Unwetter-Chaos

Riesen-Hagel kracht mit 150 km/h auf Südtirol – Lokalportal warnt Bürger vor „lebensgefährlichen“ Geschossen

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Hagel-Unwetter in Südtirol: Hagel in dieser Größe laut Wetterexperten „absolut ungewöhnlich“.
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Großer Hagel donnerten in Teilen Südtirols vom Himmel. Es waren Eisbrocken, wie auf Fotos in den sozialen Netzwerken zu sehen ist. Selbst Wetterexperten sind überrascht.

Update vom 13. Juli, 10.48 Uhr: Unwetter wüteten in Südtiro (Italien)l. Eine Superzelle vor Kaltfront Ronson sorgte für heftige Gewitter mit Hagelschlag und Starkregen. Hagelkörner bis zu neuen Zentimeter gingen am Dienstagabend auf Mittwoch im Eisacktal und im Sarntal nieder. Der Hagel erreichte dort teils eine enorme Größe. „Solche Hagelkörner können tödlich sein“, titelt das lokale Nachrichtenportal Südtirol News nach der Unwetternacht.

„Für Südtirol sind Hagelkörner mit bis zu neun Zentimeter Durchmesser absolut ungewöhnlich“, twittert der Südtiroler Meteorologe Dieter Peterlin. Der Wetterexperte teilte dazu ein Foto vom „Tag danach“. Das Dach einer Scheune in Tils ist nach der Unwetternacht völlig durchlöchert. Bei Tageslicht zeigt sich das Ausmaß der Zerstörung. Regelrechte Eisbrocken müssen hier wohl vom Himmel auf das Gebäude geknallt sein. Kaum auszudenken, wenn ein Hagel, groß wie ein Tennisball einen Menschen auf den Kopf trifft.

Nur bei extremen Unwettern können sich Hagelgeschosse mit einem Durchmesser von mehr als zehn Zentimeter formen, erklärt das Wetterportal wetteronline.de. Mit einer Geschwindigkeit von über 150 Kilometer pro Stunde stürzten diese Eisgeschosse dann vom Himmel zum Boden. Dabei können gefährliche Kopfverletzungen entstehen.

Hagel in dieser Größe sind in Südtirol bisher noch selten. Ob sich das in Zukunft in Südtirol und in Europa ändert, versuchen Wetterexperten herauszufinden. Vor allem geht es darum, Vorhersagen für diese schadensträchtigen Wetterereignisse mit Modellen genauer und schneller vorherzusagen. Hagel verursacht enorme Schäden. In Deutschland gehört Hagel laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zu den „schadensträchtigsten Wetterereignissen überhaupt“.

Von einem Trend zu mehr schweren Hagelschäden spricht einer der größten Rückversicherer der Welt, die Munich Re: „Durch den Klimawandel wird der Trend zu mehr schweren Hagelschlägen anhalten. Selbst bei einem moderaten Klimaszenario dürften schwere Hagelstürme bis Ende des Jahrhunderts beinahe in ganz Europa um 30 bis 40 Prozent zunehmen. In Norditalien, den Balkanländern und entlang der französischen und spanischen Mittelmeerküste könnte die Zunahme noch deutlich stärker ausfallen.“ 

Überschwemmung und Riesen-Hagel: Unwetter-Chaos in Südtirol

Erstmeldung vom 12. Juli 2023: Brixen – Meteorologen warnten im Alpenraum vor einer brisanten Wetterlage. Nach der Hitze kündigten sich in Südtirol heftige Gewitter an. Dann knallte es am Dienstag (11. Juli): großer Hagel, Starkregen und Blitzeinschläge sorgten für Chaos. Bäume stürzten um, Straßen und Keller wurden überflutet. Auch in Deutschland sorgten heftige Unwetter für Chaos und zudem Schwerverletzte.

Überschwemmung und Riesen-Hagel: Unwetter-Chaos in Südtirol

Tennisball-großer Hagel – regelrechte Eisbrocken – mit einem Durchmesser bis zu zehn Zentimeter gingen in Teilen Südtirols nieder. Die Größe der Hagelkörner war teils enorm, wie Fotos in den sozialen Netzwerken dokumentieren. Es sind Aufnahmen von Hagelkörnern, die auf Händen liegen. Einige Eisformationen bedeckten die Handflächen komplett. Bilder von einigen außergewöhnlichen Exemplaren, teilt auch der Landesverbandfeuerwehr Südtirol auf Twitter. Das Ausmaß der Schäden ist bislang noch unklar. Hagelschlag zerschlug im Sartal mindestens ein Dachfenster und die Heckscheibe eines Autos.

Extremes Unwetter mit Starkregen in Südtirol: Tennisball-großer Hagel

Der „Hotspot“ der Unwetter mit Hagelschlag und Starkregen lag nach Angaben der Südtiroler Feuerwehr im Eisacktal. In der Wetterstation Brixen Vahrn über 60 Liter pro Quadratmeter Niederschlag innerhalb von einer Stunde gemessen worden. In Videos aus der Unwetternacht ist zu sehen, wie Wassermassen Straßen fluten, Schlamm und Geröll mit sich reißen.

Unwetter in Südtirol: Wetterexperte spricht von Superzelle

Eine „Superzelle“ vor dem rasch durchziehenden Gewitterkomplex für den Hagel verantwortlich, twittert Meteorologe Dieter Peterlin am Dienstagabend. Dazu postet er eine Analyse eines Radarbildes.

Mit den Unwettern ist es in Südtirol allerdings noch nicht vorbei. Auch am Donnerstag sind weiter Gewitter angesagt. „Jetzt am Vormittag bereits die nächste Gewitterfront aus Westen. Da kann es auch mal stärker regnen und hageln, hat aber nicht so viel Energie drin wie jene von gestern“, so Wetterexperte Peterlin.

Unwetter in Österreich: Gewitterwarnstufe Orange in mehreren Bundesländern

In Österreich gilt in fast allen Teilen des Landes am Donnerstag (12. Juli) die Gewitter-Alarmstufe Orange. Die markante Kaltfront von Tief Ronson rollt von Westen heran. Das Unwetterpotenzial ist hoch, warnt der österreichische Wetterdienst GeoSphere Austria mit. „Im Zuge von Gewittern können Starkregen, vorübergehende Sturmböen sowie vereinzelt Hagel auftreten“, heißt es in der aktuellen Warnung. In Vorarlberg ist demnach schon ab Donnerstagmittag mit heftigen Gewittern und starken Regenschauern zurechnen. Im Laufe des Tages breiten sich die Gewitter weiter nach Osten aus und nehmen an Intensität zu. (ml)

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