Smartwatch und Handy

Eltern sollten ihre Kinder nicht mit dem Handy orten, warnt eine Expertin

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Mit dem Smartphone oder der Smartwatch prüfen manche Eltern den Standort ihrer Kinder. Dahinter steckt nicht nur das „Misstrauen“ der Erwachsenen.

Smartwatches sehen aus wie Uhren. Eigentlich sind es aber kleine Handys, die dauerhaft an ihren Besitzern kleben. Auch Kinder tragen sie schon an ihrem Handgelenk. Eltern können ihr Kind so nicht nur erreichen, sondern wissen immer, wo es ist. Das integrierte GPS-System macht es möglich, den genauen Standort herauszufinden.

Smartwatches werden zum Beispiel von Eltern genutzt, um Kinder zu orten.

Pädagogin beobachtet „Anstieg der Ängste“ bei den Eltern

Laut einer Umfrage des IT-Verbands Bitkom aus diesem Jahr haben sechs Prozent der Deutschen schon einmal ihre Kinder geortet. 24 Prozent können es sich in der Zukunft vorstellen. Neben Smartwatches, ist die Ortung über ein gewöhnliches Smartphone möglich. Fast jedes zehnte Kind zwischen zwei und fünf Jahren besitzt ein eigenes Handy oder Smartphone, heißt es in der miniKIM-Studie 2023.

Woher kommt der Wunsch der Eltern, ihr Kind zu orten? „Dahinter steckt ein übersteigertes Sicherheitsbedürfnis“, sagt die Erziehungspädagogin Imke Hummel BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Forscherinnen und Forscher berichten seit der Corona-Pandemie von einem „Dauerkrisenmodus“, weiter befeuert durch andauernde Krisen, wie Inflation und Klimawandel. Hummel beobachtet in dem Zusammenhang einen „Anstieg der Ängste“, auch um die eigenen Kinder.

Und das, obwohl Entführungen von Kindern in der Realität nur selten vorkommen. In Deutschland gab es 2023 laut polizeilicher Kriminalstatistik nur 17 Fälle von „Entziehung Minderjähriger gegen Entgelt oder in Bereicherungsabsicht“.

Pädagogin: Smartwatch kann Vorteil für ein „ängstliches Kind“ sein

Die Initiative „Schau hin“ vom Bundesfamilienministerium, die sich für eine gesunde Mediennutzung einsetzt, kritisiert den Einsatz von Smartwatches. Es handele sich um einen „Eingriff in die Freiräume des Kindes“, heißt es in einem Beitrag auf der Website.

Die Erziehungspädagogin sieht das differenzierter. Nicht in jedem Fall habe es schlimme Folgen, wenn Eltern ihre Kinder orten. Besonders dann, wenn „Eltern und Kind nach kurzer Zeit nicht mehr dran denken“. Und: „Einem ängstlichen Kind kann die smarte Verbindung das nötige Hilfsmittel sein, sich in die Welt hinauszuwagen.“

Dies ist ein Artikel von BuzzFeed News Deutschland. Wir sind ein Teil des IPPEN.MEDIA-Netzwerkes. Hier gibt es alle Beiträge von BuzzFeed News Deutschand.

Ortung mit Smartphone könnte „Misstrauen“ der Eltern sein

Doch: Hummel hält die „Gefahr, dass beide Seiten mit einem Angstthema belastet“ sind, für zu hoch. Eltern könnten ein „Gefühl von Misstrauen“ haben, Kinder sich unselbstständig fühlen. Aus entwicklungspsychologischer Sicht empfiehlt sie deshalb Eltern, auf die Ortung ihrer Kinder zu verzichten. „Schau hin“ dagegen hält dazu an, die GPS-Systeme nur in Ausnahmefällen zu verwenden und mit Einverständnis des Kindes.

Die Pädagogin richtet sich mit einem Appell an alle Eltern: „Lasst den Kindern ihre Freiheit, schenkt ihnen Vertrauen, und lasst sie auch mal in den falschen Bus steigen. Das ist zu bewältigen und hilft beim Wachsen.“ Sollte das Kind doch einmal an einen Ort wollen, an den es nur mit Smartwatch hin könnte, sollten sie sich überlegen, ob es überhaupt der richtige Ort ist.

Rubriklistenbild: © YAY Images/Imago/Screenshot Google Maps

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