Video zu Krawallen bei Paris

„Du wirst nicht mehr ruhig leben, Bruder“: Sanitäter rastet nach Todesschuss auf Nahel (17) vor Polizisten aus

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Ein französischer Polizist erschoss einen 17-Jährigen in Nanterre. Der Sanitäter kannte den Jungen und geht Polizisten an. Ein Video zeigt seinen Wutausbruch.

Nanterre – Ausnahmezustand in Frankreich. Seit ein Polizist am Dienstag (27. Juni) bei einer Verkehrskontrolle einen Jugendlichen erschoss, rollt eine Welle der Empörung durch das Land. Noch größer ist die Wut und das Unverständnis in den Vorstädten von Paris. Noch am selben Abend entwickelten sich Krawalle in den Banlieus. Mülltonnen, Autos, eine Grundschule und das Rathaus von Mantes-la-Jolie brannten.

Die Unruhen beschränken sich nicht auf den Großraum Paris. Auch in Bordeaux und Nizza gingen Menschen auf die Straße. Die Debatte um Polizeigewalt hat in Frankreich eine neue Eskalationsstufe erreicht. Im Jahr 2022 starben laut Informationen der Zeitung L‘Obs 13 Menschen alleine bei scheinbar banalen Verkehrskontrollen.

Einer der Sanitäter ging die Polizisten, die den Krankenwagen mit dem getöteten Jugendlichen ins Krankenhaus eskortiert hatten, noch auf dem Parkplatz an. Der 17-jährige Nahel war zu diesem Zeitpunkt bereits tot.

Noch vor den Frankreich-Krawallen: Video zeigt Wutausbruch von Sanitäter – „Nanterre wird aufwachen“

In den sozialen Netzwerken kursiert ein Video von seinem Wutausbruch. „Ihr werdet sehen, wie das heute laufen wird“, brüllt der Sanitäter mit erhobenem Zeigefinger: „Alle sind gerade auf dem Weg ins Bett, ihr werdet sehen, wie Nanterre aufwachen wird.“ Er ahnte bereits, was auf die Vorstadt zukommen wird.

Wutausbruch auf dem Parkplatz: Ein Sanitäter, der nach den Todesschüssen von Nanterre auf einen Polizisten losging, wurde festgenommen.

Um ihn herum stehen ein Mann und eine Frau in Polizei-Schutzweste, ein Polizist mit einem weißen Hemd, ein Mann in Zivil und Polizist mit einem schwarzen Hemd. Die Wut des Sanitäters richtet sich besonders gegen Letzteren.

„Du siehst sein Kindergesicht“, ruft der Sanitäter dem Polizisten ins Gewissen: „Für einen Verstoß gegen die Fahrerlaubnis, Bruder!“ Eine Zeugin filmte die Polizeikontrolle, bei der Nahel erschossen wurde.

„Ich kannte den Kleinen“: Sanitäter aus Nanterre verrät tragische Details über getöteten 17-Jährigen

Dann lässt er durchblicken, warum er besonders emotional reagiert. „Ich kannte den Kleinen, ich habe ihn aufwachsen sehen! Seine Mutter hat ihn ganz alleine großgezogen, sein Vater hat ihn verlassen, sie wird ihren Sohn begraben! Sie ist ganz alleine! Wegen eines Vergehens gegen die Fahrerlaubnis!“, seine Stimme überschlägt sich mehrfach während er das ruft.

Dann sagt der Sanitäter dem Polizisten, die Aufstände könnten auch ihn treffen: „Du wirst nicht mehr in Ruhe leben, Bruder! Du wirst nicht mehr in Ruhe leben!“ Die anderen Beamten versuchen schließlich, ihn zu beruhigen.

Er beleidigte angeblich Polizisten wegen des Todesschusses bei Paris: Sanitäter nach Wutausbruch festgenommen

Was im Video nicht mehr zu sehen ist: Der Krankenwagenfahrer soll nach dem Vorfall verhaftet worden sein. Angeblich wegen „Drohungen und Volksverhetzung“, heißt es auf Twitter. Die Polizeipräfektur von Hauts-de-Seine bestätigt das dem Portal CheckNews teilweise.

„Mehrere Videos zeigen einen Sanitäter, der einen Polizisten gewaltsam angreift und bedroht. Der Polizist war Teil der Eskorte des Krankenwagens. Es wurde Anzeige erstattet und der Sanitäter festgenommen“, so die Polizei.

Die Staatsanwaltschaft von Nanterre erklärt auf Anfrage des Blattes, der Krankenwagenfahrer sei wegen „Beleidigungen und Drohungen“ festgenommen worden. Von einem tätlichen Angriff ist nicht die Rede. Außerdem dementiert die Staatsanwaltschaft die Gerüchte, beim Polizisten, der vom Sanitäter angegangen wurde, handle es sich um den Todesschützen.

Polizei und Staatsanwaltschaft entkräften Gerüchte: Polizist aus dem Video ist nicht der Nanterre-Schütze

„Er (der Sanitäter, d.R) glaubte, den Verantwortlichen für den Schuss erkannt zu haben. Aber wir sind dabei, die betroffenen Polizeibeamten zu überprüfen“, sagt die Staatsanwaltschaft.

Noch konkreter äußert sich dazu die Polizeipräfektur: „Es ist weder der Schütze noch sein Kollege.“ Und auch die Gerüchte, der Sanitäter habe den getöteten 17-Jährigen im Krankenwagen begleitet, sollen nicht stimmen. „Im Gegensatz zu dem, was in den sozialen Netzwerken geschrieben wird, hat er das Opfer des Schusses nicht transportiert“, schreibt die Behörde. (moe)

Rubriklistenbild: © Screenshot/TikTok

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