, teilte die in Stockholm ansässige Behörde nun mit.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Grund für die wachsende Gefahr der Tropenkrankheiten ist der Klimawandel. Europa wird wärmer, Hitzewellen und Überschwemmungen werden häufiger und heftiger, Sommer länger und wärmer, wie das ECDC schrieb. Vor zehn Jahren sei die Asiatische Tigermücke in 8 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) nachgewiesen worden, jetzt seien es 13. Die Zahl der betroffenen Regionen hat sich demnach in dem Zeitraum fast verdreifacht.

Tropenkrankheit Chikungunya: Virus wird von Tigermücke und Gelbfiebermücke übertragen

Die Viruserkrankung Chikungunya wird durch das gleichnamige Virus ausgelöst, welches erstmals in den 1950er-Jahren in Tansania entdeckt wurde. Übertragen wird es durch Stechmücken wie der Tigermücke und der Gelbfiebermücke. Wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) berichtet, bedeutet der Name „Chikungunya“ so viel wie „der gekrümmt Gehende“ und ist als eine Anspielung auf die Symptome des Virus zu verstehen.

Laut Auswärtigem Amt beträgt die Inkubationszeit vom Stich der Mücke bis zu den ersten Krankheitszeichen in der Regel rund eine Woche. Folgende Symptome können dann auftreten:

  • Plötzlich starke Gelenkschmerzen an Händen und Füßen
  • Hohes Fieber
  • Hautausschlag
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Blutergüsse in der Haut

Die akute Phase dauere rund sieben bis zehn Tage, dabei könne es zu einem zweiten Fiebergipfel kommen. Todesfälle sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes selten. 

Die Genesung zieht sich jedoch häufig über Monate hin. In seltenen Fällen kann es auch über mehrere Jahre dauern. Betroffene leiden in dieser Zeit an hartnäckigen Gelenkschmerzen. In der Regel heilt Chikungunyafieber folgenlos aus und hinterlässt eine lebenslange Immunität. 

Impfstoff gegen Chikungunya: Pharmaunternehmen entwickelt Lebendimpfstoff

Das französische Pharmaunternehmen Valneva hat einen Lebendimpfstoff mit dem Namen VLA1553 gegen das Chikungunya-Virus entwickelt. Er soll eine geringe Menge des Virus in abgeschwächter, nicht krankmachender Form enthalten. Kommt das Immunsystem mit dem Erreger in Kontakt, stellt es entsprechende Antikörper her, die ihn bekämpfen.

Erste Daten zur Wirksamkeit des Chikungunya-Impfstoffes hat Valneva im Fachmagazin The Lancet präsentiert. An der Studie hatten 4115 Menschen teilgenommen. Bei 99 Prozent der Menschen, die VLA1553 injiziert bekamen, war 28 Tage später eine Immunreaktion nachweisbar. „Damit hat man noch nicht automatisch den Ausbruch der Krankheit verhindert“, merkt Kremsner an.

VLA1553 wäre der erste am Menschen erprobte Impfstoff gegen Chikungunya. Zulassungsanträge liegen nach Informationen des RND den Behörden in den USA, Kanada und der EU vor. Bis Ende August will die US-amerikanische Zulassungsbehörde über den Antrag entscheiden, heißt es von Valneva. (hg/dpa)

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