14,5 Millionen Tote bis 2050 vorausgesagt: Bedrückende Studie zum Klimawandel
VonKarolin Schaefer
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Steigt die Durchschnittstemperatur weltweit weiter an, drohen verheerende Konsequenzen – nicht nur für die Umwelt. Auch eine Zunahme durch gefährliche Krankheiten droht.
Davos – Welche Auswirkungen könnte der Klimawandel auf die Gesundheit habe? Diese Frage haben sich das Weltwirtschaftsforum und des Beratungsunternehmens Oliver Wyman gestellt. Demnach nehmen in den kommenden Jahrzehnten nicht nur schwere Krankheiten zu, auch Millionen Menschen verlieren ihr Leben.
Gesundheitliche Auswirkungen des Klimawandels: Überschwemmungen besonders tödlich
Als Basis haben die Forschenden dafür das mittlere Szenario des Weltklimarats (IPCC) zum Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 herangezogen. Angenommen wurde demnach unter anderem ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um 2,7 Grad Celsius. Orientiert haben sich die Wissenschaftler an sechs zentralen Folgen des Klimawandels: Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen, tropische Stürme, Waldbrände und einen steigenden Meeresspiegel.
Besonders tödlich sind der Prognose zufolge Überschwemmungen. Den Schätzungen zufolge könnten bis 2050 8,5 Millionen Menschen sterben – auch indirekt durch Ernteschäden, vermehrte Infektionskrankheiten und eine höhere Luftfeuchtigkeit, die zu Atemwegserkrankungen führen kann. Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal gab es beispielsweise dutzende Todesopfer.
Eine Frau trägt ihr Hab und Gut durch ein überschwemmtes Gebiet in Dayeuhkolot (Indonesien). Überschwemmungen gelten einer Studie zufolge als tödlichste Folge des Klimawandels.
Klimawandel könnte bis 2050 14,5 Millionen Menschenleben kosten
Auf Platz zwei der tödlichsten Klimawandel-Auswirkungen für die Gesundheit folgen Dürren. Vor allem mit Blick auf eine sinkende Wasserqualität und weniger fruchtbaren Böden könnte die Sterberate bei 3,2 Millionen Toten liegen. Hitzewellen könnten dem Bericht zufolge bis 2050 rund 1,6 Millionen Leben kosten, vor allem älteren Menschen. Insgesamt wird der Klimawandel bis 2050 14,5 Millionen Menschenleben fordern, lautet die Prognose.
Durch die steigenden Temperaturen wird zudem erwartet, dass sich Mücken deutlich ausbreiten. Das erhöht die Gefahr für schwere Krankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber und Zika-Infektionen – auch in Europa und den USA. Besonders betroffen seien von den gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels Menschen in Afrika, im Mittleren Osten und Asien.
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Folgen des Klimawandels setzen Gesundheitssysteme finanziell unter Druck
Die Studienautoren betonten, dass Gesundheitssysteme mit zusätzlichen Kosten in Höhe von 1,1 Billionen US-Dollar rechnen müssen. Anders als bei der Corona-Pandemie könnten sich Regierungen und Interessengruppen auf diese Entwicklung allerdings noch vorbereiten, merkten die Autoren an. Die Ergebnisse des Berichts sollen am Donnerstag (18. Januar) auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos diskutiert werden.
Die Auswirkungen innerhalb der nächsten Jahrzehnte scheinen erschreckend, aber keinesfalls unrealistisch. „Wir müssen uns damit abfinden, dass die 1,5-Grad-Grenze überschritten werden wird“, sagte Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie, im September 2023. „Das bedeutet auch, dass es nur noch mit enormen Anstrengungen möglich sein wird, die Erwärmung unter der 2-Grad-Grenze zu halten.“