VonUlrike Hagenschließen
Im Fall der Gruppenvergewaltigung einer jungen Deutschen auf Mallorca gibt es eine überraschende Wende. Die mutmaßlichen Täter könnten glimpflich davon kommen.
Palma de Mallorca – Nach der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer 18-jährigen aus Hannover könnte den Beschuldigten eine geringere Haftstrafe als für eine Brandstiftung drohen. Vorangegangen war nach der Gruppenvergewaltigung auf Mallorca ein Verdächtiger bereits auf freien Fuß gesetzt worden. Nachdem die Anwältin einen Wechsel des zuständigen Ermittlungsrichters erwirkt hat, verbessern sich die Chancen der Beschuldigten.
Gruppenvergewaltigung auf Mallorca: Droht ihnen weniger Haft als Kegelbrüdern? Die Rechtslage
Zunächst hatten Medien berichtet, dass nach der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung auf Mallorca den Beschuldigten eine lange U-Haft droht. Nun die Wende: Eine Sprecherin der Justiz in Palma de Mallorca hatte nach Angaben der Deutschen Presseagentur (dpa) am Montag bestätigt, dass es zu einem Wechsel des Haftrichters gekommen sei. Der bisherige Richter Antoni Rotger wird als besonders streng und unnachgiebig angesehen. Die Anwältin Maria Barbancho, die mit ihrem Team auch die Freilassung der „Kegelbrüder“ im vergangenen Jahr erreicht hatte, hat nach eigenen Angaben den Wechsel des zuständigen Ermittlungsrichters erwirkt
Spanisches Strafrecht ahndet Vergewaltigung mit kürzerer Haft als Brandstiftung
Aufgrund des Richterwechsels verbessern sich die Chancen der Beschuldigten, auf Kaution und unter bestimmten Auflagen freigelassen zu werden. Sie könnten sogar mit einer geringeren Haftstrafe davon kommen als die dreizehn deutschen Urlauber, die im vergangenen Jahr als „Kegelbrüder“ bekannt gewordenen Brandstifter. Die Mitglieder eines Münsteraner Kegelclubs sollen im Mai 2022 fahrlässig oder mutwillig eine glühende Zigarettenkippe vom Hotelbalkon auf das Dach der Bar geworfen haben, worauf das als auch eine Wohnung, zwei Gaststätten und Teile eines Restaurants Feuer fingen.
Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung auf Mallorca – Tatverdächtigen drohen „nur“ sieben Jahre Haft
Der Hintergrund: Nach spanischen Recht werden Taten, die Menschenleben gefährden, am härtesten bestraft, wie die Bild-Zeitung berichtet. Mord kann danach eine Haftstrafe von 15 bis 25 Jahren nach sich ziehen, Brandstiftung wird mit fünf bis 20 Jahren Haft geahndet. Vergewaltigung wird vergleichsweise „mild“ bestraft –mit sieben bis 15 Jahren Haft.
Die scharfe Ahndung von Brandstiftung reicht in die 1980er und 1990er Jahren zurück. Damals legten Spekulanten Waldbrände, um geschützte Gebiete anschließend als Bauland zu erklären und das Gelände günstig zu erwerben. Die Brandstiftung für Spekulationen kostete auch viele Menschen das Leben, das Land reagierte mit harten Gesetzen. Dementsprechend droht den mutmaßlichen Sexualstraftätern für ihre Tat eine geringere Strafe als den „Kegelbrüdern“.
Nur ein Ja heißt ja: Spanien mit verschärftem Sexualstrafrecht
Zwar wurde auch das Sexualstrafrecht in Spanien im vergangenen Jahr deutlich verschärft, nachdem es landesweite Empörung über zu milde Urteile bei Gruppenvergewaltigungen gegeben hatte. Seit Oktober 2022 müssen betroffene Frauen nicht mehr nachweisen, dass sie sich gegen sexuelle Handlungen gewehrt haben oder sie ausdrücklich abgelehnt haben. Nach dem neuen Recht, dem „Solo sí es sí“-Gesetz („Nur-Ja-heißt-Ja-Gesetz“) ist nur ein ausdrückliches „Ja“ auch ein juristisch belastbares „Ja“.
Verdacht auf Gruppenvergewaltigung auf Mallorca – fünf deutsche Urlauber in U-Haft
Das dürfte nach den Berichten der Polizei im aktuellen Fall nicht zutreffen. Danach traf die 18-jährige aus Hannover in der Nacht zu Donnerstag einen deutschen Mann am Strand. Sie stimmte zu, mit ihm auf sein Zimmer zu gehen. Jedoch wurde ihr der Zugang zum Zimmer verweigert, da sie kein Gast im Hotel war. Daraufhin begaben sie sich in ein nahe gelegenes Hotel, wo auch fünf Freunde des Mannes untergebracht waren. Laut Berichten der spanischen Zeitung Última Hora kam es dort zunächst zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr mit dem Deutschen. Später betraten die fünf Freunde das Zimmer und es kam zu weiteren sexuellen Handlungen.
Vorwurf der Gruppenvergewaltigung: Junge Männer filmen die Tat – ein Verdächtiger aus Haft entlassen
Die jungen Männer aus Nordrhein-Westfalen sollen im Alter zwischen 21 und 23 Jahre alt sein und nach Polizeiangaben alle die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Von den Ereignissen soll es sogar Handyaufnahmen geben; mindestens einer der Verdächtigen soll das Geschehen in dem Hotelzimmer gefilmt haben.
Fünf der sechs deutschen Ballermann-Urlaubern, denen nun Vergewaltigung vorgeworfen wird, sitzen nun in Untersuchungshaft; die auf Mallorca mitunter mehrere Jahre andauern kann. Ein sechster Mann aus der Gruppe wurde bereits entlassen, jedoch unter Auflagen. Der Grund für seine Entlassung war, dass der Verdächtige glaubhaft machen konnte, dass er während der mutmaßlichen Vergewaltigung im Hotelzimmer auf dem Sofa geschlafen.
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