VonJulia Hanigkschließen
Heftige Unwetter haben erneut die Schweiz getroffen. Riesige Hagelkörner kamen vom Himmel, eine Brücke stürzte ein.
Wallis – Erst am 23. Juni wurde Zermatt von schweren Unwettern heimgesucht. Erdrutsche und Überschwemmungen hatten erhebliche Schäden angerichtet, ein Vermisster wurde tot aus einem Fluss geborgen. Besonders betroffen: Zermatt. In der Nacht zum Sonntag, 30. Juni, wurden insbesondere das Tessin und das Wallis, in dem auch Zermatt liegt, wieder von schweren Unwettern getroffen.
Schwere Unwetter treffen auf Wallis, Ämter warnen: „Mit zum Teil großen Schäden zu rechnen“
Wie die Walliser Dienststelle für Naturgefahren für zivile Sicherheit und Militär berichtete, schwoll der Fluss Rhône in der Schweiz erneut drastisch an. Im Oberwallis, besonders in der Gemeinde Riddes, trat der Fluss über die Ufer, es kam zu Überschwemmungen und Murabgängen. „Der Höchststand des Rhône-Hochwassers wurde in der Nacht von Samstag (29. Juni) auf Sonntag (30. Juni) im Oberwallis erreicht und wird für den frühen Morgen im Unterwallis erwartet“, warnt die Dienststelle. Mehrere Evakuierungen seien durchgeführt worden, unter anderem im Goms, in Täsch, in Siders/Chippis oder in Sitten. „Mehrere hundert Personen wurden evakuiert“, heißt es.
Auch das Naturgefahrenportal des Bundes warnt vor Hochwassergefahr, geltend für die Rhône-Mündung in Saltina bis zum Genfersee. Es gilt die dunkelrote Warnstufe Fünf für sehr hohe Gefahr. Auf der Website ist zu lesen: „Bei dieser Wasserführung können vielerorts Ausuferungen (das Wasser verlässt das Bachbett) und Überflutungen auftreten.
Infrastrukturanlagen von nationaler Bedeutung wie zum Beispiel Bahnstrecken, Dörfer und Städte sowie Industrieanlagen können in großem Maß von Überflutungen betroffen sein. Zum Teil sind massive Verkehrsbehinderungen zu erwarten. Es ist verbreitet mit zum Teil großen Schäden zu rechnen.“Alert.swiss meldet: „Vermeiden Sie alle nicht dringenden Reisen in die Rhône-Ebene.“
Unwetter in der Schweiz: Erneut Überflutungen in Zermatt
Auf der Plattform X/Twitter kursieren außerdem mehrere Videos, die Überschwemmungen in der Gemeinde Zermatt VS zeigen sollen. Auch der Wetterdienst Météo Express teilt diese. Darauf sind erneut schwere Überflutungen zu sehen.
⛈️ Nouvelle catastrophe à Zermatt en Suisse où des orages diluviens causent des inondations cette nuit, 8 jours après les précédentes. 🌊 (© Manuel Jorge) pic.twitter.com/eYuKmHmZT5
— Météo Express (@MeteoExpress) June 29, 2024
Unwetter in der Schweiz: Zwei Brücken eingestürzt – 200 Liter pro Quadratmeter im Maggiatal
Im Maggiatal kam es zu einem Erdrutsch im Gebiet Fontana, wie die Kantonspolizei Tessin erklärt. Gleich mehrere Personen werden vermisst, heißt es. MeteoSchweiz schreibt auf X/Twitter: „Im oberen Maggiatal fielen in der Nacht über 200 Liter(d.Red. pro Quadratmeter)“. Noch einmal mehr als am letzten Wochenende mit 120 Liter Regen pro Quadratmeter. Im am stärksten betroffenen Gebiet waren Kommunikationsnetze und die Stromversorgung unterbrochen, ergänzt die dpa.
Bilanz der ergiebigen und teils intensiven #Niederschläge der vergangenen 24 Stunden. Seit Samstagmittag entluden sich von den südlichen Walliser Alpen über das Simplon-Gebiet bis zur Leventina wiederholt niederschlagsreiche #Gewitter. Im oberen Maggiatal fielen über 200 Liter! pic.twitter.com/YQDG1qEz7k
— MeteoSchweiz (@meteoschweiz) June 30, 2024
Besonders bitter: Durch die schlechten Wetterverhältnisse waren auch die Rettungsarbeiten behindert. Sogar eine Brücke stürzte in Visletto bei den Wassermassen ein – die Straße durch das Maggiatal ist unterbrochen, einige Ortschaften sind daher nicht mehr erreichbar. Auch im Ortsteil Ronchini in der Gemeinde Maggia brach eine Hängebrücke durch die Wassermassen zusammen, wie 20min.ch berichtet.
Behörden warnen vor Trinkwasser im Alta Vallemaggia
Auch das Trinkwasser scheint durch die Wassermassen betroffen zu sein. Im Alta Vallemaggia im Tessin warnten die Behörden am Sonntagmorgen (30. Juni), das Leitungswasser zu konsumieren. Das Warnportal alert.swiss meldet für Alta Vallemaggi, ausgehend von der Gemeinde Cevio: „Wir informieren Sie, dass im Gebiet ab Cevio, Vaö Rovana, Val Bavona und Val Lavizzara die Versorgung mit Trinkwasser nicht möglich ist. Das Trinkwasser darf bis auf Weiteres nicht zum Trinken, Kochen oder Waschen verwendet werden.“
Kanton Bern von schwerem Hagel getroffen – Körner so groß wie Golfbälle
Auch im Kanton Bern kam es zu schweren Unwetterschäden. Riesige Hagelkörner, so groß wie Golfbälle, krachten in mehreren Orten hinunter. Auf Social Media zeigen mehrere User große Körner in ihrer Hand – aus Busswil, Biel, Worben und Aegerten zeigen Bürger ihre riesigen Fundstücke.
Unwetter in der Schweiz: Auch einige Pässe sind nicht mehr befahrbar
Diese Pässe sind aufgrund von Erdrutschen und Überschwemmungen derzeit nicht mehr befahrbar:
- Furkapass (Obergoms VS — Realp UR)
- Gotthardpass (Andermatt UR — Airolo TI)
- Grimselpass (Innertkirchen BE — Gletsch VS)
- Lukmanierpass (Disentis/Mustér GR — Olivone TI)
- Nufenenpass (Oberwallis – Tessiner Bedrettotal)
- Pragelpass (Muaotathal SZ — Riedern GL)
- San Bernardinopass (Hinterrhein GR — San Bernardino GR)
- Simplonpass (Brig VS — Iselle I)
- Umbrailpass (Santa Maria GR — Bormio I)
Wie Railinfo SBB berichtet, sind auch mehrere Bahnstrecken von den Unwettern betroffen. Reisende sollten sich aktuell informieren, welche Strecken mit Bahn und Auto befahrbar sind.
Auch in Deutschland kam es am selben Wochenende zu Unwettern – und das mitten im EM-Spiel von Deutschland. In Österreich war ebenfalls „Land unter“. (jh)
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