Bundesamt berichtet

Behandlung hätte zum Tod führen können: Mehrere Österreicher erhielten wohl Fake-Abnehmspritze

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Das Bundeskriminalamt warnt vor Ozempic-Fälschungen. Bereits mehrere Österreicher wurden mit potenziell tödlichen Nebenwirkungen ins Krankenhaus eingeliefert.

Innsbruck/Wien – Laut offiziellen Angaben der österreichischen Behörden ist es mittlerweile bereits in mehreren Fällen bei der Anwendung von gefälschten Ozempic-Spritzen zu kritischen gesundheitsgefährdenden Situationen gekommen. Diese hätten „ohne sofortige ärztliche Behandlung zum Tode“ führen können, teilte das Bundeskriminalamt in Wien mit. Das Diabetes-Medikament ist derzeit als Schlankmacher extrem begehrt.

Das österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) berichtete zuvor von nur einem bekannten Fall einer 31-jährigen Frau aus Salzburg, die eine mutmaßliche Fälschung des Medikaments Ozempic zum Abnehmen verwendet hatte. Anschließend musste sie mit schweren Nebenwirkungen in einem Krankenhaus behandelt werden. Ihren Anwälten zufolge hatte die Frau das Mittel als Abnehm-Spritze von einem Salzburger Schönheitschirurgen erhalten.

Abnehm-Versuch mit Ozempic könnte tödlich enden: Österreicher erhielten wohl Fake-Spritze

Das BASG informierte in der vergangenen Woche (19. Oktober) dann über neue Fälle von mehreren Patienten in Österreich, bei denen eine Behandlung mit offenbar gefälschten Ozempic-Spritzen zu schweren gesundheitsgefährdenden Nebenwirkungen geführt hatte. Die Behörde verwies nochmals auf die ausschließlich legale Bezugsquelle auf Rezept und über öffentliche Apotheken. In Österreich zählen dazu auch Ärzte ohne Hausapotheke.

Das rezeptpflichtige Arzneimittel Ozempic enthält den Wirkstoff Semaglutid und ist für die Behandlung von Patienten mit Typ-2-Diabetes zugelassen. Seit Kurzem wird die Spritze jedoch auch verstärkt als Abnehmmittel eingesetzt. Dadurch sei es zu einer begrenzten Verfügbarkeit des Medikamentes für Diabetiker gekommen. Diese Knappheit werde offenbar von kriminellen Organisationen ausgenutzt, um Fälschungen auf den Markt zu bringen, so die Angaben des BASG.

Ozempic-Fälschungen offenbar in Österreich im Umlauf – Lebensbedrohliche Folgen möglich

Durch die nicht geprüfte Qualität der Ozempic-Fälschungen, mögliche Verunreinigungen und unbekannte Inhaltsstoffe könnten diese schlimmstenfalls lebensbedrohlich sein. Die österreichischen Patienten, die nach der Anwendung der mutmaßlich gefälschten Ozempic-Spritzen im Krankenhaus behandelt werden mussten, litten laut BASG an schwerwiegenden Nebenwirkungen mit Unterzuckerung und Krampfanfällen. Dies sei ein Indiz dafür, dass in dem Produkt fälschlich Insulin anstelle des Wirkstoffs Semaglutid enthalten war.

Gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BK) warnt das BASG daher eindringlich vor unseriösen Bezugsquellen. Nach derzeitigem Ermittlungsstand des BK wurde die offenbar gefälschte „Ozempic“-Charge von einem in Österreich ansässigen Arzt bezogen. In diesem Falle dürften die Fertigpens aus einer anderen Bezugsquelle als einer Apotheke stammen. Laut Bundeskriminalamt könnten noch Exemplare aus der betroffenen Charge im Umlauf sein, beziehungsweise durch andere Ärzte ebenfalls über einen unseriösen Weg bezogen worden sein.

Ozempic-Fälschungen: Bundeskriminalamt informiert über Unterscheidungsmerkmale

Laut Warnung des Bundeskriminalamtes sind bislang folgende mögliche Unterscheidungsmerkmale von Ozempic-Fälschungen gegenüber dem Originalprodukt bekannt:

  • Das Blau des gefälschten Fertigpens ist dunkler als beim Original.
  • Das Sichtfenster ist bei der Fälschung komplett durchsichtig, beim Original mit grauer Farbe umkleidet.
  • Der Dosis-Einstellring lässt sich bei der Fälschung ausfahren, was beim Original nicht möglich ist.
  • Die Beschriftung der beiliegenden Nadeln lautet beim Original „32G“, die der Fälschungen sind mit „31G“ beschriftet.
  • Quelle: BASG
Nach derzeitigem Ermittlungsstand des BKA wurden die Ozempic-Fälschungen bei einem in Österreich ansässigen Arzt bezogen. (Foto: BKA)

Die betroffene 31-Jährige aus Salzburg ist laut ihren Anwälten nur leicht übergewichtig und keine Diabetikerin. Sie habe das Mittel „Ozempic“ seit Jahresbeginn dreimal von einem Salzburger Arzt erhalten. Beim vierten Mal sei ihr offenbar eine gefälschte Version verkauft worden. Die junge Frau verbrachte glücklicherweise nur eine Nacht im Krankenhaus.

Doch „es hätte auch ganz anders ausgehen können, nämlich mit dem Tod“, so ihre Anwältin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Juristin stellte zivil- und strafrechtliche Schritte gegen den Arzt und seinen Lieferanten in Aussicht. Bei dem Lieferanten handle es sich nicht um eine Apotheke, sagte sie, ohne weitere Details zu nennen. (na/dpa)

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