Früher Schnee überrascht Besucher

Meterhoher Schnee und Lawinen: Wintereinbruch in den Alpen fordert Todesopfer

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Ein heftiger Wintereinbruch in den Alpen verursacht Chaos auf vielen Straßen. Zwei Bergwanderer sterben, für einen Vermissten gibt es kaum noch Hoffnung.

Innsbruck/Bozen – Während es in den tieferen Lagen im östlichen Österreich sowie in Polen und Tschechien ohne Unterlass regnete, fiel in den Hochlagen der Alpen oberhalb von 800 bis 1200 Metern bis zu einem Meter Schnee. Viele Bergtouristen wurden trotz der prognostizierten Schneefälle vom außerordentlich frühen Wintereinbruch überrascht.

Vor allem im Raum Obertauern im Salzburger Land hatte es heftig geschneit. Der Wintersportort liegt auf 1740 Meter Höhe. Der Wind verwehte den Schnee in bizarren Skulpturen. Ein Skitourengeher (54) aus Slowenien wollte trotz eindringlicher Warnung der Salzburger Bergrettung die frühen winterlichen Bedingungen gleich nutzen und brach am Samstag zu einer Tour in den Radstädter Tauern auf. Vor Ausflügen ins Hochgebirge wurde gewarnt: „Wir raten dringend von Skitouren und Wanderungen im schneereichen Hochgebirge ab“, sagte der Landesleiter der Bergrettung Salzburg, Balthasar Laireiter, am Samstag (14. September).

Tourist bricht trotz Warnung zu Skitour in Österreich auf und verschwindet im Schneesturm

Der Slowene ging in den Schneesturm und verschwand. Bekannte alarmierten die Polizei, als er sich nicht mehr am Handy meldete. „Es hieß, dass er erfahren und ortskundig sei und eine Skitour im freien Gelände unternommen habe“, schildert Christian Binggl, Einsatzleiter und Hundeführer der Bergrettung in Obertauern gegenüber dem ORF. Sonntagmorgen wurde dann verzweifelt nach ihm gesucht. Wohin er gegangen war, das wussten die Einsatzkräfte nicht, weshalb 42 Bergretter auf der Suche nach ihm ausrückten.

Bergretter suchen im Lawinenkegel nach dem Vermissten.

„Die Bedingungen waren sehr schlecht, es hat viel Neuschnee mit Wind verfrachtet und es herrschte schlechte Sicht samt hoher Lawinengefahr“, hieß es weiter. Im Bereich des Seekareck, auf 1987 Metern Seehöhe, konnten Bergretter das Signal eines Lawinenpiepsers orten. Der Skiwanderer wurde in rund zwei Metern Tiefe aus einer großen Wechte ausgegraben. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. 

Kaum noch Hoffnung: Wanderer aus Bayern von Lawine in Tirol verschüttet – Frau in Dolomiten erfroren

Im Karwendel an der Grenze von Bayern und Tirol wurde am Samstag ein Wanderer aus der Region Coburg (Bayern) von einer Lawine verschüttet. Laut Polizei gibt es kaum noch Hoffnung für ihn. Es sei zu „99 Prozent ein Bergungseinsatz“, so ein Polizist gegenüber IPPEN.MEDIA. Bei Lebenden wird bei der Polizei von „Rettung“, bei Toten von „Bergung“ gesprochen. In Südtirol wurde ein Paar aus Kanada am Freitag nahe der Seiser Alm vom Schneesturm in über 2000 Meter Höhe überrascht. Die Frau (57) erfror, der Mann (56) überlebte stark unterkühlt und wurde am Samstag ins Tal gebracht.

Glück hatten hingegen eine 28-Jährige und ihr Lebensgefährte (29) aus Düsseldorf, die Freitagmittag von der Bergstation der Gerlossteinbahn in Richtung Gipfel gehen wollten. Auf halber Strecke wurden die beiden Rheinländer von den großen Neuschneemengen überrascht, sie setzten ihre Tour aber fort und erreichten gegen 13.45 Uhr den Gipfel.

Das Paar beschloss dann, über das Heimjöchl abzusteigen. Sie suchten Schutz in einer nahegelegenen, verfallenen Hütte. Laut Polizei hatten sie nur „leichte Bekleidung und Ausrüstung“ dabei. Sie setzten einen Notruf ab und wurden leicht unterkühlt von der Bergrettung Zell am Ziller durch den Tiefschnee sicher ins Tal gebracht.

Alpenpässe in Österreich wegen Schneeverwehungen und Lawinengefahr gesperrt

Der Wintereinbruch trifft auch den Verkehr: Viele Alpenpässe wie die Großglockner Hochalpenstraße oder das Timmelsjoch wurden gesperrt. Dabei kam die Öffnung vieler Bergstraßen dieses Jahr schon wegen des vielen Schnees im Frühjahr verspätet, dass sogar der Giro d‘Italia verlegt werden musste. Auf einigen höher gelegenen Straßen galt am Samstag zeitweise Schneekettenpflicht, etwa auf der Arlbergstraße (B197), der Defereggentalstraße (L25), der Lechtalstraße (B198) und der Silvretta-Hochalpenstraße. Die Alpenstraßen leiden sowieso schon unter vielen Baustellen.

Die Tauernbahn, über die die Züge von Salzburg nach Villach fahren, war vorübergehend wegen unter der Schneelast umgebrochener Bäume gesperrt. Hier verkehrt auch der Nachtzug der ÖBB, der Nightjet, nach Rom. Die Prognose für die kommende Woche bleibt erst mal kalt und windig, mit Schneeschauern. Dann ist wieder Tauwetter bis in die Gipfelzonen und Sonnenschein angesagt

Rubriklistenbild: © ZOOM.TIROL

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