VonRichard Stroblschließen
Die Blaukrabbe sorgt an Italiens Adria-Küste für große Probleme. Nachdem sogar die Regierung einen Aufruf gestartet hat, soll die Plage jetzt zu einer Einnahmequelle werden.
Rimini – Ganz neu ist die Blaukrabbe in europäischen Gewässern nicht mehr. Und schon 2021 war von einer „Invasion im Mittelmeer“ die Rede. Nichtsdestotrotz hat sich das gefräßige Tier besonders in dem nun stärker aufgeheizten Meerwasser zu einer echten Plage für Italien entwickelt. Jetzt will man aus der Geißel der Fischer eine Gaumenfreude machen – und diese sogar im großen Stil exportieren.
Die Blaukrabbe, die auch als Blaue Schwimmkrabbe bekannt ist, stammt ursprünglich aus dem westlichen Atlantik und ist an der Atlantikküste von Nord- und Südamerika anzutreffen. Schon im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde das Tier aber nach Europa eingeschleppt und lebt überwiegend in Mündungsgebieten von Flüssen und im flachen Küstengewässer.
Blaukrabbe in Italien: „Killer der Meere“ überrennt Italiens Küste
Das Problem: Die Blaukrabbe trägt auch den vielsagenden Beinamen „Killer der Meere“. Sie frisst Muscheln, Fischrogen und andere Wasserlebewesen. In dem aufgeheizten Mittelmeerwasser der Adriaküste – besonders wegen der sandigen Böden etwa um Rimini – hat die Krabbe nun eine neue Heimat gefunden. Und hierzulande fehlen natürlich Fressfeinde, wie die Ansa berichtet. Besonders schlimm ist die Plage in diesem Jahr, weil sich die Tiere im Vergleich massenhaft vermehrt haben. Eine genaue Ursache wird noch erforscht.
Besonders für Muschelfarmen und Fischer sind die Tiere nun eine große Bedrohung, da die Blaukrabben auch Fische angreifen und Fischernetze zerschneiden. „Die Tätigkeit der kleinen Fischer in Italien ist in Gefahr“, warnt etwa der Präsident des Landwirtschaftsverbands Coldiretti laut heute.at. Für Menschen selbst stellen die Tiere eigentlich keine Gefahr dar. In Massen sollte man die Blaukrabbe aber besser meiden, denn dann kann sie sich dem Bericht nach aggressiv verhalten.
Blaukrabbe wird in Italien zum Problem: Regierung schüttet Soforthilfe aus
Wie groß das Problem in Italien ist, sieht man auch daran, dass die Regierung 2,9 Millionen Euro Soforthilfe für die von der Krabbenplage geschüttelten Muschelproduzenten freigegeben hat.
Die wissenschaftliche Bezeichnung der Blaukrabbe ist übrigens Callinectes sapidus und genau darin liegt die erhoffte Lösung des Problems. Denn der Name setzt sich aus den Teilen kallos für „schön“, nektes für „Schwimmer“ und sapidus für „schmackhaft“ zusammen.
Blaukrabbe gefräßig – und „schmackhaft“: Italien sucht nach kulinarischer Lösung
Letzteres will man sich in Italien nun zunutze machen.
Erste Restaurants in Venedig und Triest haben die Blaukrabbe schon auf ihre Speisekarte genommen. Die italienische Politik erkannte die Chance auf eine Lösung und appellierte offen, dass andere Gastronomen folgen mögen. Damit wird die „Geißel zur Ressource“, wie die Ansa berichtet. Denn die Blaukrabbe aus Italien wird jetzt sogar exportiert. In der Emilia-Romagna hat eine Firma aus Rimini demnach begonnen, die Tiere in die USA, genauer gesagt nach Miami zu exportieren. Der erste Container mit 15 Tonnen halbfertigen Krustentieren ist schon auf dem Weg auf amerikanische Teller.
Leiter der Unternehmung ist die Firma Mariscadoras, die den möglichen gastronomischen Nutzen von invasiven Arten untersucht. Nun soll die Blaukrabbe in Mestre in Fruchtfleisch und Soßen verwandelt werden.
Ranking: Die 15 schönsten und beliebtesten Urlaubsorte Italiens




Darüber hinaus untersucht man an der Universität Bologna auch der Panzer der Blaukrabbe untersucht, der besonders reich an Kalzium und Magnesium ist. Auch hier versucht man ein Verarbeitungspotential auszumachen – und so aus der Not eine Tugend zu machen.

