Expertin befürchtet Vulkan-Ausbruch am größten Gletscher Europas – ernste Folgen drohen
VonInes Alberti
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Eine Reihe von Erdbeben versetzt Forschende auf Island in Sorge. Der Vulkan Bárðarbunga, gelegen unter dem größten Gletscher Europas, droht auszubrechen.
Reykjavik - Eine Aschewolke, die tagelang über weiten Teilen Europas hing, mehr als 100.000 ausgefallene Flüge, ein wirtschaftlicher Schaden von fünf Milliarden US-Dollar – das waren einige der Folgen, nachdem das isländische Vulkansystem Eyjafjallajökull 2010 ausgebrochen war. Droht uns ein ähnliches Szenario in nicht allzu ferner Zukunft? Eine Vulkanologin schlägt Alarm, denn ein anderer, deutlich größerer Vulkan auf Island, macht Anstalten, auszubrechen.
Nach einer heftigen Erdbebenserie wird auf Island nämlich mit einem möglichen Vulkanausbruch am größten Gletscher Europas gerechnet. Magma häufe sich rund zehn Kilometer unterhalb des Vulkans Bárðarbunga im Nordwesten des Gletschers Vatnajökull an, sagte die für Vulkane und Erdbeben zuständige Abteilungsleiterin der isländischen Wetterbehörde, Kristín Jónsdóttir, der Deutschen Presse-Agentur.
Vulkan-Ausbruch auf Island steht bevor: Bárðarbunga könnte Gletscherflut auslösen
In den vergangenen Monaten habe die Aktivität zugenommen und man habe größere Erdbeben in der Region erlebt, weil sich unterirdisch Druck aufbaue. „Und das kann nur zu einem führen: Letztendlich wird es eine Eruption geben“, schlussfolgerte Jónsdóttir. Es sei jedoch äußerst schwierig, den Zeitpunkt dafür vorauszusagen – möglicherweise könne es sogar noch Jahre dauern, bis es so weit sei. Auch könne es ganz unterschiedliche Arten von Ausbrüchen geben: Käme es zu einem unter dem Gletscher, dann würde dies zu katastrophalen Fluten führen, warnte Jónsdóttir.
Vor diesem Phänomen warnt auch Magnús Tumi Guðmundsson, Professor der Geophysik an der University of Iceland. „Sollte ein Ausbruch innerhalb der Caldera (kesselförmige Struktur vulkanischen Ursprungs, Anm. d. Red.) oder an ihren Hängen stattfinden, würde er eine Gletscherflut auslösen“, sagte Guðmundsson dem isländischen Nachrichtenportal RÚV. Gletscherfluten, auch Gletscherläufe genannt, können auftreten, wenn Gletscherseen überlaufen – etwa, weil große Mengen Eis durch einen Vulkanausbruch schmelzen. Diese plötzlichen und reißenden Fluten können weitreichende Folgen für Menschen, Tiere, Natur und Infrastruktur haben.
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Bárðarbunga auf Island: Ausbruch von Gletscher-Vulkan wahrscheinlich
Der Vatnajökull gilt als größter Gletscher Europas außerhalb der Polargebiete. Rund um das riesige Vulkansystem Bárðarbunga, das von dem Eiskoloss teils bedeckt wird und teils nicht, war es am Dienstag (14. Januar) zum heftigsten Erdbebenschwarm seit zehn Jahren gekommen – damals hatte es im Anschluss einen monatelangen Ausbruch gegeben. Innerhalb weniger Stunden wurden nun schätzungsweise 130 Erdbeben verzeichnet, darunter 17 mit einer Stärke von 3,0 und höher und eines der Stärke 5,1.
Die isländische Zivilschutzbehörde hat daraufhin die Unsicherheitsstufe ausgerufen. Das bedeutet, dass sie die Lage und ihre mögliche Bedrohung für Mensch, Umwelt und Infrastruktur genau beobachtet. Seitdem hat sich die Erde zunächst wieder beruhigt.
Vulkan Bárðarbunga: Aktivität erinnert an Eyjafjallajökull-Ausbruch 2010
Die Vulkangefahr an einem isländischen Gletscher erinnert unweigerlich an den Ausbruch am Eyjafjallajökull, der 2010 mit einer kilometerhohen Aschewolke tagelang den internationalen Flugverkehr lahmgelegt hatte. Wie damals handelt es sich auch beim Bárðarbunga um einen von einem Gletscher bedeckten Vulkan. Doch derjenige damals sei deutlich kleiner gewesen, sagt Vulkanologin Jónsdóttir.
Bei einer Eruption innerhalb des Gletschergebietes könne man mit einer ähnlichen Situation wie damals rechnen, sagt sie – einschließlich Aschewolke mit möglichen Folgen für den Flugverkehr. Die Folgen hingen jedoch davon ab, wie kräftig der Ausbruch sei, wie lange er andauere und wohin der Wind wehe. Zugleich habe man damals aus dem Eyjafjallajökull gelernt, wodurch die Auswirkungen auf den Luftverkehr diesmal vermutlich geringer ausfallen würden.
Ausbruch von Bárðarbunga-Vulkan auf Island könnte große Region betreffen
Die Lage am Bárðarbunga ist deutlich anders als auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich der Hauptstadt Reykjavik, wo es seit 2021 immer wieder zu sogenannten Spalteneruptionen kommt. Dabei bildet sich jeweils ein meist kilometerlanger Erdriss, aus dem in der Folge glühend heiße Lava sprudelt, wie etwa 2024 nahe der Hafenstadt Grindavík.
Trotz der Regelmäßigkeit dieser Naturschauspiele auf der Reykjanes-Halbinsel weist Vulkanologin Jónsdóttir darauf hin, dass die Bedrohung durch solche Ausbrüche immer wieder real sei – und der nächste bereits bevorstehe. „Wir erwarten die nächste Eruption Anfang Februar oder schon Ende Januar, also sehr bald“, sagt sie. Ihre Folgen seien jedoch weitgehend lokal begrenzt, während der Bárðarbunga eine viel größere Region betreffen könnte.
Geophysiker Guðmundsson hat jedoch Hoffnung im Fall einer Eruption: „Bárðarbunga ist in mancherlei Hinsicht sehr günstig gelegen, weil Eruptionen hier weit von bewohnten Gebieten auftreten. Die nächste Siedlung ist 70 Kilometer entfernt, was es unvergleichbar mit der Situation in Grindavík macht.“ Im Fall einer Gletscherflut dürften die Folgen jedoch weitreichender sein. Der Mendenhall-Gletscher nahe Juneau in Alaska etwa löste eine Flutwelle aus, nach der das ganze Tal unter Wasser stand. (ial/dpa)