Gefährdete Region

Erdbebenkette erschüttert griechisches Urlaubsidyll: Felsstürze blockieren Straßen – Chaos in Kaufhaus

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An der Küste nahe dem Ferienstädtchen Nafpaktos gab es ein heftiges Beben.
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Ein heftiger Erdstoß hat die griechische Westküste in Mitleidenschaft gezogen. Es gab diverse Nachstöße. Ein Clip zeigt die Stärke der Erschütterungen.

Nafpaktos – Der Golf von Korinth ist ein Ferienidyll, das sich noch im Dornröschenschlaf befindet. Hier im Westen Griechenlands gibt es malerische Städtchen wie das Tausende Jahre alte Hafennest Nafpaktos, vor 1571 besiegte hier eine venezianisch-spanische Flotte unter Don Juan de Austria die osmanische Flotte bei der berühmten Seeschlacht von Lepanto. So heißt Nafpaktos auf Italienisch. Das leitete den Untergang des Weltreiches ein. Endlose Strände wechseln in der Region mit bizarren Felsenküsten ab, von Hotelklötzen keine Spur. Individualurlauber haben das Ferienparadies schon entdeckt. 

Am Samstagabend (21. Dezember) erschütterte ein kräftiger Erdstoß die Idylle. Um 18.29 Uhr wurde laut crisis24.garda.com ein Erdstoß der Stärke 5 gemessen. Andere Quellen geben die Stärke mit 4,7 an. Ab Stärke 5 spricht man von mittelstarken Beben, bei denen „an anfälligen Gebäuden ernste Schäden, bei robusten Gebäuden leichte oder keine Schäden“ entstehen können.

Anwohner berichten von intensivem Grollen kurz vor Erdbeben in Griechenland

Nach Angaben des griechischen Geodynamischen Instituts hatte das Erdbeben sein Epizentrum unter dem Trichonidasee etwa 20 Kilometer nordwestlich von Nafpaktos in einer Tiefe von 18,4 Kilometern. Anwohner berichten von einem „intensiven Grollen“, das das Ereignis begleitet habe. Ein YouTube-Video zeigt, wie die Erdstöße die Regale eines Supermarktes abräumten. Auch Teile der Ladendecke sowie Deckenverkleidungen fielen zu Boden.

Das Erdbeben war skai.gr zufolge im weiten Umkreis zu spüren gewesen, etwa in der Hafenstadt Patras auf der gegenüberliegenden Halbinsel Peloponnes. Nach Angaben des Bürgermeisters des Ortes Thermo, Spyros Konstandaras, kam es aufgrund des Erdbebens zu Fels- und Steinschlägen an einigen Bergstraßen. Weiter heißt es aber: „Derzeit liegen keine Berichte über Schäden an Häusern vor.“

Das Erdbeben lag relativ nahe an der Oberfläche und es wird den Wissenschaftlern zufolge in der Gegend des Trichonidasees zu postseismischer Aktivität kommen. Sprich: Nachbeben. Mehrere kleinere ereigneten sich bereits. Um 21.44 Uhr gab es noch am Samstag ein Nachbeben der Stärke 2,2, am Sonntagmorgen folgte ein Erdstoß der Stärke 1,7. Ob weitere größere Erdstöße kommen, ist unklar. Akis Tselentis, Doktor der Geophysik und Direktor des Geodynamischen Instituts, erklärte: „Aufgrund der geringen Tiefe machte es sich in Patras deutlich bemerkbar. Wir beobachten es. Für abschließende Beurteilungen ist es noch zu früh.“

Experten halten weitere Erdbeben für möglich – sie können in Griechenland verheerend sein

Im April 2007 hatte es bereits eine Reihe von Erdbeben mit ähnlichen Magnituden am Trichonidasee gegeben, die zwei bis drei Monate anhielten. Der Direktor des Seismologischen Labors in Patras, Efthymios Sokos, erklärte der Agentur APE-MPE zum jetzigen Ereignis: „Das Erdbeben wurde durch eine Verwerfung im Nordwesten des Sees verursacht.“ Weiter: „Es gab einige Nachbeben, nicht viele mehr, aber wir warten ab, wie es sich entwickelt.“ Derweil räumen Einsatzkräfte abgestürzte Felsen und Steinweg, wie ein weiteres Facebook-Video zeigt.

Auf die Frage, ob das Erdbeben von Samstag das Hauptbeben gewesen sei, antwortete Sokos: „Angesichts der Abfolge, die wir im Jahr 2007 hatten, als drei bis vier Erdbeben mit einer Stärke von etwa 5 Grad auf der Richterskala aufgezeichnet wurden, ist dies der Fall.“ Soko wies noch darauf hin, dass es in der Region noch andere bedeutende Verwerfungen gebe. „Wir wissen nicht, ob sie aktiviert wurden. Ich denke, unsere größte Sorge besteht darin, dass ein weiterer Riss aktiviert wird.“ Im Juli hatte es auf dem nahen Peloponnes ebenfalls so stark gebebt, dass man es bis auf die Ferieninsel Zakynthos spürte. Experten sprechen darum von einer „extrem seismischen Region“.

Ganz Griechenland ist ein Gebiet mit hohem Erdbebenrisiko. Hier schiebt sich die afrikanische Kontinentalplatte unter die ägäische Platte, wodurch Inseln und Gebirge emporgehoben werden. Am 7. September 1999 forderte ein Erdbeben der Stärke 6 in Athen 143 Todesopfer. 1881 verloren bei einem Beben auf der Insel Chios je nach Quellenangabe 5058 bis 7866 Menschen ihr Leben. Im Dezember 856 sollen bei einem weiteren Beben im Raum Korinth und Patras sogar 45.000 Menschen gestorben sein, für damalige Verhältnisse eine unglaublich große Anzahl an Toten.

Im Juli hatte es auch auf Kreta heftige Beben gegeben. Der berühmte Schiffswrackstrand auf Zakynthos litt ebenfalls unter mehreren Erdbeben.

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