- VonBettina Menzelschließen
Ein Strandspaziergänger suchte an der Ostseeküste Rügens nach Fossilien – und fand einen noch viel selteneren Schatz.
Rügen – Die Ostsee hält allerlei Schätze verborgen, die viel über die Geschichte verraten. Einen davon fand nun ein Strandspaziergänger an der Kreideküste von Rügen. Es handelt sich mutmaßlich um einen fast 2000 Jahre alten germanischen Goldschmuck. Und den man im Gegensatz zu einem anderen Ostsee-Fund auch anfassen darf.
Historischer Fund an der Ostsee-Küste Rügens: Goldschmuck könnte aus der Kaiserzeit stammen
Die Germanen lebten zwischen Rhein, Weichsel, Donau, aber auch an den Küsten der Nord- und Ostsee. An der Kreideküste der Ostseeinsel Rügen fand ein Mann nun eigenen Angaben zufolge germanischen Goldschmuck aus dem 1. oder 2. Jahrhundert nach Christus, wie er am Dienstag auf Facebook in einem Post mitteilte. Er habe in einer Bachmündung nach Fossilien gesucht und das Schmuckstück direkt an der Wasserkante unter kleinen Steinen entdeckt. „Ein unglaublicher Glücksfund, ich bin sehr stolz diesen Schatz gefunden zu haben, bevor er zerstört wurde oder verloren ging“, so der Finder.
Der germanische Schmuck, auch Goldberlock genannt, soll demnach aus der römischen Kaiserzeit stammen und wäre damit fast 2000 Jahre alt. Das 3,7 mal 1,4 Zentimeter große Stück könnte aus Goldblech versetzt mit Goldperlen und legiert mit Silber oder Kupfer bestehen. Die Angaben des glücklichen Finders lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Der Mann selbst bezeichnete dies als seinen „wertvollsten Fund überhaupt“ und erhielt auch auf Facebook großen Zuspruch. „Toller Fund. Ein Lotto-6er ist da wahrscheinlicher, als so ein schönes Stück Geschichte zu finden“, lautete etwa ein Kommentar. Ein anderer Nutzer hingegen meint: „Bestimmt ein Teil von Störtebekers Schatz, schönes Teil, Glückwunsch“. Der Finder stellt zwar klar, dass der Fund wesentlich älter sei, freute sich aber über das Kompliment. Ähnliche Begeisterung löste ein uralter Schatz aus, den ein Junge (12) kürzlich fand.
Wie viel der mutmaßliche Germanen-Schmuck wert ist – und ob der Finder ihn behalten darf
In seinem Beitrag auf Facebook weist der Finder darauf hin, dass er den Fund bei der unteren Denkmalschutzbehörde gemeldet habe. Ob er seinen Schatz behalten dürfe, sei noch in Klärung. Die Chancen dafür sind vermutlich gering. „Bodendenkmale von hervorragendem wissenschaftlichem Wert werden mit ihrer Entdeckung Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Wer solche Gegenstände an sich nimmt, begeht u. U. eine Unterschlagung“, heißt es dazu von der Behörde.
Wie viel das mutmaßlich germanische Schmuckstück wert ist, stand zunächst nicht fest. Die Prüfung erfolge derzeit durch das Landesamt, hieß es von der unteren Denkmalschutzbehörde von Mecklenburg-Vorpommern auf Anfrage von IPPEN.MEDIA. Einen Finderlohn gibt es offenbar nicht. „Bei einem hervorragenden wissenschaftlichen Wert gehen die Funde in das Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern über. Eine Fundprämie ist im Gesetz nicht vorgesehen“, so die Denkmalschutzbehörde weiter. Die Fundmeldung sei am 11. Juni 2024 telefonisch eingegangen, bestätigte die Behörde.
Es könnte sich durchaus um ein Original handeln, denn ganz ungewöhnlich ist ein solcher Fund in der Gegend nicht: Im Jahr 2007 hatte man eine optisch recht ähnliche Goldberlocke gefunden. Bei diesen germanischen Schmuckstücken handelte es sich oftmals um Grabbeigaben, die mit einigem Aufwand hergestellt wurden. „Die Herstellung der Goldberlocken erforderte ein hohes Maß an technologischem Know-how, denn nach der Formgebung mussten zunächst die Einzelteile des Gefäßkörpers zusammengelötet und anschließend die filigranen Zierelemente darauf befestigt werden“, so ein Experte des Landes in einer Mitteilung. Insgesamt habe man in Mecklenburg-Vorpommern bereits 24 Goldberlocken gefunden, hieß es.
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