VonBjarne Kommnickschließen
Martina Lipplschließen
Ein schweres Unwetter ist über Südtirol gezogen. Dabei ist es beinahe zu einem Seilbahn-Unglück gekommen. Fahrgäste konnten gerade noch gerettet werden.
Update vom 20. Juli, 10.20 Uhr: Das Unwetter in Südtirol hat große Spuren hinterlassen. Bereits am Mittwoch erklärte Philipp Sicher, Direktor der Landesabteilung Straßendienst, gegenüber dem Portal stol.it: „Laut derzeitigem Stand liegen die Kosten für die Schäden bei rund 500.000 Euro.“ Dabei sei es bislang jedoch nicht zu gravierenden Schäden an der Straßeninfrastruktur gekommen.
Bevölkerungsschutzlandesrat Arnold Schuler sagte dem italienischen Nachrichtenportal: „Menschen kamen bislang nicht zu Schaden. Das ist sicherlich zum Teil auf verlässliche Wettervorhersagen zurückzuführen und die Achtsamkeit der Bürgerinnen und Bürger, zum Teil auf Glück, aber auch darauf, dass die Ämter der Agentur für Bevölkerungsschutz ihre Arbeit erledigt haben.“
Zwei Gondeln stürzen ab: Unwetter in Südtirol führt beinahe zu Tragödie
Im Gemeindegebiet von Welschnofen hat das Unwetter jedoch fast zu einer Tragödie geführt. Ein Baum war durch starke Windböen auf die Kabinenbahn Laurin 1 gestürzt. Dadurch wurde das Tragseil in einem Teilstück aus den Rollen gehebelt, sodass zwei Kabinen zu Boden stürzten. Darin hätten sich jedoch keine Fahrgäste aufgehalten, hieß es.
Infolgedessen hätte die Bergrettung zwei weitere Seilbahnen evakuiert, in denen teils Gäste festsaßen. Die Bergrettung habe die Gäste mit einem Seil zu Boden gelassen, da die Anlage nicht mehr bewegt werden konnte. Zwar seien die Schäden erheblich, jedoch sollen die Seilbahnen bereits in ein paar Tagen wieder ihren Dienst aufnehmen.
„Denkwürdiger Unwettertag“ in Südtirol - 4500 Blitze registriert
Erstmeldung vom 19. Juli, 12.42 Uhr: Bozen – Es war recht kurz, doch die Schäden sind enorm. Eine heftige Gewitterfront suchte Südtirol am Dienstagnachmittag heim. Häuser und Gebäude wurden einfach abgedeckt, in den Dolomiten (Italien) knickten Bäume einfach um. Die Naturgewalt ist auf Videos zu sehen. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr waren im Dauereinsatz. Flugretter des Notarzthubschaubers Aiut Alpin mussten Wanderer aus den Bergen retten.
„Hauptproblem war diesmal der Wind mit beeindruckenden Zahlen“, twittert der Landesmeteorologe Dieter Peterlin. Gleich mehrere Wetterstationen in Südtirol hätten Windgeschwindigkeiten über 90 km/h verzeichnet:
- Salurn 104 km/h
- St. Walburg 94 km/h
- Obervintl 93 km/h
- Bruneck 91 km/h
- Grasstein 90 km/h
Die starke Gewitterfront ist in Südtirol von Norden kommend über das Pustertal und später dann bis nach Bozen gezogen. Innerhalb weniger Stunden fegten Unwetter mit heftigen Böen, Starkregen und Hagel über den Alpenraum.
Der Wetterexperte nennt noch eine Zahl zum „denkwürdigen Unwettertag“. Südtirolweit sind am Dienstag über 4500 Blitze registriert worden, „das ist der zweithöchste Wert seit Messbeginn im Jahre 2010“.
Unwetter wütete in Südtirol: Sturmböen reißen Dächer von Häusern ab
Gewaltige Sturmböen wüteten in Südtirol. Rissen die Dächer von den Häusern. Allein in Bruneck wurden 27 Dächer beschädigt. Ein Haus musste evakuiert werden. In einem Video ist zu sehen, wie der heftige Sturm das Dach von Gebäude hochhebt. Die Feuerwehr Südtirol teilte den kurzen Clip aus Bruneck auf Twitter.
#EINSATZINFO: 18.07.23 - Sturmschaden an einem Wohngebäude in Bruneck 🎥 Privat #INFOINTERVENTO: 18.07.23 - Danni a un tetto di una casa a Brunico a causa del maltempo con forte raffiche di vento pic.twitter.com/95hJXWtoeh
— LFV Südtirol 🚒 UVF Alto Adige (@LFVSuedtirol) July 18, 2023
Unwetter in Südtirol: Fliegende Dächer und lose Bauteile – überschwemmte Keller und Wohnungen
Im ganzen Land stürzten Bäume um. Mehrere Straßen mussten gesperrt werden. Die ersten Notrufe gingen am Dienstag um 16 Uhr bei der Feuerwehr ein, dann folgte es Schlag auf Schlag. Mehr als 300 Einsätze verzeichneten die Feuerwehren in Südtirol nach eigenen Angaben. Neben Sturmböen sorgte auch Starkregen für Probleme. Wohnungen und Keller wurden überflutet, auch in Betriebsgebäuden drang Wasser ein. Vereinzelt kam es auch zu großem Hagel.
Bizarres Video von Unwetter in Italien – Bäume stürzen wie Streichhölzer um
In den Dolomiten östlich von Cortina d‘Ampezzo knickten Bäume einfach um. In den Berghängen und in den Dörfern hinterliessen die Unwetter eine Spur der Verwüstung. Im Vorfeld hatten einige Wetterexperten vor einer sehr gefährlichen Situation in den Süd- und Südostalpen gewarnt. In den ersten Modellberechnungen zeigte sich schon viele Stunden vorher ein Korridor mit sehr starken und extrem starken Windböen und mit sehr großem Hagel.
This is the original shootage taken by one of our members in Santo Stefano di Cadore.
— Alpine-Adriatic Meteorological Society (@aametsoc) July 18, 2023
Skittles-like trees falling during the storm. pic.twitter.com/5KBpwGEp5m
Unwetter in Südtirol: Rettungshubschrauber Aiut Alpin rettet Wanderer in kurzen Hosen aus Bergnot
Das Hubschrauber-Team rückte dreimal aus, um sechs Bergwanderer in ihrer Notlage zu helfen. Kaum war das Gewitter am Dienstagnachmittag durchgezogen, ging die erste Alarmierung beim Notarzthubschrauber Aiut Alpin ein. Die Wanderer waren von dem Gewitter überrascht worden und auf ein Unwetter offenbar überhaupt nicht vorbereitet gewesen.
„Als die Bergsteiger starteten, war es noch sehr heiß. Sie alle waren in kurzen Hosen unterwegs und nicht auf mögliche Gewitter vorbereitet“, sagte ein Aiut-Alpin-Flugretter des Aiut Alpin dem südtiroler Nachrichtenportal stol.it. Die Rettungseinsätze an den verschiedenen Orten gestalteten sich schwierig. Die Wanderer – zwei Touristen aus England, zwei Italiener und zwei Bergsteiger aus Neuseeland seien unterkühlt gewesen. Eine Untersuchung im Krankenhaus sei jedoch nicht notwendig gewesen.
Auf dem Balkan musste am Wochenende der Notstand ausgerufen werden. Videos in den sozialen Netzwerken dokumentierten das Ausmaß der Zerstörung. Unwetter trafen Teile Serbiens und Rumäniens wurden getroffen. (ml)
Rubriklistenbild: © Screenshot/Facebook.com




