VonJana Stäbenerschließen
Biene Maja ist heute schlanker als früher. Einige Kinderserien-Charaktere sehen als Computeranimation anders aus. Eine Körpersoziologin sieht das „kritisch“.
Vor über hundert Jahren entstanden die ersten Zeichentrickserien. Was als Daumenkino mit Strichmännchen begann, ist aus der Unterhaltungsbranche nicht mehr wegzudenken – vor allem nicht für Kinder. Filme und Serien werden heute nicht mehr gezeichnet, sondern digital animiert. Spätestens seit dem ersten Teil von Toy Story (1995) veränderte sich auch die Optik von Kinderserien.
Durch die computergestützten Produktion verschwimmen die Grenzen zwischen 2D und 3D, Figuren werden einerseits realistischer, andererseits auch perfekter. Künstlerische Eigenheiten scheinen immer mehr zu verschwinden. Wer in den 2020er-Jahren entwickelte Kinder-Serien (Cocomelon, Space Nova, Robin Hood) mit Zeichentrickserien aus den 2000ern oder früher vergleicht (Pumuckl, Peppa Wutz, Cosmo und Wanda), bekommt den Eindruck, dass heute die meisten Charaktere ähnlich aussehen. Sie haben den typischen computeranimierten Look, sind schlank, haben große Augen, kleine Nasen und perfekte Haut.
Sichtbar wird diese andere Optik besonders an den Kinder-Serien, die ein neues 3D-Design bekommen haben. Zum Beispiel an der Nickelodeon-Serie „Dora“ (2000), die seit 2024 in neuem Look bei Paramount+ zu sehen ist. Oder an der „Bob der Baumeister“ (1998), die ursprünglich mit Stop-Motion produziert wurde und seit 2017 ein komplettes CGI-Makeover erhalten hat. Auch „Wickie und die starken Männer“ und „Heidi“ (1974) werden bei ZDFtivi seit 2014 in 3D-Optik gezeigt.
Zeichentrick-Figuren: Körpersoziologin sieht „immer mehr Körperideale in Kinderserien“
Der Mode- und Körpersoziologin Melanie Haller, die uns schon zu Kinderkleidung eine Einschätzung gegeben hat, fällt vor allem die körperliche Veränderung von Serienfiguren wie Biene Maja (1976) auf, die „ganz maßgeblich in den 2020er Jahren verschlankt wurde und deren Körperschema massiv geändert wurde“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.
Es werde deutlich, wie durch Computer und Künstliche Intelligenz (KI), ähnlich wie bei den Models von Mango, „immer mehr Körperideale in Kinderserien“ auftauchen. Vor 20 bis 30 Jahren hätten sie in Zeichentrickserien noch „gar keine große Rolle gespielt“, sagt Haller. „Bei der alten Biene Maja war es irrelevant, welchen Körper sie hat. Sie ist eine Biene!“
Sie sehe heute bei vielen Serienfiguren in Kinderserien sehr schlanke, schmale Körper mit einem „deutlichen Kindchenschema“, also große Augen mit kleinen Gesichtern und wenig definierten Nasen. „Diese Ästhetik reproduziert einen normativen Anspruch an Perfektion“, kritisiert die Professorin für Geschichte und Theorie der Mode, des Designs und der Ästhetik.
Veränderte Figuren in Kinderserien haben „massive Auswirkungen auf das Körperbild“
„Meiner Ansicht nach wirken sich diese Körperrepräsentationen massiv auf das Körperbild von Kindern und jungen Menschen aus, die damit klar vermittelt bekommen, was als schön gilt und was im Ausschluss dann genauso als nicht schön gilt“, sagt Haller BuzzFeed News Deutschland.
In Zeiten, in denen sozialen Medien zu mehr Schönheits-Operationen führen und Essstörungen wieder zunehmen, „sollten wir kritischer auf diese Körperbilder in Kinderserien, aber auch in Serien für junge Erwachsene schauen“, findet sie. „Serien und Filme haben einen starken Einfluss auf junge Menschen und ihr eigenes Körperbild.“ Positiv sei, dass immerhin ethnische Differenzen etwas zugenommen hätten und Seriencharaktere heute nicht mehr alle weiß seien.
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