VonJulia Hanigkschließen
Ein seltsamer Gegenstand aus der Nordsee bringt Hobbysammler auf den Plan. Wer ein bestimmtes Exemplar findet, kann sogar einen Finderlohn bekommen.
Bremen – Auf Spaziergängen an der Nordsee oder Ostsee finden Spaziergänger und Hobbysammler immer wieder erstaunliche Gegenstände. So teilte zuletzt ein Mann ein Foto eines echten Goldschatzes im Netz. Andere Funde sind dagegen gruseliger – Skelett-Teile geben in Online-Foren Rätsel auf. Ein Reddit-User teilte nun das Bild eines seltsam anmutenden Gegenstandes, den er aus dem Meer fischte. Doch die Community erkannte diesen sofort.
„Was habe ich hier in der Nordsee gefunden?“: Mann teilt kuriosen Gegenstand auf Reddit
Auf dem Foto hält eine Hand ein weißes Kabel aus einer Art Draht in die Höhe, an dem ein rechteckiger Klotz befestigt ist. Besonders schwer scheint er nicht zu sein, da er sich mit dem Kabel offenbar mühelos hochhalten lässt. Verblasst darauf zu sehen ist auch ein Aufkleber, dessen Aufschrift zum großen Teil bereits durch das Wasser abgewaschen wurde. Nur „im Schadensfall“ ist noch darauf zu lesen. Auch der Rest ist bereits ganz schön in Mitleidenschaft gezogen worden und das Styropor verdreckt. „Was habe ich hier in der Nordsee gefunden?“, fragt sich der Entdecker.
Hobby-Sondenjäger klärt auf: Es handelt sich um eine DWD-Wettersonde
Wer genau hinsieht, kann jedoch auch noch die blauen Buchstaben „dwd.de“ erkennen. Das bringt die Reddit-Community direkt auf die richtige Fährte. Ein Kenner, der früher selbst als Hobby Sonden gesucht hat, kommentiert: „Das ist eine RS41-Wettersonde.“ Normalerweise hängen diese Gegenstände an einem Ballon und werden zu festen Zeiten von meteorologischen Stationen losgeschickt, um Informationen zu sammeln.
Sonden-Jäger und staatlich geprüfter Funkamateur Fritz Frede erklärt gegenüber IPPEN.MEDIA wie so eine Suche abläuft. Zunächst benötigt man ein Programm, um Funksignale der Radiosonden am Ballon per Funkempfänger auszulesen und so den Flug zu verfolgen. „Diese Sonden senden ihre GPS-Position laufend, um die Windwerte – Geschwindigkeit und Richtung – sowie Lufttemperatur und Luftfeuchte an die Bodenstation übertragen. Als nächsten Schritt stand nun eine Suche am Plan. Mit Laptop, Funkempfänger und Navi im Auto konnte ich nach gut drei Stunden meine erste Sonde auf einem Feld bergen.“
Radiosonden des Wetterdienstes sammeln Wetter-Daten
Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) auf seiner Website informiert, unterhält er insgesamt neun operationelle Radiosonden-Aufstiegsstellen mit unterschiedlichen Aufgaben- und Anforderungsprofilen. Dabei gibt es personenbetriebene und automatische Aufstiegsstellen. „Mit einer Radiosonde werden Temperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, Windrichtung und Windgeschwindigkeit zu den Synoptischen Hauptterminen (im Regelfall 0, 12 Uhr UTC) direkt ermittelt und zur Bodenstation gesendet“, heißt es dort. Die Daten werden dann an die DWD-Zentrale geschickt und weiterverarbeitet.
Sondenjagen, ein Hobby einiger Fans
Im Internet finden sich viele Foren mit sogenannten Sondenjägern, die es sich zum Hobby gemacht haben, die Flugbahn genau solcher Sonden zu verfolgen und die heruntergestürzten Radiosonden zu bergen. Jede Sonde hat dabei eine Seriennummer und kann damit genau zugeordnet werden. Auf Reddit ist zu lesen: „Mithilfe dieser Nummer lässt sich nachvollziehen, wo die Sonde lang geflogen ist, wie hoch sie war und noch manch andere Daten.“
Gefundene Sonden – Einige Stationen verwerten sie wieder
Doch was passiert mit der gefundenen Sonde? Der DWD schreibt: „Die Radiosonden, die nur der Erfassung der meteorologischen Parameter dienen, können der Wertstoffentsorgung zugeführt werden, die Batterien den entsprechenden Annahmestellen.“
Fritz Frede erklärt: „Auf den Sonden sind auch auf einem kleinen Zettel vermerkt, worum es sich dabei handelt und dass man die gefundenen Reste (Ballonreste, Schnüre, Fallschirm und die Sonde) ordnungsgemäß entsorgen solle.“ Jedoch wandte er sich an die meteorologische Station Wien für eine mögliche Wiederverwertung – laut seinen Angaben kostet eine Sonde 120 bis 200 Euro. Eine Idee, die gut ankam. Nun bringt er die Sonden zurück, die vor Ort dann geprüft werden. „Wenn alle Werte in Ordnung sind (Sonden messen im 0,1-Grad-Toleranz-Bereich und Luftfeuchte ebenso im Zehntel-Bereich) kommen neue Batterien hinein und sie dürfen wieder fliegen.“
Und weiter: „So haben inzwischen auch schon andere Wetterstationen, z. B. Prag, begonnen, gefundene Sonden wiederzuverwenden. So hat sich inzwischen ein freundschaftliches Verhältnis zwischen uns Sondenjägern und den Meteorologischen Stationen entwickelt und wir sind dort gern gesehene Gäste.“
Auch nach dem Fund können Sonden nützlich sein – Für einige winkt ein Finderlohn
Andere Radiosonden können aber laut DWD unter Umständen tatsächlich auch etwas wert sein. „Der DWD hat großes Interesse an der Rücksendung der Ozonsonden, die an den Radiosondenstationen der Meteorologischen Observatorien Lindenberg und Hohenpeißenberg gestartet werden. Diese können wieder aufbereitet und erneut verwendet werden.“ Diese Sonden haben einen Finderbrief beigelegt – in Deutschland wird dann ein Finderlohn in Höhe von 30 Euro ausgezahlt.
Für Fritz Frede sind aber auch die scheinbar wertlosen Fundteile nützlich, wie er erklärt: „Nachforschungen haben dann ergeben, dass diese Sonden für uns Funkamateure ein tolles Gerät sind und in anderer Art verwendet werden können. Mit Kollegen konnte ich den Computerchip in der Sonde umprogrammieren und die Sonden auf unseren speziellen Amateurfunkfrequenzen verwenden. Die umprogrammierten Sonden fliegen dann mit Ballonen mit Amateurfunk-Nutzlast und Kameras bestückt und senden Fotos und Videos live im Flug, welche wir Funkamateure empfangen und sehen können.“ (jh)
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