VonPia Seitlerschließen
Eltern geben mithilfe eines Zettels bekannt, dass ihr Kind in der Autonomiephase steckt und bitten um Nachsicht für sein Schreien. Auf Reddit löst dies Diskussionen aus.
„Liebe Nachbarn, meine Tochter Wanda befindet sich gerade auf dem Höhepunkt der Autonomie-Phase“, steht auf einem Zettel, von dem ein User auf Reddit Anfang Januar 2025 ein Foto teilt. Es handle sich um eine „sehr wichtige Phase, kann aber sehr laut werden. Tägliche Wutausbrüche sind ‚normal‘“, heißt es weiter. Der Zettel löst auf Reddit eine Diskussion über bedürfnisorientierte Erziehung aus.
Dem Verfasser des Textes ist es wichtig zu betonen, dass die Familie ein liebevolles Miteinander pflege, auch wenn es oft „ganz schön krass“ klinge. Sie entschuldigen sich dafür. Auf Reddit finden es einige User gut, dass die Eltern ihren Nachbarn kommunizieren, was bei ihnen los sei. Bedürfnisorientierte Erziehung sei „super anstrengend“, aber gut für die Kinder, schreibt eine Person. Andere kommentieren, dass „tägliche Wutausbrüche nicht normal“ seien und sehen ein „gewaltiges Problem, wenn Kinder nie Regeln lernen“.
Autonomiephase: „Wie häufig Kinder einen Wutanfall durchleben, ist unterschiedlich“
Haben die User recht, oder sind es nur „verbitterte Boomer“, wie eine Person schreibt? Bianca Hofmann ist Erzieherin, Fachkraft für Kleinkindpädagogik und erklärt in Fortbildungen Kita-Mitarbeitenden, wie sie die Autonomiephase von Kindern besser verstehen und begleiten können. „Wie häufig Kinder einen Wutanfall durchleben, ist ganz unterschiedlich“, sagt sie BuzzFeed News von IPPEN.MEDIA. „Es gibt keine Richtwerte, was ‚normal‘ ist.“
Die Autonomiephase sei eine zentrale Entwicklungsphase, die in der Regel zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr stattfinde. Sie stelle einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Selbstständigkeit des Kindes dar. In dieser Phase entwickle das Kind ein Bewusstsein für sich selbst als eigenständige Person, mit eigenen Wünschen, Gefühlen und Meinungen und versuche Grenzen zu erkunden.
Wie Eltern ihre Kinder gut durch Wutanfälle und die Autonomiephase begleiten können
„Wutanfälle entstehen oft durch unerfüllte Bedürfnisse oder Überforderung“, sagt Hofmann. Oft werde auch ein Bedürfnis nach Autonomie – „selber machen“ nicht erfüllt. Zum Beispiel, sich selbst die Schuhe anzuziehen. Die Kinder seien hoch motiviert, aber schafften es nicht, obwohl es bei ihren Eltern ganz leicht aussehe. „Das frustriert. So kann es passieren, dass das Kind sich mit lautem Weinen auf den Boden wirft, um das überwältigende Gefühl auszudrücken“, erklärt die Expertin.
Mit ihren intensiven Gefühlen wie Wut umzugehen, würden Kinder nur lernen, wenn sie von Erwachsenen begleitet werden. Es sei wichtig, dass Eltern oder Erzieher ruhig und unterstützend reagieren. Erwachsene sollten die Kinder „beruhigen und nicht bestrafen“, sagt Hofmann BuzzFeed News Deutschland. Sie könnten auf einen Wutanfall mit diesen Sätzen reagieren: „Ich sehe, dass du sehr wütend bist“, oder: „Es ist okay, sich so zu fühlen. Manchmal ist es schwer, wenn etwas nicht klappt“.
Kinder müssten wissen, dass ihre Gefühle ernst genommen würden. Das helfe Kindern, ihre Emotionen besser zu verstehen und sie lernten, wie sie ihre Wünsche mit den Bedürfnissen anderer abstimmen, was die Basis für Empathie bilde. Und für ein gutes Nachbarschaftsverhältnis ebenfalls von Vorteil sein kann.
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