VonJana Stäbenerschließen
Eine Logopädin sagt, warum es nicht hilft, wenn die „ganze Zeit Sprache auf das Kind einprasselt“ und warnt vor dem „hohen Suchtpotential“ von Kinderserien.
Wenn Kinder sprechen lernen, sind vor allem die ersten drei Lebensjahre wichtig. Mit etwa zwei Jahren sollten Kinder mindestens 50 Wörter kennen. Doch auch ältere Kitakinder brauchen die richtige sprachliche Förderung, damit sie später mal sichere Sprecher und Schreiberinnen werden. Entscheidend dafür ist eine „sprachreiche Umgebung, die sich dem Sprachstand des Kindes anpasst“, sagt die Logopädin Nathalie Frey BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.
Frey arbeitet am Lehrstuhl für Sprachheilpädagogik der Universität Würzburg und forscht unter anderem zur Diagnostik und Therapie von Kindern mit Sprachentwicklungsverzögerungen. „Sprachreiche Umgebungen sind nicht unbedingt die, in denen die ganze Zeit Sprache auf das Kind einprasselt“, sagt Frey. Viele Studien zeigten, dass es „nicht nur die Masse ist, sondern, was gesagt wird“, das verstehe jede Person, die in einem fremden Land sei, wo sie die Sprache nicht kenne.
Europäischer Tag der Logopädie 2025
Am 6. März 2025 ist Europäischer Tag der Logopädie, über den unter anderem der deutsche Bundesverband für Logopädie (dbl) informiert. Der Tag steht dieses Jahr unter dem Motto „Spielen – entdecken – Sprache fördern! Ein sprachreiches Umfeld für jedes Kind“.
Sprachreiche Umgebungen für Kinder: Was eine Logopädin rät
Etwa acht Prozent der Kinder heute können nicht richtig sprechen und leiden unter Sprachentwicklungsstörungen. Damit das nicht passiert, brauche es sprachreiche und sprachförderliche Umgebungen für Kinder. Das seien Kinderzimmer, in denen Eltern und Kind in Interaktion kommen.
Zum Beispiel beim Spielen mit der Autorennbahn oder im Kaufladen. „Wichtig ist, dass eine Geschichte entsteht“, sagt Frey BuzzFeed News Deutschland. „Dafür braucht es nicht unbedingt teure Spielsachen. Das gemeinsame Bilderbuch betrachten ist die am besten nachgewiesene Möglichkeit, um die Sprache von Kindern zu fördern.“
Bilderbücher seien „das schönste Material, das man haben kann, damit ein Kind neue Wörter lernt“, die es noch nicht kennt, zum Beispiel ein Bilderbuch über den Weltraum oder Dinosaurier. Vom ausschließlichen Sprechenlernen über Kinderserien und YouTube-Videos rät die Logopädin ab. „Wenn ein drei- bis vierjähriges Kind nur Videos anschaut, ohne darüber zu sprechen, ist das eher hinderlich für den Spracherwerb“, sagt Frey. Hinzukomme das „hohe Suchtpotential“.
Sprachförderung von Kindern: Eltern müssen „Kommentator des eigenen Lebens werden“
Digitale Medien komplett zu verbieten, halte sie jedoch nicht für sinnvoll. „Mediennutzung sollte früh eingeführt werden, damit Kinder eine gesunde Herangehensweise lernen“, sagt Frei. Manchmal brauchen Eltern eine Pause und setzen ihre Kinder eine Stunde ans Tablet. „Das ist vollkommen in Ordnung. Eltern müssen nicht immer nur in Interaktion sein“, sagt sie.
Aber was nicht passieren sollte, sei, dass „gar kein Austausch“ über die konsumierten Kinderserien (wie Peppa Pig) und Filme stattfinde. Manchen Eltern gelinge eine gute Mischung. Letztens habe sie im Zug eine Familie dabei beobachtet, dass die Kinder erst am Tablet etwas angeschaut hätten und die Eltern ihre Ruhe hatten, danach wurde über das Geschaute gesprochen „So findet Spracherwerb statt.“ Frey empfiehlt dafür auch die Sendung mit der Maus-Cartoons, bei denen niemand spreche und die Eltern gemeinsam mit ihrem Kind überlegen können, was Elefant, Ente und Maus sagen.
„Am besten funktioniert Sprachförderung alltagsintegriert“, sagt Frey BuzzFeed News Deutschland. Durch „handlungsbegleitendes Sprechen“, also indem Eltern sagten: „Ich nehme jetzt den Kochlöffel und rühre die Nudeln“. „Da kommt man sich komisch vor, ein bisschen wie der Kommentator des eigenen Lebens, aber das sind die kleinen Feinheiten, um Kitakinder gut sprachlich fördern zu können.“
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