VonJosefin Schröderschließen
Venezianer fürchten um ihre Altstadt, die droht auszusterben. Immer weniger wollen dort leben, weil die Preise für Miete und Lebensmittel steigen. Grund dafür sind die Touristen.
Venedig – Die beliebte Lagunenstadt ächzt unter den Touristen. In der Hochsaison übernachten täglich 100.000 Urlauber in der Stadt, hinzu kommen die Tagesbesucher. Seit 1987 gelten Venedig und die dazugehörigen Lagunen als Weltkulturerbe der Menschheit. Dieses sieht Unesco jedoch durch die unkontrollierten Touristenströme bedroht. Gebühren in Höhe von fünf Euro sollen helfen, den Ansturm auf Venedig im kommenden Jahr besser zu bewältigen.
Das Problem von Venedig: Immer weniger Einheimische, immer mehr Touristen
Das Problem bleibt zunächst jedoch: Die venezianische Altstadt droht auszusterben. Laut der Stadtverwaltung leben in der historischen Altstadt von Venedig weniger als 50.000 Menschen. Während fast die Hälfte aller Einwohner über 60 Jahre alt ist, sind nur rund 9.000 Bewohner unter 18. Viele Venezianer ziehen aus der Altstadt weg, weil die Lebenshaltungskosten steigen. Die Einwohner sind wütend und überzeugt: So kann es nicht weiter gehen.
Während die Zahl der Einwohner zurückgeht, kommen immer mehr Touristen in die Stadt. Im September manifestierte sich das auch in den Zahlen: Die Zahl der Touristenbetten in Venedig überstieg die Zahl der Einwohner, berichtet das Newsportal Heute. 49.693 Betten für Touristen gegen 49.301 Einwohner der Altstadt.
„Die Stadt gehört uns nicht mehr“, sagt Matteo Secchi, Gründer der Organisation Venessia.com, der gegen die Entvölkerung von Venedig kämpft. „Venedig droht zu einem einzigen großen Hotel, ohne Einwohner zu werden“, mahnt er. Eine Stadt ohne Einwohner habe keine Zukunft, ist sich Secchi sicher. (Josefin Schröder)
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