VonCarolin Gehrmannschließen
Viele Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens einen Diabetes, die Symptome bleiben oft unbemerkt. Doch es ist wichtig, die Anzeichen der Zuckerkrankheit zu erkennen, um sie richtig zu behandeln.
Bremen – Rund 7 Millionen Menschen in Deutschland sind von der Krankheit Diabetes Mellitus betroffen – und die Tendenz ist steigend. Das hat das Robert-Koch-Institut (RKI) ermittelt. In vielen Fällen hängt das auch damit zusammen, dass sich im Zuge der Corona-Pandemie die Gewohnheiten vieler Menschen, was Ernährung und Lebensstil betrifft, zum Negativen verändert haben.
Diabetes Typ 1 und Typ 2 Symptome erkennen
So berichtet das RKI unter anderem, dass der Zeiger auf der Waage bei den Deutschen nach dem ersten Jahr der Pandemie in Durchschnitt rund ein Kilo mehr angezeigt hat als zuvor. Der vermehrte Griff zu Schokolade und dem einen oder anderen Glas Wein während des Lockdowns hat bei vielen Spuren hinterlassen – auch bei Kindern und Jugendlichen.
Symptome von Diabetes bleiben je nach Typ oft lange unbemerkt
Übergewicht und Adipositas spielen bei der Entstehung eines Diabetes eine große Rolle – zumindest beim Diabetes des Typs 2. Weitere erhöhen eine ungesunde Ernährung sowie Bewegungsmangel das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln.
Je nachdem, um welche Art von Diabetes es sich handelt, merken die Betroffenen oft lange Zeit nichts von ihrer Erkrankung. Es gibt jedoch klare Anzeichen, die auf den einen oder den anderen Typ der Krankheit hindeuten. Worin besteht aber genau der Unterschied zwischen den beiden Typen von Diabetes?
Was ist Diabetes? Und worin liegt der Unterschied zwischen Typ 1 und Typ 2?
Bei Diabetes mellitus handelt es sich ganz allgemein um eine chronische Stoffwechselkrankheit. Sie zeichnet sich durch eine chronische Überzuckerung aus, der Blutzuckerspiegel ist also dauerhaft erhöht. Laut dem Diabetes-Infoportal des Helmholtz Zentrums München wird dies dadurch verursacht, dass die Aufnahme von Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Körperzellen gestört ist. Damit der Zucker aus der Nahrung von den Körperzellen aufgenommen und verwertet werden kann, wird das Hormon Insulin benötigt, welches von der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Je nachdem, ob die Produktion ganz oder nur teilweise eingeschränkt ist, unterscheidet sich, ob ein Typ-1 oder ein Typ-2-Diabetes vorliegt.
Typ-1-Diabetes tritt meist schon in jungen Jahren auf, aber auch bei Erwachsenen
Ein Diabetes vom Typ 1 tritt meist schon früh auf, im Kindes- und Jugendalter auf. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Eine Fehlreaktion des Immunsystems führt nämlich dazu, dass die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse irreparabel geschädigt sind. Der Körper kann dann kein Insulin mehr produzieren und den Zucker aus dem Blut nicht in die Körperzellen aufnehmen. Als Folge davon ist der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht.
Als Autoimmunerkrankung lässt sich die Entstehung dieser Form eigentlich eher nicht durch Lebensstil und Ernährungsgewohnheiten beeinflussen. Das RKI weist jedoch darauf hin, dass „Social Distancing“ durch Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie bei Kindern und Jugendlichen das Risiko für einen Typ-1-Diabetes erhöht hat – ausgelöst durch psychischen Stress.
Die Symptome eines Typ-1-Diabetes sind meist stärker ausgeprägt, da sich die Krankheit nicht schleichend entwickelt, sondern meist plötzlich auftritt und sich innerhalb weniger Tage oder Wochen verschlimmert. Als erste Anzeichen, dass etwas nicht stimmt, bemerken Betroffene häufig, dass sie plötzlich einen stark gesteigerten Durst, häufigen Harndrang und starke Müdigkeit verspüren. Außerdem sind sie anfälliger für Infekte.
