Katastrophe im Naturschutzgebiet

Sizilien steht in Flammen – Wüstenwind facht Feuer „böswilliger Natur“ an

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Urlaubsziel Sizilien steht schon wieder in Flammen: Bei Trapani im Westen der Insel brannten 350 Hektar eines Naturschutzgebietes ab. Spargelbauern sollen schuld an der Katastrophe sein.

Trapani – Die Ferieninsel Sizilien ganz im Süden Italiens ist ein Paradies für Urlauber. Selbst im Winterhalbjahr lässt sich hier noch Sonne tanken. Orte wie Taormina sind berühmt für ihre Strände und das Panorama auf den Ätna. Voriges Jahr sorgte eine beispiellose Serie von Waldbränden für irreparable Schäden an der Vegetation. Die Insel leidet seit über einem Jahr unter Hitzewellen und Trockenheit, die Flammen erreichten im Herbst sogar die Hauptstadt der Insel Palermo. Bodenspekulanten, die in Naturschutzgebieten Hotels bauen wollen, werden für die Brände verantwortlich gemacht.

Flammen lodern in dn Himmel: Im Westen Siziliens ist ein Waldbrand ausgebrochen.

Waldbrand tobt auf Sizilien – Mitten im Ferienparadies lodern Flammen auf

Kaum hat das Frühjahr begonnen, lodert im Westen der Insel schon wieder ein riesiger Waldbrand auf. Zwischen den beiden idyllischen Urlaubsorten Castellamare del Golfo und San Vito lo Capo stand am späten Samstagnachmittag plötzlich der ganze Berg Inici in Flammen. Ein aus der Sahara herüberwehender Scirocco-Sturm fachte das Feuer an. Der Berg ist ein beliebtes Wanderziel, von ihm aus kann man die Steilküste im Golf von Castellamare überblicken.

„Aufgrund des starken Windes und der Unmöglichkeit, die Einsatzorte in den Abendstunden zu erreichen, wuchs das Feuer immer größer“, schreibt meteoweb.eu. „Daher wurde der Monte Inici, der Berg, der die Stadt überragt, die ganze Nacht über auf tragische Weise von hohen Flammen beleuchtet, die an mehreren Fronten ausbrachen.“ Löschflugzeuge konnten wegen der bis zu 100 km/h schnellen Scirocco-Windböen nicht eingesetzt werden.

Heftige Scirocco-Winde fachen Flammen auf Sizilien an

„Mehrere Teams der Feuerwehr, darunter auch aus benachbarten Provinzen, und der Forstbehörde arbeiteten die ganze Nacht und den ganzen heutigen Tag“, heißt es in ein er Mitteilung der Präfektur Trapani. Katastrophenschutzteams und Polizei warnten die Bewohner der Region vor den Gefahren des Feuers. In der Nacht wurde vorsorglich ein Restaurant evakuiert.

Schließlich gelang es den Feuerwehren in der Nacht doch, die Flammen zu löschen. Im Morgengrauen war das Feuer eingedämmt. 350 Hektar Wald wurden vernichtet.

Bürgermeister: „Ein höllisches Feuer, das unheilbare Wunden verursacht“

„Ein höllisches Feuer, das unheilbare Wunden und unkalkulierbare Umwelt- und Wirtschaftsschäden in unserem Gebiet verursacht“, schreibt Bürgermeister von Castellamare del Golfo, Giuseppe Fausto auf Facebook. Voriges Jahr mussten Badegäste bei einem Waldbrand in der Gemeinde übers Meer evakuiert werden.

Fausto vermutet, dass die Flammen „böswilliger Natur“ waren. Das heißt also, dass man im Rathaus von Brandstiftung ausgeht. Die Umweltorganisation Fenice Verde wird deutlicher: „Einer der faszinierendsten Berge in der Provinz Trapani ist jetzt zu Asche verkommen“, schreibt die Organisation in einem Facebook-Post. „Es besteht der Verdacht, dass diese Umweltkatastrophe mit unverantwortlichen Praktiken der Spargelernte zusammenhängt.“

Umweltschützer haben einen schrecklichen Verdacht

Bei manchen Landwirten sei es Praxis, im Frühjahr das im Vorjahr gewachsene vertrocknete Kraut über den Spargelfeldern abzufackeln, um leichter an die bald wieder austreibenden Spargelsprossen zu kommen und mit der Asche zu düngen.

„Die Praxis, Flächenvegetation auf dem Boden zu verbrennen, in dem Spargel wächst, ist falsch, es schadet unwiederbringlich dem umliegenden Ökosystem“, heißt es in dem Post weiter. Im vorigen Jahr sei der einst für seinen Spargelreichtum berühmte Monte Sparacio in der Nachbarschaft des Monte Inici dreimal abgebrannt. „Er ist jetzt zu einem verbrannten Gebiet verkommen, das nicht mehr fruchtbar ist“, so Fenice Verde.

Eigentlich hatte die Waldbrandsaison selbst im Winter, in dem die sonst üblichen Regenfälle ausblieben, gar nicht aufgehört. Ende Februar brannte es bei Messina im Nordosten und Palermo im Norden, Ende Februar am Ätna im Osten, im Januar und Dezember loderten Flammen im Westen der Insel. „Jetzt geht das schon wieder los. Ist es möglich, mit Menschen zusammenzuleben, die zu so einem Unsinn fähig sind?“, fragte der Bürgermeister von Rometta, Nicola Merlino.

Rubriklistenbild: © Antonio Monaco/Facebook

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