Drama um deutsche Hamas-Geiseln – Verzweifelter Vater wendet sich jetzt direkt an Scholz
VonSebastian Richter
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Der Krieg zwischen der Hamas und Israel geht weiter. Noch immer sind zahlreiche Menschen verschwunden, ein Familienvater bittet den deutschen Kanzler um Hilfe.
Tel Aviv – Der Angriff der Hamas auf Israel sorgte weltweit für Entsetzen. Neben hunderten ermordeten Menschen verschleppte die Terrororganisation Dutzende, darunter auch deutsche Staatsbürger. Betroffen ist auch Yoni Asher. Seine Frau Doron Katz, seine zwei Töchter und Schwiegermutter wurden gewaltvoll in den Gazastreifen verschleppt.
Alle haben den deutschen Pass, den Pass seiner Frau zeigt er während eines Interviews mit dem Sender WeltTV in die Kamera. „Ich stehe an den Toren zur Hölle“, erklärt Asher. Die Großmutter starb erst vor wenigen Monaten im Alter von über 100 Jahren. Sie überlebte laut Asher den Holocaust, nun sei er „froh, dass sie diesen zweiten Holocaust nicht miterleben muss“. Asher befinde sich „im Kampf seines Lebens“ um seine Familie. Schon zuvor wandte sich Asher über das Fernsehen an die Öffentlichkeit, damals an die Hamas selbst.
Vater aus Israel bittet Kanzler Olaf Scholz um Hilfe
Er richtet zudem die Worte an Deutschland, insbesondere an Bundeskanzler Olaf Scholz. „Herr Kanzler, ich bitte Sie“, so Asher, „sie sind ein fähiger Mann, Deutschland ein fähiges Land, sie können es schaffen. Und ich flehe sie an, denken Sie daran, was in Deutschland passieren kann“. Israel sei „ein Teil des Westens“. Was in Israel mit Europäern passiere, könne ebenso in Deutschland passieren. „Sie haben uns ‚nie wieder‘ versprochen, jetzt ist die Zeit, dieses Versprechen umzusetzen“. Deutschland solle die Versprechen einlösen, die es in der Vergangenheit gemacht habe.
Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert
Im Interview wird deutlich, dass sich Asher bereits mit der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock unterhalten habe. Auch mit der deutschen Botschaft stehe er in Kontakt, die alles dafür tue, ihm zu helfen.
Derweil bereitet sich Bundeskanzler Olaf Scholz auf eine Reise nach Israel vor – als erster Premierminister aus dem Westen seit dem Angriff der Hamas. Offenbar ist auch eine Reise nach Ägypten geplant, das Land, in das tausende Zivilisten aus dem Gazastreifen fliehen. Tel Aviv erhofft sich beim Kanzlerbesuch am Dienstag (17. Oktober) eine Vermittlerrolle durch Scholz wegen der tausenden palästinensischen Flüchtlinge. (spr)