Treten diese Symptome auf, ist oft schon ein großer Teil der Zellen, die in Bauchspeicheldrüse Insulin produzieren, zerstört. Die Diagnose erfolgt meist, weil die Betroffenen wegen des häufigen Wasserlassens einen Arzt aufgesucht haben. Sie müssen dann ihr Leben lang Insulin spritzen und regelmäßig ihre Blutwerte messen.
Bei Typ-2-Diabetes treten die Anzeichen gar nicht oder nur schleichend auf
Diabetes vom Typ 2 entwickelt sich im Gegensatz zum Typ 1 über einen längeren Zeitraum. Die Warnzeichen fallen daher auch schwächer aus. In vielen Fällen zeigen sich sogar gar keine Symptome, auch wenn die Krankheit schon weiter fortgeschritten ist, sie wird daher oft nur durch Zufall diagnostiziert oder weil bestimmte Risikofaktoren vorliegen.
Typ-2-Diabetes tritt in der Regel erst ab dem 40. Lebensjahr auf, daher kommt auch der Beiname Altersdiabetes. Hierbei nimmt die Reaktion der Körperzellen auf das Hormon Insulin langsam ab. Der Blutzuckerspiegel steigt, da der Zucker im Blut nicht mehr so effektiv abgebaut wird wie zuvor. Die Bauchspeicheldrüse fährt daraufhin zunächst die Insulinproduktion hoch, um die Unempfindlichkeit der Zellen gegen das Insulin auszugleichen. Das reicht aber irgendwann nicht mehr aus, die Zellen sind überfordert und stellen den Betrieb ein. Auf Dauer wird immer weniger Insulin ausgeschüttet.
Diese Form des Diabetes steht in engem Zusammenhang mit bestimmten Lebensgewohnheiten, welche die Krankheit auslösen. Dazu gehören Übergewicht, zu wenig Bewegung und ungesunde Ernährung. Im frühen Stadium der Krankheit können Betroffene daher häufig schon eine Verbesserung der Blutzuckerwerte erreichen, wenn sie ihre Ernährung umstellen oder mehr Bewegung in ihren Alltag einbauen. Die zusätzliche Gabe von Insulin kann dann unter Umständen sogar vermieden oder stark gesenkt werden.
Wie kann ich Anzeichen von Diabetes bei mir feststellen?
Der dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel, der im Rahmen eines Diabetes, egal welchen Typs, auftritt, führt zu einer Reihe von Symptomen. Zu den typischsten zählen laut Helmholtz-Zentrum München und RKI:
- verstärkter Harndrang (um den Zucker im Blut auszuscheiden)
- starkes Durstgefühl (wegen des Harndrangs)
- Gewichtsverlust (häufiges Wasserlassen verursacht Flüssigkeitsmangel)
- die Haut ist trocken und juckt (wegen des Flüssigkeitsmangels)
- Muskelschwäche
- Müdigkeit (die Energiequelle Zucker wird nicht richtig verwertet)
- Infektanfälligkeit und schlechte Wundheilung (da das Immunsystem geschwächt ist)
- Sehstörungen
- Mundgeruch (nach Azeton, ähnlich wie Nagellack)
Wie wird die Zuckerkrankheit festgestellt? Wann sollte man bei Symptomen zum Arzt?
Da die „Zuckerkrankheit“ Diabetes schwere Folgen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Nierenschäden nach sich ziehen kann, ist es ratsam, auf das Auftreten der typischen Symptome bei sich zu achten und gegebenenfalls den Arzt oder die Ärztin des Vertrauens zurate zu ziehen. Über die Messung des Blutzuckerwerts wird dann festgestellt, ob ein Diabetes vorliegt und mittels weiterer Tests, um welchen Typen es sich handelt.
Anschließend wird die weitere Behandlung abgestimmt, um den Betroffenen trotz Krankheit das Höchstmaß an Lebensqualität zu ermöglichen. Das wird in den meisten Fällen eine Mischung aus Insulinspritzen und Änderung der Lebensgewohnheiten sein. Übergewicht sollte dann möglichst abgebaut werden und die Ernährung gesünder gestaltet werden.
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